Herr Hosseus, was machen die Mitgliedsbetriebe Ihres Verbandes konkret?
HosseusDas, was den täglichen Betrieb der Häfen ausmacht: das Laden und Löschen von Ladung, das Verpacken von Ladung und das Befüllen von Containern, das Festmachen und Bugsieren von Schiffen und natürlich alles, was kaufmännisch damit verbunden ist, insbesondere die Akquise von Kunden, also Reedereien. Die großen Betriebe betreiben zudem ihre eigenen Eisenbahn- und Fuhrunternehmen, die die Ladung europaweit weiter transportieren. Verwaltet werden die Häfen dagegen in der Regel vom Staat, von Hafenbehörden. Zu den Ausnahmen zählt zum Beispiel der Privathafen in Nordenham.
Der Abtransport von Gütern aus Seehäfen macht insofern zurzeit Schlagzeilen, als eine der wichtigsten Nord-Süd-Bahnstrecken, die Rheintalstrecke, gerade für Wochen blockiert ist. Trifft das Ihre Hafen-Umschlagbetriebe?
HosseusDas trifft vorrangig die Rheinmündungshäfen, belastet aber das gesamte Verkehrsnetz. Die Unterbrechung der Strecke und die Probleme auf Ausweichstrecken werfen aber ein Schlaglicht auf den vielerorts wirklich bedenklichen Zustand der Infrastruktur, hier der Bahntrassen.
Was ist konkret das Problem?
Hauptgeschäftsführer Daniel Hosseus Bild: ZDS
HosseusEisenbahn- und Autobahnbrücken können nicht voll belastet werden, es gibt Staus und Engpässe im ganzen Bundesgebiet. Da sind wir mit unseren Partnern in der Logistik in großer Sorge. Und das Verkehrsaufkommen in Deutschland wird weiter zunehmen. Die Infrastruktur muss aufgewertet werden. Sie muss Priorität bekommen. Die deutsche Wirtschaft ist darauf angewiesen.
Die Konjunktur in Deutschland läuft gut. Gilt das Gleiche für die Hafenbetriebe?
HosseusJa, generell ist das so, es läuft gut. Auch Niedersachsens Häfen haben im ersten Halbjahr kräftig, um acht Prozent, zugelegt. Aber man muss sich die einzelnen Häfen und die jeweiligen Ladungsarten genauer ansehen. Dann gibt es schon Unterschiede.
Was ist mit dem Containerumschlag?
HosseusDie Zahl ist in deutschen Häfen dieses Jahr in etwa stabil. Aber da der Containerumschlag an der Nordsee insgesamt wächst, reicht diese Stabilität nicht: Derzeit verlieren wir Marktanteile an Antwerpen und Rotterdam.
Wie kann man das ändern, was fordern ihre Umschlagbetriebe?
HosseusDie Zufahrten zu unseren Häfen, die Infrastruktur, muss besser werden. Konkret gehören zum Beispiel die Fahrrinnen-Anpassungen von Ems, Weser und Elbe dazu. Ändert sich nichts oder geht das zu langsam, verlieren unsere Hafenbetriebe Kunden. Wir sind aber noch bei einem zweiten Punkt schwer im Nachteil: Bei der Einfuhr von Gütern über deutsche Häfen muss der Importeur die Einfuhrumsatzsteuer auslegen, bei den Niederländern und Belgiern nicht. Das kostet richtig und ist hausgemacht. Da hat der deutsche Fiskus wirklich Nachholbedarf.
Noch mal zur Infrastruktur. Es gibt doch schon lange ein nationales Hafenkonzept und einen Bundesverkehrswegeplan...
HosseusJa, die Pläne liegen bereit. Und das Geld ist auch vorhanden, die Mittel wurden aufgestockt. Das Problem ist: Die Planungsphasen sind viel zu lang. Anlässlich der Bundestagswahl fordern wir für die gesamte Planung bei Land und Bund – für Autobahnbau, Wasserstraßen und Eisenbahn – deutlich mehr Personal. Die Kapazitäten sind in früheren Jahren zu stark abgebaut worden, sie reichen aktuell vorn und hinten nicht.
Wollen Sie Abstriche beim Umweltrecht?
HosseusDas Planungs- und Umweltrecht – einschließlich Interessenausgleich – muss deutlich beschleunigt werden. Schauen Sie sich doch die Elbvertiefung an. Der Streit läuft seit 15 Jahren, und es gibt noch immer nicht endgültig grünes Licht. Betroffene wie unsere Hafenbetriebe benötigen aber Planungssicherheit, für ihre eigenen Standorte und Investitionen. Ein erster Schritt ist ein Bericht der Bundesregierung zur Planungsbeschleunigung. Das sollte jetzt umgesetzt werden.
Noch zu einem anderen Thema: Schiffe sollen umweltfreundlicher werden. Immer öfter ist das Flüssiggas LNG (liquefied natural gas) der Antrieb. Warum gibt es in Deutschland bei ihren Hafenbetrieben noch keine stationäre LNG-Tankstelle?
HosseusWir meinen, dass die Verantwortung bei den Behörden liegt. Zurzeit lohnt sich die Investition für Privatbetriebe nicht, die Kosten sind zu hoch. Im Betrieb mit LNG gibt es aber Möglichkeiten, etwa mit Tankwagen.
In manchen Häfen lassen Schiffe ständig ihren Diesel laufen, um Strom für den laufenden Betrieb zu liefern. Warum zapfen die nicht alle am Liegeplatz den Landstrom an? Das ist für Ihre Mitglieder doch ein Geschäft.
HosseusDas könnte es sein. Aber in Deutschland wird auf solchen Strom die politisch vorgegebene EEG-Umlage fällig. Die führt zu einer deutlichen Verteuerung. Wir wissen von Kapitänen, die im Ausland Strom aus dem Landnetz nehmen, in Deutschland aber nicht. Es ist unattraktiv. Und so läuft der Hilfsdiesel mit seinen Emissionen. Auch hier muss der Staat ran. Die EEG-Umlage für Landstrom muss abgeschafft, zumindest aber abgesenkt werden.
