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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Problem oft lange unaufgeklärt

24.10.2017

Wildeshausen Das Reizdarmsyndrom gehört mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Was medizinisch unter der Erkrankung zu verstehen ist, wurde 2011 in einer gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sowie der deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität definiert, an der weitere Fachgesellschaften mitgearbeitet haben. Demnach ist die Erkrankung von mehreren chronischen Symptomen gekennzeichnet, die einzeln, zusammen oder im Wechsel entstehen können.

Die DGVS geht davon aus, dass bundesweit rund sieben Prozent der Bevölkerung mit einem mehr oder weniger schweren Reizdarm-Problem lebt, wobei mehr Frauen als Männer betroffen sind. Viele von ihnen nehmen die Beschwerden wie ein lästiges Schicksal hin. Anders ist das, wenn die Symptome so stark und häufig sind, dass ein normaler Lebensalltag damit unmöglich ist.

Nicht lebensbedrohlich

Typische Beschwerden sind vor allem immer wieder oder permanent auftretende Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlgangveränderungen wie Durchfall oder Verstopfung. Das Reizdarmsyndrom zählt zwar nicht zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen, kann den Betroffenen aber viel Lebensfreude rauben. Darüber hinaus können dauernde Beschwerden im Darm das Entstehen weiterer gesundheitlicher Probleme begünstigen. Nicht selten stellen sich körperliche und psychische Folgebeschwerden wie Erschöpfung und Müdigkeit sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen ein. In schlimmen Fällen kann es auch zu depressiven Verstimmungen und Angststörungen kommen.

Bei einem Reizdarmsyndrom werden bei der Untersuchung oftmals keine spezifischen Auffälligkeiten gefunden. Aufgrund der aber weiterhin vorliegenden Beschwerden ist das Problem für viele Patienten beunruhigend, weil sie befürchten, dass eine ernsthafte Erkrankung übersehen wurde. „Mit einer gezielten ambulanten Diagnostik können andere Erkrankungen verlässlich ausgeschlossen werden“, erklärt Dr. Heiko Windt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Krankenhaus Johanneum Wildeshausen. Nur so ließen sich bei der Suche nach der Ursache des Problems belastende und unnötige Wiederholungsuntersuchungen vermeiden.

Aus welchen Gründen ein Reizdarmsyndrom entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Dessen ungeachtet spielen äußere Einflüsse wie belastende Lebensumstände oder Stress eine wichtige Rolle, so Dr. Windt: „Aktuelle Studien zeigen zudem, dass die Erkrankung durch verschiedene organische Veränderungen begünstigt wird.“

So bilden im gesunden Darm dicht schließende Schleimhautzellen eine Barriere gegen das unkontrollierte Eindringen von Fremdstoffen oder Krankheitserregern. Beim Reizdarmsyndrom sind diese sogenannten Haftbrücken gelockert, weswegen die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gestört ist.

Gezielte Diagnostik

Um verdächtige Beschwerden einem Reizdarmsyndrom zuordnen zu können, ist zunächst eine gezielte Ausschlussdiagnostik unabdingbar. Hierfür sind in der Regel eine Darmspiegelung und Blutuntersuchungen erforderlich. Je nachdem, welche Symptome bestehen, sollte die Diagnostik erweitert werden. Bei andauernden Durchfällen sollten beispielsweise aus dem Darm entnommene Gewebeproben untersucht werden. Darüber hinaus können Kohlenhydratunverträglichkeiten in Atemtests abgeklärt werden.

Zu Beginn der Diagnostik muss immer eine sorgfältige Anamnese erfolgen. „Ziel ist, dass der Patient möglichst große Sicherheit bei der Aufklärung seiner Beschwerden gewinnt“, berichtet Windt. Erst wenn klar ist, dass keine anderen organischen Erkrankungen vorliegen, sollte die dann anzunehmende Reizdarm-Erkrankung in einem ausführlichen Arzt-Patientengespräch erklärt werden. So können Unsicherheiten beseitigt und das nötige Vertrauen in der Patienten-Arzt-Beziehung geschaffen werden.

Die Behandlungeines Reizdarmsyndroms richtet sich nach den vorherrschenden Symptomen – also, ob Durchfall, eine Verstopfung oder Blähungen und Schmerzen im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass die eingesetzten Medikamente möglichst nebenwirkungsfrei sind, so Dr. Heiko Windt: „Einigen Patienten hilft bereits der Einsatz von löslichen Ballaststoffen wie indischer Flohsamen, die Einnahme von Probiotika, oder pflanzlichen Präparaten.“ Neben verschiedenen Medikamenten könne oft auch die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sinnvoll sein.

Wie sich die Therapie auswirkt, sollte stets von den behandelnden Therapeuten überprüft werden. Auch welche Nahrungsmittel dem Patienten gut tun, müsse im Bedarfsfall neu beurteilt werden. Patienten sollten dafür ein Symptomtagebuch führen, in dem die Auswirkungen des Nahrungskonsums möglichst detailliert festgehalten werden. Eine Heilung der Erkrankung sei trotz Behandlungsfortschritte oft nicht möglich. Die Therapie ziele vor allem auf die Linderung der Beschwerden ab.

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