Oldenburg - Ein auch als Zuckerkrankheit bezeichneter Diabetes mellitus einsteht als Folge eines absoluten Insulinmangels (Typ 1) oder einer verminderten Empfindlichkeit der Körperzellen für das Hormon (Typ 2). Beim Diabetes Typ 2 ist häufig auch die Insulinausschüttung aus den Zellen der Bauchspeicheldrüse gestört, so dass trotz eines hohen Insulinspiegels ein Insulinmangel besteht. Insulin vermittelt die Aufnahme von Glucose in die Körperzellen. Wenn Insulin fehlt oder schlecht wirkt, steigt der Blutzuckerspiegel an.
Absoluter Insulinmangel
Ein Diabetes Typ 1 ist mit einem Anteil von zehn Prozent bei den Diabetes-Patienten eine eher seltene Erkrankung, die meistens bei jüngeren Menschen auftritt. Charakteristisch ist ein abrupter Beginn mit plötzlich einsetzenden Beschwerden wie häufiges Wasserlassen, starker Durst, ungewolltem Gewichtsverlust, Schwäche, Müdigkeit und Schwindel.
Der Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Wenn etwa 80 Prozent dieser Zellen vernichtet sind, entsteht ein absoluter Insulinmangel, der zugleich zu einem starken Anstieg des Blutzuckers und einer Unterversorgung der Körperzellen mit dem lebenswichtigen Energieträger Glucose führt.
Der Energiestoffwechsel der Zellen kann dann – wie in einem Notfallprogramm – vorübergehend durch den Abbau von Fetten und Eiweißen aufrechterhalten werden. Bei dem Abbau entstehen Ketonkörper, die den Organismus übersäuern. „Jetzt entsteht eine potenziell lebensbedrohliche Situation, die meistens eine Betreuung des Patienten auf der Intensivstation erforderlich macht und nur durch eine lebenslange Insulintherapie beherrscht werden kann“, erklärt Gabriele Wenzel, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie in der Praxis für Endokrinologie und Diabetologie Oldenburg.
Der mit einem Anteil von 90 Prozent deutlich häufigere Diabetes Typ 2 wird oft durch Zufall diagnostiziert, da die Erkrankung schleichend und ohne Symptome beginnt. Patienten leiden oft zunächst unter Müdigkeit, Schlappheit und Infektionen. Klassische Symptome wie häufiges Wasser lassen und Durst treten erst auf, wenn die Blutzuckerwerte die sogenannte Nierenschwelle erreichen, die bei etwa 200 Milligramm pro Deziliter liegt.
Das Entstehen eines Diabetes Typ 2 wird durch genetische Veranlagung begünstigt. So beträgt die Wahrscheinlichkeit 50 Prozent, dass die Kinder von erkrankten Eltern ebenfalls einen Diabetes Typ 2 bekommen. Bewegungsmangel und eine zu üppige, energiereiche Ernährung führen nicht nur in Deutschland zu immer mehr Menschen mit starkem Übergewicht. Vor allem bei einer bauchbetonten Gewichtszunahme kommt es oft in Folge einer verminderten Insulinwirkung zu einer Veränderung des Zucker- und Fettstoffwechsels.
Viele Folgeerkrankungen
Typisch ist, dass ein Diabetes Typ 2 gemeinsam mit niedrigen HDL-Cholesterinwerten und Bluthochdruck auftritt – was in der Medizin auch als Metabolisches Syndrom bezeichnet wird. Jeder Einzelne dieser Faktoren begünstigt das Entstehen von Gefäßverkalkungen und daraus resultierenden Folgeerkrankungen. Die Behandlung von Diabetes-Patienten hat stets nicht nur das Ziel, die Symptome zu beseitigen, betont Gabriele Wenzel. Zudem sollen die Lebensqualität verbessert sowie akute Komplikationen und Folgeschäden verhindert werden, so dass die Patienten eine normale Lebenserwartung haben. Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Behandlung eine normale geistige, körperlich und seelische Entwicklung gewährleisten – inklusive einer guten Integration in das soziale Umfeld.
Standardbehandlung beim Diabetes Typ 1 ist neben der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle eine intensivierte Insulintherapie, bei der mindestens dreimal täglich schnell wirkendes Insulin zu den Mahlzeiten sowie vor dem Schlafengehen ein langsam wirkendes Insulin injiziert wird. Für die medikamentöse Therapie des Diabetes Typ 2 stehen blutzuckersenkende Tabletten und Insulin zur Verfügung.
Sport und Diäten haben beim Diabetes Typ 1 keinen speziellen therapeutischen Nutzen, obwohl regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung auch empfehlenswert sind. Ganz anders ist das bei Patienten mit einem Diabetes Typ 2, betont Gabriele Wenzel. Basis der Therapie sei unter Berücksichtigung individueller Unterschiede stets eine gesunde ausgewogene Ernährung mit wenig Fett und Alkohol und vielen Ballaststoffen, die vor allem in Vollkornprodukten und Gemüse enthalten sind. Zuckerhaltige Lebensmittel wie gesüßte Getränke sollten vermieden werden. Auch der Zuckergehalt im Obst sei nicht zu unterschätzen.
Ausreichend Bewegung – vor allem Ausdauersport – reduziert die Insulinresistenz, so dass der Blutzucker besser verbraucht werden kann. Die durch Bewegung erzielbare Reduzierung von Übergewicht hilft auch dabei, kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck zu reduzieren und somit auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verringern.
