NEW YORK - Kein Finale für Kerber, aber ein Pokal für Petzschner: Die deutschen Tennisprofis haben bei den US Open doch noch einen Grand-Slam-Titel in dieser Saison geholt. Nachdem der sensationelle Siegeszug von Angelique Kerber (23) in New York im Halbfinale geendet hatte, holte Philipp Petzschner (27) die Trophäe im Doppel – als erster Deutscher seit 74 Jahren. „Das ist ein supergutes Gefühl“, meinte der Bayreuther.

Als bisher einzige Deutsche waren 1937 Henner Henkel und Gottfried von Cramm im Doppel bei den US Open erfolgreich gewesen. Zusammen mit dem Österreicher Jürgen Melzer gewann Petzschner im Finale am frühen Sonntagmorgen 6:2, 6:2 gegen Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski (Polen). Es war der zweite Triumph des Duos nach dem Sieg in Wimbledon 2010. „Wir haben bewiesen, dass das keine Eintagsfliege war“, sagte Melzer.

Der Lohn für den Davis-Cup-Spieler und Melzer nach dem nur 49-minütigen Endspiel, das erst kurz vor Mitternacht vor rund 4000 Fans im riesigen Arthur-Ashe-Stadium begonnen hatte: 420 000 Dollar Preisgeld, die erneute Qualifikation für das ATP-Masters Ende November in London und zuvor ein paar Tage Golf in Marbella auf Einladung von Melzers Manager.

An ein Endspiel im Arthur-Ashe-Stadium durfte auch Angelique Kerber zwischendurch denken. Obwohl Steffi Graf am Fernseher die Daumen drückte, verlor die Kielerin nach couragierter Leistung 3:6, 6:2, 2:6 gegen die Australierin Samantha Stosur. Diese trifft im Endspiel auf Serena Williams (USA).

„Die vielen Leute, das Flutlicht – die ersten Spiele war ich überall, aber nicht auf dem Platz“, berichtete Kerber nach dem 1:46 Stunden langen Match auf dem Grandstand. Wegen des langen Programms am Sonnabend war ihr Halbfinale auf den 6000 Zuschauer fassenden Platz im Schatten des größeren, aber nach Regen unbespielbaren Louis-Armstrong-Stadiums verlegt worden.

Kerber wird in der Weltrangliste von Platz 92 auf Rang 34 nach oben schießen. Sie zog trotz der Niederlage eine positive Bilanz: „Ich bin eigentlich superfroh. Wenn mir jemand vor zwei Wochen gesagt hätte, dass ich im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers stehe, hätte ich gesagt: schöner Witz.“