Papenburg - Die Folgen der Corona-Pandemie haben die Papenburger Meyer Werft in starke Bedrängnis gebracht. Die Kurzarbeit war erst jüngst bis Ende Juni dieses Jahres verlängert worden. Doch nun droht erneut Ungemach. Aus einem Flugblatt der IG Metall, das gestern vor den Toren der Werft verteilt wurde, geht hervor, dass 650 Arbeitsplätze in Gefahr sind – sowohl bei der Meyer Werft als auch beim Tochterunternehmen Ems Maritime Services (EMS).

Das Schreiben beruft sich auf zwei Verhandlungsrunden zwischen Mitarbeitervertretern und der Geschäftsleitung. Demnach soll zusätzlich jeder verbleibende Mitarbeiter 200 Mehrarbeitsstunden ohne Bezahlung leisten. Sei dieser Verzicht nicht möglich, stünden weitere 300 Arbeitsplätze vor dem Aus, teilten Gewerkschaft und Betriebsrat in dem Flugblatt mit.

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Werftsprecher Peter Hackmann, dass „es momentan Gespräche gibt“. Details seien noch „am Verhandlungstisch zu besprechen“. Zu Zahlen, Daten und Fakten wollte sich Hackmann mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht äußern.

Die IG Metall Leer-Papenburg zeigte sich enttäuscht von den Plänen der Geschäftsleitung. „Wir stehen für weitere Gespräche zur Verfügung, allerdings nicht zu diesen Konditionen. Das ist in keiner Art und Weise akzeptabel, der Mitarbeiterbeitrag ist viel zu hoch“, sagte Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, auf Nachfrage unserer Redaktion.

Besonders brisant ist aus seiner Sicht, dass „Stammmitarbeiter bereits angesprochen worden sind, ob sie in Werkverträge wechseln möchten. Das wäre dann ohne Tarif und Mitbestimmung“, sagte Gelder. Dieser Schritt sei auch insofern nicht plausibel, da noch sieben Kreuzfahrtschiffe gebaut werden müssten, erklärte er. „Werkarbeiter sind immer für die Arbeitsspitzen geholt worden. Wir befürchten hier einen Drehtüreffekt zulasten der Stammbelegschaft.“ Wann die nächsten Gespräche stattfinden, ist noch unklar. Unterdessen ist gestern der Brennstart für das neueste Meyer-Schiff erfolgt. Das über 340 Meter lange Kreuzfahrtschiff „Arvia“ soll 2022 an die britische Reederei P&O abgeliefert werden. Es ist der vierte Auftrag von P&O an Meyer.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft