Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Altersbedingte Makuladegeneration Wenn die Sehkraft schwindet

Klaus Hilkmann

Oldenburg - Als Makuladegeneration wird eine Gruppe von Augenerkrankungen bezeichnet, die allesamt zu einer schleichenden Schädigung der Makula – dem Ort des schärfsten Sehens in der Netzhaut – führen. Eher selten sind Erkrankungsformen, die etwa in Folge von starker Kurzsichtigkeit, von Entzündungen oder einer Rheumatherapie auftreten. Der mit Abstand größte Teil der Erkrankten ist von der feuchten oder der trockenen Form der altersbedingten Makuladegeneration betroffen. „Beide Erkrankungsformen treten vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auf, weil sie im Wesentlichen die Folge von Altersschäden sind“, erklärt die Oldenburger Fachärztin für Augenheilkunde Dr. Claudia Lanzrath.

Studien gehen davon aus, dass in Deutschland rund zwei Millionen Menschen in unterschiedlicher Ausprägung an einer AMD-Form erkrankt sind. Die altersbedingte Makuladegeneration ist für fast ein Drittel aller Neuerblindungen verantwortlich. Als weitere Erkrankungen, die oft zur Erblindung führen, folgen die diabetische Retinopathie und das Glaukom mit jeweils 16 Prozent.

Alle Funktionen betroffen

Eine Schädigung der Makula kann je nach Ausprägung und Verlauf nach und nach oder auch sehr schnell und überraschend alle wesentlichen Funktionen des Auges beinträchtigen und letztlich zur Erblindung führen. Betroffene müssen unter anderem mit einer Abnahme der Sehschärfe, des Kontrastempfindens, des Farbensehens und der Anpassungsfähigkeit an veränderte Lichtverhältnisse sowie zentralen Gesichtsfeldausfällen und einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit rechnen. Erste Anzeichen sind häufig Probleme beim Lesen und beim Fernsehen, berichtet Dr. Lanzrath: „Es kann zum Beispiel dazu kommen, dass beim Lesen einzelne Buchstaben verspringen oder nicht mehr zu sehen sind. Auch wenn im Fernsehbild Verzerrungen wahrgenommen werden, sollte man sich umgehend von einem Augenarzt untersuchen lassen.“

Die feuchte Form der Makuladegeneration kann in vielen Fällen durch eine frühzeitige und fachgerechte medizinische Intervention zumindest aufgehalten werden. „Umgehendes Handeln ist schon deshalb wichtig, weil diese Erkrankungsform oft sehr schnell fortschreitet und innerhalb kurzer Zeit zu einem Verlust der Sehkraft führen kann“, betont Dr. Lanzrath, die in ihrer Praxis pro Woche durchschnittlich 50 AMD-Patienten behandelt. Bei der feuchten Makuladegeneration kommt es unterhalb der Netzhaut zu einer unkontrollierten Bildung von Gefäßen, die – wie ein poröser Schlauch – undicht sind. Wenn die dann aus den Gefäßen austretende Flüssigkeit in die benachbarte Netzhaut gelangt, kommt es dort zu irreparablen Schäden – und damit zu einem Verlust des Sehvermögens.

Gefäße werden verödet

Als Therapie hat sich seit etwa fünf Jahren die Einspritzung bestimmter Medikamente bewährt, die eine Rückbildung und Verödung der ansonsten weiter wachsenden Gefäßstrukturen bewirken. Bei der Einspritzung wird eine rund 0,05 Milliliter kleine Menge des Wirkstoffs – etwa so viel wie ein Wassertropfen – mit einer hauchdünnen Kanüle in den Glaskörper injiziert. Weil das betroffene Auge zuvor mit harmlosen Tropfen betäubt wird, müssen die Patienten keine Angst vor großen Schmerzen haben, so Dr. Lanzrath: „In der Regel bemerken sie den Eingriff nur durch einen kurzen Piks und einem leichten Brennen.“ Nach einer kurzen Erholungsphase kann man wieder nach Hause gehen. Da das Auge noch für einige Stunden geschont werden muss, sei Arbeiten oder Auto fahren nach der Behandlung nicht empfehlenswert.

Bei einer trockenen Makuladegeneration hat die Medizin bis heute noch keine Chance für eine erfolgreiche Behandlung gefunden. Eine gestörte Funktion der unter der Netzhaut liegenden Schicht führt bei dieser Erkrankungsform dazu, dass die zur Versorgung der Netzhaut verantwortlichen Zellen nach und nach absterben. Bei den meisten Betroffenen schreitet die Erkrankung langsam, aber stetig voran. Im fortgeschrittenen Alter kann es als Folge zu einer deutlichen Einschränkung oder einem völligen Verlust des zentralen Sehvermögens kommen, wobei das Umfeldsehen in der Regel erhalten bleibt.

Eine genetische Disposition ist der wesentliche Grund für das Auftreten einer altersbedingten Makuladegeneration. Zwar handelt es sich nicht um eine Erbkrankheit. „Häufig muss man aber mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit rechnen, wenn schon die Eltern und/oder die Großeltern betroffen waren“, berichtet Dr. Claudia Lanzrath. Das Erkrankungsrisiko wird durch Rauchen, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel erhöht. Schützen kann man sich kaum. Allerdings ist eine vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft empfehlenswert. Auch das Tragen einer Sonnenbrille kann sinnvoll sein.

Anzeichen für eine altersbedingte Makuladegeneration bleiben mitunter lange Zeit unbemerkt, weil die Verschlechterung des Sehvermögens oft nur langsam voranschreitet.Wenn ein Auge stärker geschädigt ist, wird die Sehbeeinträchtigung häufig durch das besser funktionierende Auge ausgeglichen. Im Rahmen der Routineuntersuchungen sollte ab 50 auch ein genauer Blick auf die Netzhaut erfolgen.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Ein Wahlplakat des sächsischen SPD-Spitzenkandidaten zur Europawahl, Matthias Ecke hängt an der Schandauer Straße im Stadtteil Striesen an einem Laternenmast. Der sächsische SPD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Matthias Ecke, ist beim Plakatieren im Dresdner Stadtteil Striesen angegriffen und schwer verletzt worden. Beim Befestigen von Wahlplakaten am späten Freitagabend schlugen vier Unbekannte auf den 41-Jährigen ein, wie Polizei und Partei am Samstag mitteilten.

SCHUTZ VON POLITIKERN Innenminister wollen schärfere Strafen prüfen

Dpa
Potsdam
Sie geben Orientierung im Evangelischen Krankenhaus (v.l.) Andreas Hoppe, Elli Fitzner, Gertrud Wessel-Terharn und Pastorin Anke Fasse.

EVANGELISCHES KRANKENHAUS IN OLDENBURG Sie geben Orientierung und Sicherheit im Krankenhaus-Dschungel

Anja Biewald
Oldenburg
Kommentar
Oliver Braun

ZUR ABSAGE DES DEMOKRATIEFESTES IN SCHORTENS Ideologiebefreit Probleme lösen

Oliver Braun
Verfolgt seinen Plan: Oldenburgs Cheftrainer Pedro Calles (links) spricht mit Deane Williams.

VOR AUSWÄRTSSPIEL IN ULM Baskets-Coach Pedro Calles blendet Rennen um Platz acht aus

Niklas Benter
Oldenburg
Meinung
Landwirte protestieren am Rande einer Veranstaltung der Grünen. Die Ampel zieht viel Kritik auf sich.

FORDERUNGSKATALOG AUFGESTELLT Darum sind die Landwirte weiterhin wütend auf die Politik

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover