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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Wenn der Druck zu groß wird

18.07.2018

Westerstede Der bei Erwachsenen etwa handtellergroße Beckenboden sitzt in der Mitte des knöchernen Beckens. Er bildet mit einem komplexen System aus Muskeln, Sehnen und Bändern eine Art Haltegerüst, mit dem das Abrutschen der im Bauchraum sitzenden Organe und Gewebestrukturen verhindert wird. Der Beckenboden sorgt unter anderem dafür, dass die Blase und die Harnröhre, der Enddarm sowie die Gebärmutter und Scheide in ihrer natürlichen Position gehalten werden.

Natürliche Gründe

„Ohne eine gut funktionierende Beckenbodenmuskulatur würden die darüber liegenden Organe bei jedem Schritt nach unten rutschen“, erklärt der Chefarzt der Urologie Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling, der das von der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifizierte Beckenbodenzentrum in der Ammerland-Klinik Westerstede gemeinsam mit dem Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Rainer Schutz, leitet.

Bei einer ausgeprägten Beckenbodenschwäche stellen sich oftmals erhebliche Beschwerden ein, was mit einem großen Verlust von Lebensqualität verbunden ist. Dazu können neben einem dauernden Druckgefühl und Schmerzen im Bauchraum vor allem eine Harn- und Stuhlinkontinenz sowie eine Störung der Entleerungsfunktion zählen. Nach Angaben von Fachgesellschaften leiden in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen unter einer Blasenschwäche, die immer wieder oder andauernd mit einem unkontrollierten Harnverlust verbunden ist. Obwohl man das Problem meistens gut lösen könnte, bleiben viele Fälle unbehandelt, weil Betroffene aus falscher Scham auf ärztliche Hilfe verzichten.

Frauen sind sehr viel häufiger als Männer betroffen. Weil die Funktion der Beckenbodenmuskulatur im Laufe des Lebens aus sehr unterschiedlichen – zumeist natürlichen – Gründen schwächer wird, steigt das Inkontinenz-Risiko im höheren Alter deutlich an. Es können aber auch schon junge Menschen und in seltenen Fällen sogar Kinder darunter leiden. Aktuelle Studien zeigen, dass rund jeder vierte Betroffene erst um die 30 Jahre alt ist.

Insbesondere bei Frauen ist eine nachlassende Funktionsfähigkeit des Beckenbodens eine normale Begleiterscheinung des Alterungsprozesses. Das gilt insbesondere dann, wenn die Muskulatur nach mehreren Schwangerschaften und Geburten an Spannkraft verloren hat. Da auch die genetische Disposition eine wichtige Rolle spielt, haben viele Frauen dank einer auch im hohen Alter tadellos funktionierenden Beckenbodenmuskulatur keine Probleme mit einem ungewollten Harn- oder Stuhlverlust.

Davon abgesehen können auch etliche erworbene Gründe das Entstehen einer Inkontinenz begünstigen. Neben einer Operation etwa an der Prostata sowie einer Diabetes-Erkrankung und chronischem Husten nennt Prof. Kausch von Schmeling auch die Folgen eines ungesunden Lebensstils: „Die Wahrscheinlichkeit für eine frühzeitige Beckenbodenschwäche wird durch Rauchen, negativen Stress, extreme körperliche Belastungen und starkes Übergewicht erhöht.“

Stark beansprucht

So bedeutet jedes Kilo zu viel zusätzlichen Druck auf den ohnehin bei jeder Bewegung im aufrechten Gang stark beanspruchten Beckenboden. Als Folge kann sich früher oder später eine oft zunächst örtlich begrenzte Beckenbodenschwäche einstellen. Wenn das Problem im Bereich der Harnblase oder der Harnröhre auftritt, müssen Betroffene mit einer Harninkontinenz oder dem Gegenteil – Schwierigkeiten beim Wasserlassen – rechnen.

Den meisten Betroffenen einer Beckenbodenschwäche kann man mit verschiedenen konservativen Behandlungsmethoden gut helfen. Operationen zur Beckenbodenkorrektur werden heute nicht mehr so häufig durchgeführt wie noch vor zehn bis 15 Jahren, berichtet Kausch von Schmeling: „Neben einer medikamentösen Therapie ist vor allem Beckenbodengymnastik unter Anleitung eines Physiotherapeuten eine gut geeignete Behandlungsoption, weil man die betroffene Muskulatur damit gezielt und effektiv trainieren kann.“ Die Übungen zielen auf eine kon­trollierbare Straffung der relevanten Muskelgruppen ab.

Bei einer Schwächeder Beckenbodenmuskulatur im Enddarmbereich kann es zu einer Stuhlinkontinenz oder zu Entleerungsstörungen kommen. Nicht selten stellen sich Beschwerden in mehreren Bereichen ein, weil der Beckenboden nicht nur an einer Stelle zu schwach ist, um seine Funktion erfüllen zu können. Frauen leiden häufig unter einer zusätzlichen Problematik. Eine Beckenboden-bedingte Absenkung der Gebärmutter verursacht bei ihnen oft ein schmerzhaftes Zug- und Druckgefühl im Unterleib und in der Scheide.

Gezieltes Training bewirkt eine Stärkung des Haltesystems. Dadurch können verloren gegangene Funktionen wie etwa kontrolliertes Wasserlassen wiederhergestellt werden. Zugleich werden Organe wie etwa die Harnblase entlastet, die zuvor einem schädlichen Dauerdruck ausgesetzt waren, so Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: „Die unter physiotherapeutischer Anleitung erlernten Übungen ermöglichen ein kontrolliertes An- und Entspannen der Schließmuskulatur, sodass man seine Inkontinenz überwinden kann.“

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