BERLIN - Zum Abschied gab es auch kritische Worte: Der fünfmalige Diskus-Weltmeister und Olympiasieger von 1996, Lars Riedel, erklärte am Mittwoch das Ende seiner großartigen Karriere. „Das ist heute mein letzter kleiner Wettkampf. Mein Körper gibt nicht mehr her“, sagte einer der erfolgreichsten deutschen Leichtathleten bei der Vorstellung seiner Autobiographie in Berlin.
Wegen massiver Rückenprobleme als Folge von fast drei Jahrzehnten Hochleistungssport wird der „Herr der Ringe“ schon am Wochenende bei der deutschen Meisterschaft in Nürnberg nicht mehr dabei sein. Dort wollte er sich ursprünglich zum fünften Mal in Folge für Olympia qualifizieren. Künftig möchte Riedel, der Gesamtprämien im siebenstelligen Bereich kassierte, in der neuen Heimat in Rottach-Egern am Tegernsee seine Erfahrungen auch in Management-Seminaren weitergeben und sein Golf-Handicap verbessern.
Obwohl er in seinem Buch das Verhalten von Sportfunktionären, Sponsoren und Medien anprangert sowie das aus seiner Sicht menschenunwürdige Dopingkontrollsystem bemängelt, will Riedel dies nicht als große Abrechnung verstanden wissen. „Es ist vielmehr eine verdeckte Liebeserklärung mit konstruktiver Kritik“, meinte der 41-Jährige, der seit 2007 keinen Wettkampf mehr bestritt. Seinen letzten internationalen Auftritt erlebte der gebürtige Zwickauer bei der EM 2006 in Göteborg (Achter). Vor allem die Intimität des Dopingkontrollsystem habe er stets als belastend empfunden, betonte er.
Riedel galt als „Mann mit dem goldenen Arm“, gewann fünf WM-Titel, Olympiagold in Atlanta, Olympiasilber in Sydney und 1998 EM-Gold. Mit seiner Bestleistung von 71,50 m (1997) ist er Sechster der ewigen Weltbestenliste. „Ich bin zufrieden, ich bin angekommen“, sagte der gelernte Betonfacharbeiter. Sein schwärzester Moment war Olympia 1992 in Barcelona. Dorthin reiste Riedel als Top-Favorit, schied jedoch in der Qualifikation aus.
Im Sportsystem der DDR groß geworden, doch erst nach der Wende zum Weltklasse-Athleten gereift, wurde Riedel – mit den Idealmaßen von 1,99 m Körperlänge und 2,12 m Armspannweite – wegen seiner Erfolge oft in einem Atemzug mit Al Oerter genannt, dem viermaligen Olympiasieger (1956 bis 1968) aus den USA.
Riedel kann nicht mehr, Franka Dietzsch will noch einmal. Während Riedel den Rücktritt verkündete, quälte sich die dreimalige Diskus-Weltmeisterin nur 30 Kilometer östlich in Kienbaum beim Training. „Die Chancen für eine DM-Teilnahme stehen 50:50, genauso auch hinsichtlich meiner Olympiateilnahme“, sagte die 40-Jährige.
„Seit eineinhalb Wochen macht mein linker Fuß verstärkt Probleme“, erläuterte die Neubrandenburgerin, die im Frühsommer mit Bluthochdruck kämpfte und nur einen Wettkampf (59,47) bestritt.
