Westerstede - Links und rechts an der Schilddrüse verfügt jeder Mensch in der Regel über jeweils zwei Nebenschilddrüsen. Die im Hals angesiedelten, insgesamt vier knapp linsengroßen Drüsen produzieren das so genannte Parathormon, das der Organismus zur Steuerung des Kalziumhaushalts benötigt. Wenn zu wenig oder zu viel Parathormon in den Nebenschilddrüsen gebildet wird, gerät der Kalziumspiegel außerhalb eines verträglichen Normbereichs, was sich je nach Art der Erkrankung negativ auf verschiedene Körper- und Organfunktionen auswirken kann.
Eine zumeist durch einen gutartigen Tumor in einer oder mehreren Nebenschilddrüsen oder durch andere Organerkrankungen ausgelöste Überfunktion erzeugt eine unkontrollierte, über den Bedarf hinausgehende Parathormon-Produktion. Als Folge eines dann vorliegenden primären, sekundären oder tertiären Hyperparathyreoidismus wird vermehrt Kalzium aus den Knochen freigesetzt, was zum Entstehen und Fortschreiten einer Osteoporose sowie schmerzhaften Kalkablagerungen in Muskeln und Gelenken führt.
Nierensteinleiden sind die häufigsten Symptome bei einem primären Hyperparathyreoidismus. Dazu erhöht sich das Risiko für Beschwerden im Magen- und Darmtrakt sowie für seelische Veränderungen. Eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen tritt am häufigsten auf, wenn die Drüsen im Rahmen einer totalen Schilddrüsenentfernung unbeabsichtigt ebenfalls entnommen werden.
Auslöser nicht bekannt
Unter- und Überfunktionen der Nebenschilddrüsen sind im höheren Alter deutlich weiter verbreitet als in jüngeren Jahren. Wodurch die Störungen ausgelöst werden, ist medizinisch noch nicht abschließend geklärt. In eher seltenen Fällen liegt eine erbliche Form vor, erklärt das Deutsche Schilddrüsenzentrum. Anders als bei vielen anderen Erkrankungen spielt der Lebensstil keine nachweisbare Rolle. Da es sich bei den Nebenschilddrüsen um eigenständige Organe handelt, gibt es meistens keinen unmittelbaren Zusammenhang mit Erkrankungen der benachbarten Schilddrüse.
Sicher ist, dass sowohl eine Überfunktion wie auch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen ohne eine fachgerechte medizinische Intervention mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität sowie mitunter auch einer verminderten Lebenserwartung verbunden sind. Dabei kann eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung die meisten Patienten sicher und oft dauerhaft von der Erkrankung befreien, berichten Dr. Muneer Deeb, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Maroof Sayeed Shah, Leiter des Schilddrüsenzentrums der Ammerland-Klinik Westerstede:
Sehr gute Prognose
„Je nach Art und Verlauf der Erkrankung können eine medikamentöse Behandlung oder Entfernung der krankhaften Drüsen die beste Option sein. Eine zielgerichtete, auf eine präzise Diagnostik basierende Therapie ermöglicht fast immer eine sehr gute Prognose für den Patienten.“
Zu Beginn der Diagnostik ist zunächst stets eine sorgfältige Anamnese erforderlich, bei der dem Haus- oder Facharzt die Art und Dauer der Beschwerden genau geschildert werden. Anschließend sollten Laboruntersuchungen der Blut- und Urinwerte erfolgen, die Klarheit über den Kalziumspiegel und die Parathormon-Produktion bringen. Je nach Art der Erkrankung können weitere Untersuchungen wie etwa Ultraschallaufnahmen im Halsbereich nötig sein
