Oldenburg - „Mit der Zahnpflege kann man nicht früh genug anfangen“, betont Darjusch Haßfurther, Zahnarzt im Jugendzahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Oldenburg. Er besucht zusammen mit fünf weiteren Mitarbeitern regelmäßig die Kindergärten, Grund- und Förderschulen sowie weiterführende Schulen im Oldenburger Stadtgebiet. Jeweils einmal im Jahr führt ein Team die Prophylaxe-Information und ein weiteres die Untersuchungen der Zähne durch.
Die Kinder und Jugendlichen bekommen dabei leicht umsetzbare Tipps für die Zahngesundheit – vor allem für den Karies-Schutz. Zudem wird der Zustand der Zähne mit einem genauen Blick in den Mundraum überprüft, berichtet Darjusch Haßfurther: „Davor muss man keine Angst haben. Wir schauen uns die Zähne nur an und greifen nicht zum Bohrer. Unser Ziel ist immer, dass die Schüler auch Spaß haben und das Ganze als angenehme Zeit empfinden.“
Keine Bloßstellung
Damit das gelingt, setzen der Schulzahnarzt und seine Mitarbeiter auf eine kind- und jugendgerechte Sprache sowie viel Einfühlungsvermögen. „Bei der Untersuchung wird gelobt, was gut ist. Was nicht so gut ist, wird diskret behandelt, so dass niemand wegen seiner schlechten Zähne bloßgestellt wird.“ Am Ende der Untersuchung bekommt der Schüler eine kurze Nachricht mit nach Haus. Diese enthält Informationen, ob eine zahnärztliche Behandlung erforderlich ist.
Mit den regelmäßigen Präventions-Infos und Kontrollen setzt der Jugendzahnärztliche Dienst einen Auftrag des Gesetzgebers um, wobei auch die Zahnärztekammer Oldenburg und die Oldenburger Krankenkassen im Sinne einer Arbeitsgemeinschaft beteiligt sind. In der Stadt Oldenburg betreut das Team rund 16 000 Kinder und Jugendliche.
Die Informationen zur Prophylaxe und über den Zustand der Zähne sind für viele Betroffene der Anstoß für einen Zahnarztbesuch. „Angst und Gleichgültigkeit sind die größten Hinderungsgründe. Deshalb weisen wir immer darauf hin, dass Schmerzen beim Zahnarzt nicht sein müssen und man selbst eine Menge dafür tun kann, damit Karies erst gar nicht entsteht“, so Darjusch Haßfurther.
Wie wichtig die Vorsorgemaßnahmen nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Volkswirtschaft sind, zeigen aktuelle Studien. Demnach spart jeder Euro für die Prophylaxe etwa 38 Euro an späteren Behandlungskosten ein.
Da die Zähne uns – mit etwas Glück – von der Geburt an über das ganze Leben begleiten, sollten Eltern schon bei ihrem Neugeborenen auf eine gute Mundhygiene achten. Es dauert zwar meistens rund sechs Monate, bis die ersten Milchzähne durch das Zahnfleisch brechen. Eine schlechte Mundhygiene kann aber dazu führen, dass die Zähne bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von Karies befallen werden, der sich ohne eine Zahnarzt-Behandlung und Verbesserung der Zahnpflege immer weiter ausbreitet.
Karies ist ansteckend
Wenn die ersten Zähne kariös waren, überträgt sich die Erkrankung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch auf die zweiten, dann bleibenden Zähne. Karies ist ansteckend und kann sich beim Zahnwechsel direkt auf die gesunden Zähne übertragen. Wer im Kindesalter nicht daran gewöhnt wurde, dass Zähneputzen ein normaler Teil des Tagesablaufs ist, setzt die mangelhafte Zahnpflege oft bis ins Erwachsenenalter fort – mit zahlreichen negativen Folgen wie Karies und einem verfrühten Zahnverlust.
Ohne eine ausreichende Mundhygiene muss jeder mit einem erhöhten Kariesrisiko leben. Der Grund ist, dass wir mit der Nahrung sehr viele unterschiedliche Stoffe in den Mundraum aufnehmen, die in Verbindung mit dem Speichel an den Zahnoberflächen kleben bleiben. Auf diesem Zahnbelag sind auch für den Stoffwechsel benötigte Bakterien angesiedelt, die Nahrungsbestandteile wie Kohlenhydrate und Zucker automatisch in Säure umwandeln. Diese Säure wirkt sehr aggressiv auf den Zahnschmelz ein, der den Zahn vor schädlichen Eindringlingen schützt. Wenn die Säure dieses natürliche Schutzschild durchbrochen hat, kann sie die weiteren Zahnbestandteile ungehindert angreifen und zerstören. Dieser als Karies bezeichnete Prozess ist bis zum 40. Lebensjahr – also auch bei Kindern und Jugendlichen – der Zahnkiller Nummer 1.
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem durch zuckerhaltige Getränke. Der Schulzahnarzt Darjusch Haßfurther warnt vor allem vor sogenannten Nuckelflaschen, die gesüßte Getränke wie zum Beispiel Eistee enthalten. „Die darin enthaltenen Zuckerstoffe sorgen bei einer dauernden Flüssigkeitszufuhr dafür, dass sich permanent Säuren bilden, die den Zahnschmelz angreifen“. Kinder und Erwachsene sollten besser Wasser trinken.
Vorsicht gilt auch bei stark zuckerhaltigen Speisen wie insbesondere Süßigkeiten. Dabei müsse man nicht grundsätzlich auf Schokolade oder Kuchen verzichten, so Darjusch Haßfurther: „Wenn man die Zähne nach dem Verzehr schnell putzt, kann der Zucker nur wenig Schaden anrichten.“ Anders sei das, wenn die Zuckerstoffe über einen längeren Zeitraum im Mund verbleiben. Dann könne selbst ein kleines Stück Schokolade sehr große Schäden anrichten.
