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NWZonline.de Golf

Der Tiger brüllt wieder

16.04.2019

Augusta Das Leben des Tiger Woods ist eine unglaubliche Geschichte voller sportlicher Triumphe, persönlicher Dramen, leidenschaftlicher Liebe, bitterer Leidenszeit. Und es ist die Geschichte einer märchenhaften Rückkehr. Mit seinem fünften Triumph beim legendären Masters bescherte das Golf-Phänomen Woods der Sport-Welt einen der emotionalsten Momente der letzten Jahrzehnte.

„Ich bin buchstäblich in Tränen aufgelöst, wenn ich @TigerWoods beobachte“, twitterte Tennis-Queen Serena Williams: „Wissen alle, was du körperlich durchgemacht hast, um zurückzukehren und das zu tun, was du gerade getan hast? Wow. Ich bin so inspiriert, danke, Kumpel.“

81. Titel auf US-Tour

Elf Jahre nach seinem letzten großen Erfolg bei der PGA Championship 2008 in Torrey Pines ist der 43-Jährige wieder in der Spitze der Golf-Elite angekommen. Der Triumph in Augusta war Sieg Nummer 15 bei einem Major und der 81. Titel auf der US-Tour. „Es ist überwältigend, was passiert ist“, sagte Woods bei der Siegerehrung, bevor ihm Vorjahressieger Patrick Reed in das berühmte grüne Jackett half.

Vergessen scheint die lange Leidenszeit, die im November 2009 begann. Woods fuhr mit seinem Wagen gegen einen Baum und einen Hydranten vor seinem Haus in Florida. Angeblich weil seine damalige Ehefrau Elin mit einem Golfschläger hinter ihm her war. In den nächsten Wochen berichteten Medien von mehreren Liebesaffären. Einige seiner Sponsoren gingen auf Abstand. Woods nahm sich eine Auszeit und kehrte erst zum Masters 2010 auf den Platz zurück. Vier Monate später war die Scheidung der Eheleute Woods abgeschlossen.

Danach begann die Zeit der körperlichen Qualen. Knie- und Rückenoperationen wechselten sich ab, Comebackversuche scheiterten. Im April 2017 wurde Woods zum vierten Mal am lädierten Rücken operiert. „Mein Körper war ein Wrack“, gestand er. Es gab Tage, an denen er kaum alleine aus dem Bett gekommen sei. „Ich konnte nicht schlafen, nicht laufen, nicht spielen“, erinnerte sich Woods in Augusta.

Einen Monat später der nächste Rückschlag: In Florida wird er wegen Drogenmissbrauchs am Steuer festgenommen. Die Bilder des schwer gezeichneten Golfstars schockierten die Öffentlichkeit. Woods begab sich in stationäre Behandlung.

Doch der Mann, der 683 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stand, baute seinen geschundenen Körper wieder auf. Die Jahre des harten Trainings hatten Spuren hinterlassen. Schon als Kind wurde er von seinem Vater Earl, einem Vietnam-Veteranen, mit militärischem Drill auf Erfolg getrimmt. Millionen von Bällen hat er über die Golfplätze und Drivingranges geprügelt. Eine einseitige Belastung, die trotz ausgeklügelter Trainingsmethoden dem Körper alles abverlangte.

Woods gewann auch diesen Kampf. Ende November 2017 trat er wieder bei einem Einladungsturnier im luxuriösen Albany Golf Club auf den Bahamas an – als Nummer 1199 der Weltrangliste. Es war der Moment, an dem es für den jahrzehntelangen Dominator der Golf-Welt wieder aufwärts ging.

Im Kreis der Großen

Nun ist Woods in den erlesenen Kreis der prominentesten aktiven Sportler endgültig zurückgekehrt: Tennis-Ass Roger Federer, Formel-1-Champion Lewis Hamilton, die Fußball-Ikonen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, Basketball-Superstar LeBron James, Tennis-Queen Serena Williams sowie NFL-Quarterback-Legende Tom Brady gehören diesem Club an.

Mit dem Triumph im Augusta National Golf Club schloss sich am Sonntag für Tiger Woods ein Kreis. Direkt neben dem 18. Grün nahm der Superstar seine Tochter Sam (11) und seinen Sohn Charlie (10) in die Arme. „Ich hoffe“, stammelte Woods mit tränenerstickter Stimme, „ich denke, dass die beiden sehr stolz auf mich sind. Ich fühle mich gesegnet, meine wundervollen Kids in diesem Moment bei mir zu haben.“ Vor 22 Jahren war er an genau der gleichen Stelle seinem Vater, Trainer und Förderer Earl um den Hals gefallen. Der erste Masters-Sieg 1997 leitete eine einzigartige Karriere ein.

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