GOLDENSTEDT - Etwa 100 Kranichbeobachter sind am vergangenen Freitag Zeugen eines „eklatanten Naturfrevels“ geworden, so Willibald Meyer, Goldenstedts Bürgermeister und Vorsitzender des Fördervereins Goldenstedter Moor. Mehrere tausend Kraniche, die sich im Dreiecksmoor in den Wiedervernässungsflächen niedergelassen hätten, seien durch einen Motorradfahrer aufgeschreckt worden. Orientierungslos seien sie in der Dämmerung in alle Himmelsrichtungen geflogen. Meyer ist über das „unverantwortliche und strafbare Verhalten des Motorradfahrers“ ebenso empört wie Naturfreund Heino Muhle.

Das Goldenstedter Moor wird seit Mitte Oktober von vielen tausenden Kranichen als Rast-Schlafplatz genutzt. Seit Jahren lockt das Schauspiel des abendlichen Kranicheinflugs in die Wiedervernässungsflächen viele Besucher ins Moor. Jede Störung der rastenden Vögel habe für sie katastrophale Folgen, weil sie durch unnötige Flüge viel Energie verbrauchten, die für den Flug nach Südeuropa beziehungsweise Nordafrika notwendig sei, so Meyer.

Der Förderverein Goldenstedter Moor versucht durch verschiedene Maßnahmen, den Besucherstrom zu kanalisieren. So werden an Wochenenden Wanderungen angeboten, um den Naturfreunden das Erlebnis der Kranichbeobachtung zu ermöglichen, ohne die Vögel zu stören.

Meyer und Muhle appellieren an alle Besucher des Moors, die Kraniche nicht zu stören. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die „Vögel des Glücks“ ihre Überwinterungsgebiete im Süden nicht lebendig erreichen.