Goldenstedt - Nach den Wolfssichtungen und Wolfsrissen der vergangenen Monate brennt das Thema Herdenschutz Tierhaltern unter den Nägeln. Das konstatierte Jörg Schneider, Vorsitzender des Ortslandvolks Goldenstedt, im Saal des Hotels zur Schmiede. Der Kreislandvolkverband Vechta hatte zu der Information eingeladen, um Schutzmöglichkeiten vor dem Wolf aufzuzeigen.
Zunächst berichtete der CDU-Abgeordnete Dr. Stephan Siemer (Vechta) aus dem Landtag. Er kritisierte die Regierung in Hannover und gab einen Überblick zur politischen Geschichte der Wolfsrückkehr in Niedersachsen. Siemer kündigte an, sich auch in Zukunft für die Belange heimischer Tierhalter in Hannover stark zu machen, und auf eine Beseitigung der Missstände zu drängen.
Klare Grenzen setzen
Das Hauptreferat hielt Frank Fass (Dörverden). Er stellte den Wolf, seinen Lebensraum, sein Verhalten und seine Eigenarten vor. Dann sprach er über Herdenschutzmaßnahmen, die gesetzlichen Anforderungen und seine Erfahrungen. Er zeigte auf, wie bürokratisch die Entschädigungsverfahren in Niedersachsen ablaufen, weil entsprechende personelle und technische Kapazitäten fehlten. Der Referent plädierte dafür, dem Wolf klare Grenzen zu setzen. Tierhaltern empfahl er, ihre Betriebe zu untersuchen und geeignete Schutzmaßnahmen zu prüfen. Patentrezepte gebe es nicht. Herdenschutzzäune oder -Hunde könnten helfen. Jedoch stehe am Ende stets das Problem steigender Betriebskosten, die ohne Ausgleich blieben. Der Wolfsexperte sprach sich nicht grundsätzlich gegen eine Bejagung zur Bestandsregulierung aus, um Wölfen wieder Furcht vor Menschen anzutrainieren. Laut Fass bleibt das Thema Herdenschutz allerdings auch bei einer Bejagung aktuell.
Sichtweise vor Ort
Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer (CDU) stellte das Problem aus der Sicht einer betroffenen Kommune dar. In seinen Augen werden die mit der Rückkehr des Wolfes verbundenen Risiken kleingeredet und oft ignoriert. Meyer kritisierte, dass Gedanken über Problemlösungen erst nach Zwischenfällen folgten.
