Wildeshausen - Bläulich verfärbte Blutgefäße, Schwellungen, Schmerzen sowie offene Wunden, die nicht von selbst heilen: Medizinisch als Varizen bezeichnete Krampfadern sind für viele Betroffene weit mehr als ein kosmetisches Problem. Erste Anzeichen der Venenerkrankung können schon in jüngeren Jahren zumeist an den Beinen mit dem Auftauchen feiner Verästelungen – den sogenannten Besenreisern – entstehen.
Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Varizen entwickeln oder weiter ausbreiten. Nach Angaben des AOK-Bundesverbands leben in Deutschland rund 20 Prozent der über 80-Jährigen mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Krampfadern. Frauen sind etwa fünf Mal so oft wie Männer betroffen. In frühen Stadien sind Varizen aus medizinischer Sicht meistens harmlos und erfordern keine Intervention. Sie sorgen aber nicht selten für psychisches Leid, weil sie als optischer Makel empfunden werden.
Die Venen sind neben den Arterien und dem Lymphsystem ein Teil des Gefäßsystems, das dem Organismus von Kopf bis Fuß lebenswichtige Stoffe zuführt und nicht mehr benötigte Reste abtransportiert. Über die Venen wird das Blut nach der Verwertung von Nährstoffen und Sauerstoff zur rechten Herzkammer zurückgeführt. Von dort aus wird das Blut über die Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert und fließt in die linke Herzkammer, wo der Blutkreislauf erneut in Gang gesetzt wird.
Wie fein justierte Ventile
Damit dies problemlos gelingt, müssen die Venen tadellos intakt sein, da sie das Blut von unten nach oben transportieren und somit entgegen der Schwerkraft arbeiten. Eine wichtige Funktion übernehmen die Venenklappen, erklärt Mohamed Khalil, Leitender Arzt der Sektion Gefäßchirurgie im Krankenhaus Johanneum Wildeshausen: „Bei gesunden Menschen stellen die Klappen wie fein justierte Ventile sicher, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann.“
Wenn die Funktionsfähigkeit der Venenklappen nachlässt, kann das venöse Blut vor allem aus den unteren Extremitäten nicht mehr komplett zum Herzen zurückfließen. Es kommt dann immer wieder zu einem Blutstau in den äußeren Venen, als dessen Folge sich Krampfadern in den Beinen entwickeln. Diese im zunehmenden Alter normale Entwicklung kann etwa durch mangelnde Bewegung und starkes Übergewicht beschleunigt werden. Der Druck in den Beinvenen wird dadurch verstärkt, was wiederum mit einer Zusatzbelastung für die dort vorhandenen Venenklappen verbunden ist.
Ausgewogene Ernährung
Fachgesellschaften unterscheiden vier Stufen der Venenschwäche. Während in den ersten beiden Stadien meistens vorbeugende Gegenmaßnahmen wie ein gesünderer Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und mehr Bewegung ausreichen, kann bei einem schweren Verlauf die Entfernung der Krampfadern nötig sein. Das gilt vor allem, wenn sich Symptome einstellen, die das Alltagsleben erschweren. Ohne eine qualifizierte ärztliche Behandlung kann es im schlimmsten Fall zu Funktionsstörungen und Komplikationen bis hin zu Thrombosen oder einem offenen Bein kommen.
Zur Entfernung störender Varizen gibt es unterschiedliche anerkannte Verfahren. Vor allem bei großem Krampfadern sind Stripping-Eingriffe eine weit verbreitete Methode, betont Mohamed Khalil: „Diese Eingriffe sind besonders sicher und versprechen einen nachhaltigen Erfolg.“
