Elsfleth/Berlin - Verfügt die Elsflether Werft über die notwendige Kompetenz, um die Instandsetzung der Gorch Fock erfolgreich abzuschließen, oder ist die kleine Werft mit dem 128-Millionen-Projekt überfordert? In seinem vertraulichen Prüfungsbericht zur Sanierung des Segelschulschiffs, der unserer Zeitung vorliegt, äußert der Bundesrechnungshof erhebliche Bedenken an der Leistungsfähigkeit der Werft und der Qualität der bisher ausgeführten Arbeiten.

Als Konsequenz daraus empfahlen die Prüfer am Mittwoch, die Arbeiten an dem Schiff erneut zu stoppen und es einer gründlichen Überprüfung durch unabhängige Gutachter zu unterziehen.

Lesen Sie hier alle Artikel zur Elsflether Werft

In ihrem Bericht kritisieren die Prüfer unter anderem „nicht akzeptable Beulenbildung in allen Bereichen des Rumpfes“, Schweißarbeiten, die „qualitativ unzureichend durchgeführt“ wurden sowie „Formänderungen des Schiffsrumpfes“. Derzeit, so der Eindruck von Augenzeugen, gleiche das Segelschulschiff einer Banane. Der Rechnungshof rät daher, die Leistungsfähigkeit der Werft zu überprüfen und sie für Mängel in Regress zu nehmen.

Für den neuen Vorstandschef der Werft, Axel Birk, sind die Vorwürfe des Rechnungshofes unter fachlichen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar. Im Gespräch mit unserer Zeitung bezeichnete es Birk als „völlig normal“, dass sich infolge von Schweißarbeiten Beulen am Stahlrumpf bilden. Diese bewegten sich bei der Gorch Fock innerhalb der Toleranzen und würden vor dem Lackieren des Schiffsrumpfs nachgearbeitet.

Der Werftchef räumt allerdings ein, dass derzeit unklar ist, ob sich der Rumpf des Schiffes durch die Arbeiten oder frühere Beschädigungen verzogen hat. Möglich sei auch, dass sich das uralte Dock, in dem die Gorch Fock liegt, verzogen hat, so Birk. Dieses stamme noch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und habe möglicherweise an Festigkeit verloren. Genau sehen könne man dies aber erst, wenn das Schiff schwimmt.