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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Wenn die Kontrolle verloren geht

30.08.2018

Wildeshausen Die Vorstellung, dass man den Stuhlgang nicht kontrollieren kann und es nicht rechtzeitig zum WC schafft, ist für die meisten Menschen ein Albtraum. Die Deutsche Kontinenzgesellschaft geht davon aus, dass es bundesweit bis zu fünf Millionen Frauen und Männer mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Symptomen gibt, wobei die Zahl der weiblichen Betroffenen deutlich höher ist.

Als Grund für das höhere Stuhlinkontinenzrisiko von Frauen nennen Fachleute neben anatomischen Besonderheiten häufige Schwangerschaften, da jede Geburt mit einer zusätzlichen Beanspruchung der Schließmuskulatur verbunden ist, die ansonsten – wenn sie einwandfrei funktioniert – eine kontrollierte Darmentleerung sicherstellt.

Scoring-System

Davon abgesehen ist eine Stuhlinkontinenz in vielen Fällen eine normale Begleiterscheinung des Alters. „Mit der nachlassenden Gewebeelastizität vor allem des Beckenbodens kann auch eine Schwächung des Schließmuskels eintreten“, erklärt die Fachgesellschaft.

Das Entstehen eines Kontinenzproblems kann zudem durch eine individuelle Disposition, Übergewicht oder verschiedene Darmerkrankungen gefördert werden. Wenn entsprechende Faktoren vorliegen, kann die Stuhlinkontinenz auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Betroffene müssen je nach Art und Ausprägung in bestimmten Situationen oder permanent mit einem unwillkürlichen Verlust von Luft, Darmschleim oder Stuhl rechnen.

In der Medizin wird die Stuhlinkontinenz in verschiedene Schweregrade eingeteilt, die eine jeweils andere Behandlung erforderlich machen. Richtwert ist ein spezielles Scoring-System, mit dem insbesondere festgestellt wird, wie häufig die unkon­trollierte Darmentleerung vorkommt und in welcher Konsistenz der Darminhalt entweicht. „Je höher der ermittelte Wert ist, desto stärker sind die Beschwerden und der damit verbundene Leidensdruck“, betont Dr. Alexander Terzic, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral und Gefäßchirurgie im Krankenhaus Johanneum Wildeshausen. Dr. Terzic betreut viele vom Hausarzt überwiesene Patienten, die das Problem nicht in den Griff bekommen haben.

Für viele von ihnen sei die Stuhlinkontinenz nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine große Belastung: „Aus Scham gehen viele Betroffene kaum mehr aus dem Haus. Mit den sozialen Kontakten verlieren sie dann erheblich an Lebensqualität.“ Mit einer qualifizierten Behandlung muss es so weit nicht kommen. In den meisten Fällen könne man das Problem mittels einer konservativen Therapie und zielgerichtetem Training der für die Schließfunktion entscheidenden Beckenbodenmuskulatur zumindest lindern.

Genug Zeit bis zum WC

„Ziel ist es, den Stuhlabgang so weit kontrollieren zu können, dass die Zeit bis zum Erreichen eines WCs ausreicht“, betont Dr. Terzic. Neben physiotherapeutischen Übungen könne auch das sogenannte Feedback-Training helfen. Hierbei trainiert der Patient mit einem in den After eingeführten Sensor gezielt das bewusste Zusammenziehen des Schließmuskels, wodurch dieser gestärkt wird.

Wenn das nicht ausreicht, können dem Patienten mittels eines kleinen Eingriffs winzige Elektroden an den Beckenbodennerv positioniert werden, die mit einem Steuerungsgerät verbunden sind. Die zumeist minimal-invasiv mit sehr kleinen Schnitten ausgeführte Operation erfolgt unter Vollnarkose und kann bereits nach 45 Minuten beendet sein – aber auch deutlich länger dauern, wenn der durch das Gerät angesprochene Schließmuskelnerv schwer zu finden ist.

Für die meisten Patienten bringe die OP eine klare Verbesserung. Ob und wie weit die Stuhlinkontinenz dadurch überwunden wird, könne man vorab aber nie sagen.

Vor einer medizinischen Intervention muss stets die Ursache für das Kontinenzproblem aufgeklärt werden. Denn längst nicht immer ist dafür eine Funktionsstörung der Schließmuskulatur verantwortlich, erklärt Dr. Terzic: „Bei der Untersuchung stellt sich nicht selten heraus, dass der Patient unter einer Magen-Darmerkrankung leidet, die mit einer weichen oder flüssigen Stuhlkonsistenz verbunden ist.“

Neben der im Alter natürlichen Abnahme der Muskelkraft können Erkrankungen anderer Bestandteile des Kontinenzorgans zu einer Stuhlinkontinenz führen. Als häufigste Ursache nennt die Deutsche Kontinenzgesellschaft neben einer Beckenbodeninsuffizienz sowie einer Schädigung des Schließmuskels und/oder der Analhaut auch chronischen Durchfall bzw. Verstopfungen, Nervenschädigungen sowie Darmerkrankungen.

Zur Aufklärung ist als Erstes immer eine sorgfältige Anamnese nötig, bei der die Beschwerden genau geschildert werden. Sehr hilfreich kann hierfür ein Stuhltagebuch sein, in dem die Darmentleerung dokumentiert wird. Sehr wichtig ist zudem eine körperliche Untersuchung, die vor allem aus dem Abtasten des Enddarms besteht. „Damit lassen sich neben Darmaussackungen auch die Funktion des Beckenbodens und die Muskelkraft des Schließmuskels beurteilen“, erklärt Dr. Alexander Terzic. Weitere Erkenntnisse können eine Druckmessung der Schließmuskulatur und ein Ultraschall bringen.

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