Oldenburg - Eine gesunde Leber hat bei Erwachsenen eine Länge von etwa 20 Zentimetern und kann bis zu 1,5 Kilogramm wiegen. Sie arbeitet wie ein extrem gut haltbarer Hochleistungsmotor, der trotz hoher Belastungen und Schädigungen lange Zeit tadellos funktionieren kann. „Beschwerden, die auf eine Lebererkrankung hindeuten, stellen sich mitunter erst ein, wenn bereits ein großer Teil der Organfunktion verloren gegangen ist“, betont Dr. Martin Schmidt-Lauber, Facharzt für Gastroenterologie mit Praxis in Oldenburg.
Die Leber verfügt über eine sehr gute Regenerationsfähigkeit. Sie kann sich selbst von einer chronischen Entzündung erholen und nach gewisser Zeit wieder bis zu ihrer normalen Größe nachwachsen. Voraussetzung ist, dass die Erkrankung noch nicht zu weit fortgeschritten ist und der Betroffene schädliche Faktoren wie Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch, Bewegungsmangel und/oder Übergewicht beseitigt, die für das Problem verantwortlich waren.
Arbeit einer Kläranlage
Die Leber arbeitet in einfachen Worten ausgedrückt wie ein Kraftwerk des Körpers, das zugleich die Funktion einer Kläranlage wahrnimmt. Zu den zahlreichen Aufgaben gehört unter anderem die Regulierung des Fett- und Zuckerstoffwechsels sowie des Mineral- und Vitaminhaushalts. Als Eiweißfabrik sorgt die Leber dafür, dass lebenswichtige Stoffe gebildet werden, die der Organismus zum Beispiel für die Blutgerinnung braucht.
Zudem erzeugt die Leber pro Tag fast einen Liter Gallensaft und filtert automatisch Schadstoffe und Gifte aus dem Blut, die im Rahmen des Stoffwechsels entstanden sind oder dem Körper mit der Nahrung zugeführt wurden. Die Schadstoffe werden von der Leber inaktiviert oder zu Substanzen umgewandelt, die mit dem Urin ausgeschieden werden.
Nicht zuletzt ist die Leber ein wichtiges Speicherorgan, in dem Nährstoffe wie Fette, Vitamine und Zucker eingelagert werden, erklärt Dr. Schmidt-Lauber: „Ohne diese Speicherfunktion könnte der Mensch längere Hungerperioden nicht ohne größere Schäden überstehen.“
Die sehr unterschiedlichen Formen der Lebererkrankungen können durch eine Vielzahl von Ursachen begünstigt und ausgelöst werden. Eine gesunde Leber kann sich durch zahlreiche Gründe entzünden. Während eine akute Erkrankungsform in vielen Fällen schon durch einen gesünderen Lebensstil wieder verschwinden kann, führt eine über einen längeren Zeitraum unerkannte und unbehandelte chronische Leberentzündung früher oder später zu einer zunehmenden Vernarbung des Organs.
Da dann anstelle gesunder Leberzellen immer mehr Narbengewebe entsteht, kann die Leber ihre zahlreichen Funktionen immer schlechter erfüllen. Dieser auch als Zirrhose bezeichnete Prozess führt dazu, dass die Leber schrumpft und am Ende als Zentrale für die Entgiftung und den Stoffwechsel ausfällt. Die Folge kann im schlimmsten Fall ein komplexes Organversagen auch der Lungen und Nieren sein.
Zu wenig Spenderorgane
Für Betroffene einer fortgeschrittenen Zirrhose kann eine Lebertransplantation die einzige Perspektive sein. Auch wenn die für den Organersatz notwendige Operation heute in einem anerkannten Transplantationszentrum in den meisten Fällen gut verläuft, müssen die Patienten anschließend lebenslang Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr unterdrücken, so Dr. Schmidt-Lauber: „Ein weiteres großes Problem ist, dass viel mehr Spenderorgane benötigt werden als zur Verfügung stehen.“ Selbst wenn keine Transplantation nötig ist, leben Zirrhose-Patienten unter anderem mit einem erhöhtem Leberkrebs-Risiko.
Bis sich eine Lebererkrankung bemerkbar macht, können viele Jahre vergehen. Dessen ungeachtet ist die Heilungschance umso besser, je eher die Erkrankung erkannt wird. Erste Warnzeichen können unerklärliche Abgespanntheit, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme sein. Dazu können Schmerzen im Oberbauch und eine Gelbfärbung der Haut kommen. Um eine Lebererkrankung frühzeitig zu erkennen, sollte man bei hausärztlichen Routineuntersuchungen auch regelmäßig die Blutwerte checken lassen.
