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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Herzmuskelentzündung: Viren-Angriff auf den Motor

15.09.2020

Wildeshausen Bei gesunden Menschen stellt der durch das Herz angetriebene Blutkreislauf sicher, dass der Organismus jederzeit mit allen wichtigen Stoffen versorgt wird. Das bei Erwachsenen faustgroße, bis zu 350 Gramm wiegende Herz schlägt täglich rund 100000 Mal und befördert dabei bis zu 10000 Liter Blut. Seine Wand besteht vor allem aus Muskelgewebe. Dessen Pumpleistung stellt wie ein ständig laufender Antriebsmotor die Blutzirkulation sicher.

Die Herzmuskulatur sorgt somit dafür, dass von den beiden Herzkammern aus Sauerstoff und lebenswichtige Nährstoffe in die Lunge und die anderen Organe gepumpt werden. Die Steuerung erfolgt über das so genannte sympathische Nervensystem, das die Herzschlagfrequenz automatisch an die jeweilige Belastung anpasst. „Bei großem Anstrengungen erhöht sich die Frequenz des Herzschlags, da der Organismus einen höheren Energiebedarf als im Ruhezustand hat“, erklärt der Facharzt für Kardiologie, Dr. Falk Theil, Chefarzt für Innere Medizin im Krankenhaus Johanneum Wildeshausen.

Bei einer auch als Myokarditis bezeichneten Herzmuskelentzündung funktioniert diese Versorgung nur eingeschränkt. Häufigste Ursache ist eine virale Infektion. Weitere Auslöser können schwere bakterielle oder rheumatische Erkrankungen sein. Wenn der Erreger den Herzmuskel befällt, kommt es zu einer Abwehrreaktion des Körpers. Die so ausgelöste Entzündung führt zum Anschwellen der Herzmuskelzellen, als dessen Folge die Dehnungsfähigkeit der Muskulatur sinkt und die Pumpleistung reduziert wird. Zudem können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Verschiedene Virentypen

Das Risiko, dass sich aus einer Erkältung oder Grippe eine Myokarditis entwickelt, ist je nach Virentyp unterschiedlich. Während einer Erkältungssaison im Herbst und Winter ist davon auszugehen, dass bis zu fünf Prozent der kursierenden Viren auch den Herzmuskel angreifen. Bei Covid 19-Viren ist dieser Anteil offenbar sehr viel höher. Eine Studie der Goethe Universität Frankfurt hat Covid 19-Patienten jüngst auf Folgeschäden im Herzmuskel untersucht, berichtet Dr. Theil: „Im MRT konnten bei 60 Prozent der Patienten entzündliche Veränderungen nachgewiesen werden.“ Welche Rolle das für die Herzleistung von Covid 19-Patienten spielt, bleibe Gegenstand der weiteren Forschung.

Typische Hinweise für eine Herzmuskelentzündung können abgesehen von körperlicher Schwäche ein Druck- oder Schmerzgefühl hinter der Brustwand sowie Herzrasen, Herzstolpern und Rhythmusstörungen sein. das Gleiche gilt für eine schon nach leichten körperlichen Anstrengungen auftretende Atemnot sowie für Schwindelanfälle.

Chronischer Verlauf

In seltenen Fällen stellt sich ein chronischer Verlauf ein, der sich insbesondere mit einer anhaltenden allgemeinen Schwäche bemerkbar macht, betont Dr. Theil: „Betroffene werden schnell müde und schaffen es nach einer überstandenen Infektionserkrankung einfach nicht, ihre gewohnte Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen.“

Wie lange die Beschwerden verbleiben, hängt vor allem von der Dauer der Viruserkrankung ab. Meistens ist eine Myokarditis kurze Zeit nach der Verschwinden der Erkältungs- und Grippesymptome ausgestanden. Eine medikamentöse Behandlung ist in der Regel nicht nötig. Für die Heilung ist körperliche Schonung entscheidend, erklärt Dr. Theil: „Man sollte seinem Körper ausreichend Erholung und Ruhe gönnen.“

NWZonline.de/gesundheit
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