Borkum - Die Wellen schlagen gegen den Bug des Katamarans. Der Wind trägt einige kreischende Möwen heran und genauso schnell wieder fort. Mit hoher Geschwindigkeit jagt das Schiff durch die Nordsee, Richtung Borkum, der westlichsten Ostfriesischen Insel.
Ich bin auf dem Weg zu der wohl beliebtesten Urlaubsinsel in Norddeutschland. Doch Urlaubsgefühle überkommen mich keine. Mein Interesse gilt dem, was unter dem Sandstrand verborgen ist, von den Wellen verschluckt wurde und worüber die meisten Touristen lieber nichts wissen wollen.
Hier eine Karte mit den Stationen des Nachtrundgangs:
Für diese Reportage treffe ich mich mit Nils Nörtemann (48) und Berend Baalmann (59), gebürtige Borkumer, die die Geschichte dieser Insel genau unter Lupe genommen haben. Sie bieten Stadtführungen, Wattwanderungen und – deshalb bin ich hier – Nachtrundgänge über die Insel an. Treffpunkt zu der Gruselführung ist der Strand am Riff von Borkum bei Sonnenuntergang. Wie passend, denke ich mir, als Nörtemann und Baalmann in dunkler Kleidung mit altmodischen Laternen die Führung starten. Eine Führung in eine Zeit, in der die Nordsee das Leben der Menschen bestimmt hat.
Berend Baalmann und Nils Nörtemann starten die Führung am Strand. (Bild: Langer)
Riff von Borkum
Im Hintergrund die Seehundbänke: Dort strandeten viele Schiffe. (Bild: Langer)
Dodemanns Delle
In dieser Mulde sollen die 350 Leichen ertrunkener französischer Seefahrer liegen. (Bild: Langer)
Man erzählt sich, dass man, wenn der Wind aus nordwestlicher Richtung kommt und man am Geländer vor der Dodemanns Delle steht, die Schreie der Ertrunkenen hören kann.
Wenn der Wind aus nordwestlicher Richtung kommt, kann man die Schreie der Ertrunkenen hören. (Bild: Langer)
Drinkeldodenkarkhoff
Wirkt friedlich: Unter dem Spielplatz soll sich ein Seemannsfriedhof befinden. (Bild: Langer)
Die Gedenkplatte befindet sich außerhalb des Friedhofs. (Bild: Langer).
Spukt es im alten Hotel am Strand?
Das Hotel der Kette Upstalsboom. (Bild:Langer)
Villa Wilhelmine
An diesem Standort befand sich früher das Borkumer Armenhaus. (Bild: Langer)
Die Tochter wuchs ohne Eltern im Borkumer Armenhaus auf und verliebte sich später unsterblich in einen napoleonischen Soldaten. „Der schwängerte sie und machte sich dann davon.“ Die Tochter verfluchte das davonfahrende Schiff und verlor den Verstand. „Sie drehte durch, riss sich die Kleider vom Leid und musste in dem alten Bauernhaus angekettet werden. Bis zu ihrem Tod 1868.“
Haus an der Boeddinghausstraße
Das Haus an der Boeddinghausstraße. Eine Aufnahme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. (Bild: Nörtemann)
Die Geschichtenerzähler Nils Nörtemann und Berend Baalmann geben mehrmals die Woche verschiedene Führungen auf der Insel Borkum.
Wer Interesse an einem Rundgang über die Insel Borkum hat kann sich online informieren und anmelden.
Sie rief ihren Mann und wollten sofort den gestrandeten Soldaten zur Hilfe eilen. Als sie jedoch wieder an die Eingangstür traten, wo bis vor wenigen Sekunden noch der Soldat „Williams“ gestanden hatte, war dieser verschwunden. „Meine Tante und ihr Mann liefen dennoch zum Strand und fanden tatsächlich einige Soldaten im Sand liegen“, sagt Nörtemann. Was er dann erzählt – seine Tante hat hoch und heilig geschworen, dass es nicht gelogen ist – könnte aus einer Folge der Mysterie-Serie „X-Faktor“ stammen. Als das Ehepaar einen Soldaten auf den Rücken drehten, stand auf seinem Namensschild „LT Williams“.
Wer noch nicht genug hat: Interessanterweise gab es während des zweiten Weltkriegs maximal vier bis fünf Tote auf Borkum, die durch den Krieg starben.
Schatz des Störtebeker
Wo befindet sich der Schatz des Störtebeker? ( Foto: Archiv)
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