Oldenburg - Das Plattenepithelkarzinom tritt meistens im höheren Alter ab dem 70. Lebensjahr auf. Erste Symptome können sich aber auch schon im mittleren Alter zeigen, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Die Deutsche Krebsgesellschaft geht in Deutschland pro Jahr von drei bis vier Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner aus.
Ähnlich wie bei dem Basalzellkarzinom sind die Heilungschancen vor allem bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung deutlich besser als bei dem auch als schwarzen Hautkrebs bekannten malignen Malinom. Aber auch ein Plattenepithelkarzinom kann zu einer lebensgefährlichen Erkrankung werden, wenn nicht rechtzeitig eine Therapie erfolgt.
„Die Prognose des Plattenepithelkarzinoms hängt von der Größe des Tumors und der Metastasierung ab“, berichtet Prof. Dr. Ulrike Raap, Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie im Klinikum Oldenburg. In eher seltenen Fällen können sich auch Tochtergeschwülste bilden. Vor allem bei einer frühzeitigen Diagnose verläuft die Behandlung eines Plattenepithelkarzinoms bei den meisten Betroffenen mit gutem Erfolg. In der Regel ist die dermato-histologisch kontrollierte operative Entfernung des Tumors die am besten geeignete Therapie. Wenn der Krebs nicht operiert werden kann, können mitunter auch andere Behandlungsoptionen wie etwa eine Bestrahlungs- oder Chemotherapie eingesetzt werden.
Hellhäutige gefährdet
Ein Plattenepithelkarzinom ist die Langzeitfolge einer Schädigung der Hautzellen durch die im Sonnenlicht enthaltene UV-Strahlung, betont Prof. Dr. Raap: „Jeder Mensch hat ein eigenes, schon bei der Geburt feststehendes UV-Lebenszeitkonto, das je nach Hauttyp und Lebensstil früher oder später aufgebraucht ist.“ Wer besonders helle Haut sowie blonde oder rote Haare hat, lebt mit einem deutlich kleineren Sonnenlichtkonto als Menschen mit dunklerer Haut bzw. Haaren. Aus diesem Grund erkranken Menschen aus südeuropäischen oder afrikanischen Ländern eher selten an diesem Hautkrebstyp. Für hellhäutige Menschen, die ihr Sonnenstundenkonto aufgebraucht haben, bedeutet der ungeschützte Kontakt mit Sonnenlicht dagegen einen Anstieg des Krebsrisikos.
Ein Plattenepithelkarzinom entsteht nicht plötzlich und überraschend. Meistens bildet sich mit der aktinischen Keratose zunächst eine Vorstufe. Typische Anzeichen sind kleine gerötete Stellen oder raue Oberflächen, die ohne erklärbaren Grund auf der Haut entstehen und nicht wieder verschwinden. Oft bilden sich warzenartige Fortsätze auf dem Boden einer aktinischen Keratose oder eines bereits entstandenen Plattenepithelkarzinoms.
Klärung beim Hautarzt
Im Verdachtsfall ist eine sorgfältige Untersuchung bei einem Hautarzt erforderlich, bei der sicher festgestellt werden kann, ob und in welcher Ausprägung eine aktinische Keratose vorliegt. Unter anderem kann abgeklärt werden, ob nur oberflächliche Schädigungen vorliegen oder bereits tiefer gelegene Hautschichten betroffen sind. Für eine verlässliche Diagnose ist neben einer genauen Begutachtung der gesamten Haut auch eine Untersuchung von Gewebeproben im Labor nötig. In der Universitätsklinik für Dermatologie des Klinikums Oldenburg steht dafür ein spezialisiertes Labor zur Verfügung, so dass die Diagnostik unter einem Dach erfolgen kann.
Zur Behandlung einer aktinischen Keratose heben sich Verfahren wie das Herausschneiden, Herausschaben und Cremes bewährt, die lokal appliziert werden und einen immunmodulatorischen Wirkstoff enthalten. Ein guter therapeutischer Effekt kann bei einer großflächigen Ausbreitung der aktinischen Keratosen auch mit der photodynamischen Therapie erzielt werden. Dabei wird die betroffene Hautstelle mit einem Wirkstoff eingecremt, der sich in den erkrankten Hautstellen anreichert und dort zu einem lichtempfindlichen Stoff umgebaut wird. Bei einer Bestrahlung mit Rot- oder Sonnenlicht werden diese Substanzen photoaktiv, was die Bildung eines aggressiven Sauerstoffs bewirkt, mit dem die krankhaften Zellen letztlich zerstört werden.
Auch nach einer erfolgreichen Therapie müssen sich Hautkrebs-Patienten darüber im Klaren sein, dass einmal durch UV-Licht geschädigte Haut für immer besonders empfindlich ist. So ist die Ursache des Problems nicht mit dem Behandlungserfolg behoben, erklärt Prof. Dr. Ulrike Raap: „Wer sein Sonnenstundenkonto aufgebraucht hat, ist stets der Gefahr ausgesetzt, dass sich weitere Tumoren bilden können. Ein konsequenter Lichtschutz ist daher sehr wichtig.“
Wer sich viel im Freien aufhält, ist längst nicht nur an warmen Sonnentagen automatisch einer permanenten Strahlung von ultraviolettem Licht ausgesetzt. Da das Gesicht und auch die Hände anders als der Rest des Körpers zumeist unbedeckt sind, wird das UV-Lebenszeitkonto der Haut in diesen Bereichen zuerst aufgebraucht. Aus diesem Grund entstehen Plattenepithelkarzinome und seine Vorstufen meistens an einer oder mehreren Stellen des Gesichts oder der Hände. Allerdings kann die Krebsform auch an anderen Stellen wie etwa im Genitalbereich auftreten.
