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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Wie Frau Steffgen ihre Pflegekraft fand

30.05.2017

Ganderkesee Susanne Steffgen relaxt gerade bei ihrer Familie in Speyer. Früher waren solche Reisen umständlich. Denn die 53-Jährige leidet seit einem grippalen Infekt im Alter von 29 an CIDP, einer fortschreitenden entzündlichen Erkrankung der peripheren Nerven, und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Wollte sie ihre Familie besuchen, musste vor Ort ein Heimplatz her.

In Ganderkesee kümmerte sich jahrelang ein Pflegedienst um Susanne Steffgen. Bis zu fünf Mal am Tag kamen Pflegekräfte, die Uhrzeiten waren genau vorgeben. „Dieses Modell hat nichts damit zu tun, dass die zu pflegende Person selbstbestimmt handeln kann“, ärgerte sich Steffgen.

Doch Susanne Steffgen hat ihr Problem selbst gelöst: Agnieszka Dubik aus Polen, die zwar keine gelernte Krankenschwester ist, aber zahlreiche Schulungen besucht hat, begleitet sie nicht nur in den Urlaub, sondern stellt auch zu Hause eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sicher. Die bezahlt Steffgen mit dem persönlichen Budget, das sie beim Sozialamt beantragt hat. Damit können behinderte Menschen Leistungen zur Teilhabe selbst einkaufen. Diese Form wurde zum 1. Juli 2001 eingeführt.

Während die Kosten für den Pflegedienst vorher bei bis zu 7000 Euro monatlich lagen, kostet das neue Modell rund 3400 Euro. Von der Pflegekasse erhält Susanne Steffgen mit Pflegegrad 4 insgesamt 728 Euro; weitere Kosten für Lohn, Verpflegung und Wohnung der 34-jährigen Pflegekraft übernimmt das Sozialamt. Agnieszka Dubik wohnt in einem eigenen Apartment im selben Haus wie Steffgen. Der Ganderkeseerin ist es ein Anliegen, die Variante des persönlichen Budgets bekannt zu machen: „Mehr Menschen sollen davon profitieren können und menschenwürdiger leben.“

In der Tat ist das Modell wenig verbreitet. So haben im Zuständigkeitsbereich des Servicezentrums Oldenburg der AOK-Niedersachsen, der Stadt und dem Landkreis Oldenburg, der Stadt Delmenhorst sowie den Landkreisen Ammerland und Wesermarsch, bisher sieben Personen ein persönliches Budget beantragt, teilt Martina Brüggemann von der AOK in Oldenburg mit. Einen Antrag auf ein persönliches Budget können Interessierte unter anderem bei ihrer Krankenkasse, Pflegekasse oder auch dem Sozialhilfeträger stellen. „Dort wird mit dem Betroffenen der Bedarf ermittelt. Wenn es um Leistungen mehrerer Träger geht, muss eine Institution den Hut aufhaben, die mit dem zu Pflegenden eine Zielvereinbarung trifft“, erklärt die Leiterin der Abteilung Pflege. Das persönliche Budget sei unterschiedlich hoch, je nach Pflegebedarf. „Beachtet werden muss, dass nicht alle Leistungen budgetfähig sind und es Leistungsbegrenzungen gibt. Das gilt auch für die eingesetzten Mitarbeiter. Nicht jeder gewünschte Mitarbeiter verfügt über die notwendigen Qualifikationen und darf möglicherweise auch nicht alle Leistungen erbringen“, so Brüggemann. Für einige könne das Modell genau das Richtige sein, da es leichter mit eigenen Interessen vereinbar sei. Martina Brüggemann weist jedoch auch auf den hohen Verwaltungsaufwand hin. „Die Pflegebedürftigen sind Arbeitgeber mit allen Pflichten, es sei denn, man beauftragt zum Beispiel einen Steuerberater.“ Außerdem sei zu bedenken, dass ein Pfleger auch Urlaub braucht oder krank werden kann.

Hier hat Susanne Steffgen vorgesorgt: Sie hat einen Vertrag mit einer Hamburger Firma geschlossen, die osteuropäische Pflegekräfte vermittelt. Fällt eine Kraft aus, wird Ersatz geschickt. Außerdem übernimmt die Firma die Lohnsteuerabrechnungen.

Steffgen erhält eine Rechnung, die sie an das Sozialamt weiterleitet. Außerdem muss sie auflisten, welche Leistungen und Kosten angefallen sind. Aber das nimmt die Ratsfrau der Linken gerne auf sich, denn neben vielen Reisen freut sie sich nun auf mehr Zeit für ihre Ratsarbeit sowie viele kulturelle Veranstaltungen – eben mehr Teilhabe am öffentlichen Leben.

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Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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