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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Ohne Implantat herrscht bei ihr Stille

09.02.2019

Wiefelstede Wenn Jette von Deetzen ihrer kleinen Schwester Jella (1) eine Geschichte vorliest, dann macht sie das zumeist nicht mit Worten, sondern in Gebärdensprache. Denn die Zehnjährige aus Wiefelstede ist hörgeschädigt. Sie springt zwischen den Welten hin und her, wie ihre Mutter, Nadine von Deetzen, sagt. Denn sie wächst bilingual auf. Ihre Geschichte hat bereits beim Bayrischen Rundfunk für Aufsehen gesorgt. Und nun will auch der Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen ihre Geschichte hören und sehen.

Späte Diagnose

Jette ist nahezu taub. Links ist sie gehörlos, rechts „an Taubheit grenzend“, sagen die Ärzte. Jette hat eine progrediente Hörschädigung. Ihr Gehör ist von Geburt an eingeschränkt. Das wird aber erst im Alter von fast drei Jahren festgestellt. Jette spricht nicht, doch der Ohrenarzt sagt, es sei alles in Ordnung. Die Eltern sollten sich nicht so anstellen. Jette sei eben ein „Late-Talker“. Ein anderer Arzt stellt jedoch die Diagnose, dass ihr Gehör immer schlechter wird. Mit sechs Jahren erlebt Jette mit, wie sie ertaubt.

Dank des Cochlear Implantats (CI) könne die Zehnjährige zwar hören, „aber nicht alles verstehen“, sagt Nadine von Deetzen. Besonders schwierig wird es für Jette, wenn viele Personen auf einmal reden oder es im Raum hallt. Gerade wenn sie von der Schule nach Hause kommt, braucht Jette deswegen erst einmal Ruhe. „Dann hat sie eine Hörerschöpfung“, erklärt ihre Mutter. Sie zieht die Hörgeräte aus den Ohrmuscheln, nimmt die magnetische Platte, die zum Cochlear Implantat gehört, von ihrem Kopf. Jette spricht zwar, doch nimmt sie das Implantat raus, herrscht Stille. Um ihrer Tochter eine durchgängige Kommunikation zu ermöglichen und ihr eine Hörentlastung zu geben, wird im Hause von Deetzen daher viel in Gebärdensprache kommuniziert. Selbst die Jüngste, Jella, kann bereits ein wenig gebärden. Daher sei Gebärdensprache und Implantat kein Ausschlusskriterium. „Es geht beides“, sagt ihre Mutter.

Viele Kämpfe

Seit fünf Jahren lernt Jette die Gebärdensprache. Wöchentlich vier Stunden übt die Zehnjährige mit ihrer Lehrerin in den heimischen vier Wänden. Auch ihre Eltern lernen das Gebärden. Jettes Ziel ist es, die Gebärdensprache so zu beherrschen, um auf einen Gebärdendolmetscher zurückgreifen zu können, falls ihre Eltern mal nicht da sind – zum Beispiel in der Schule, im Krankenhaus oder bei Behörden. „Es ist aber keine Selbstverständlichkeit, dass hörgeschädigte Kinder und ihre Eltern Hausgebärdensprachkurse ohne Probleme bewilligt bekommen“, sagt die 39-Jährige. „Die Zuständigkeit wird hin und her geschoben.“ Die Familie von Deetzen hat daher bereits eine Reihe von Kämpfen für Jette ausgefochten.

Um Aufklärungsarbeit zu leisten und anderen Betroffenen Mut zu machen, laden Mutter und Tochter Videos zum Thema Gebärdensprache in die Facebook-Gruppe „Gebärden und CI? Na klar!“ und bei Youtube hoch. „Das macht mir total Spaß“, sagt Jette. Durch die Beiträge wurde schließlich der Bayrische Rundfunk auf die Familie aufmerksam und hatte die von Deetzens fünf Tage lang für ihr Wochenmagazin für Hörgeschädigte „Sehen statt Hören“ besucht. „Ich fand es richtig toll“, sagt Jette. „Ist aber auch irgendwie komisch, wenn man sich dann im Fernsehen sieht.“ Und auch Nadine von Deetzen fand es spannend: „Es war zwar anstrengend, aber eine tolle Erfahrung.“

TV-Auftritt und Tagung

Im November waren Mutter und Tochter dann zu der Fachtagung „Cochlea Implantat – Realitäten ohne Zwang“ des Deutschen Gehörlosen-Bundes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin eingeladen. Bei der Podiumsdiskussion erzählten beide aus ihrem Alltag. „Ich habe so das Gefühl, ohne Gebärden würde ich eigentlich gar nicht richtig leben“, sagte Jette damals vor rund 110 Teilnehmern. Dank der Gebärdensprache und des Implantates kann die Zehnjährige nämlich in der Welt der Hörenden und Gehörlosen wandeln.

Auch der Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen ist auf die Zehnjährige aufmerksam geworden und hatte über seine Redakteurin angefragt, ob die Familie von Deetzen an einem Dreh für die Sendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“ Interesse hätte. „Der Dreh soll für die Rubrik ,Hirschhausen unterwegs’ sein, in der Eckhard von Hirschhausen verschiedene Menschen oder medizinische Berufe kennenlernt“, erzählt die 39-Jährige. „Sobald die Sendungsplanung steht, wollte sich die Redakteurin wieder melden.“

Doch zunächst stehen noch andere spannende Dinge in Jettes Leben an. So zum Beispiel auch der Schulwechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule. „Ich möchte gerne auf die Oberschule Wiefelstede gehen“, sagt Jette. Hier würden schließlich auch ihre Freundinnen und ihr großer Bruder Jan hingehen. Hier kennt sie sich aus. Und den Gymnasialzweig könne sie dort auch nehmen. „Ich bin zuversichtlich, dass alles klappt“, ist sich Nadine von Deetzen sicher. Aufgegeben hat die Familie nämlich noch nie.

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Niklas Benter Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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