Rio De Janeiro - Halbfinale erreicht, der Traum von Gold lebt: Die deutschen Handballer greifen in Rio nach einer olympischen Medaille. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson deklassierte Vize-Weltmeister Katar nach einer herausragenden Leistung im Viertelfinale mit 34:22 (16:12) und stürmte damit erstmals seit 2004 ins olympische Halbfinale. Dort trifft der Europameister am Freitag auf Weltmeister Frankreich.
Beste Werfer im zeitweise wie entfesselt aufspielenden deutschen Team waren Kapitän Uwe Gensheimer, Tobias Reichmann und Fabian Wiede mit je fünf Treffern. Im Tor zeigte Torhüter Andreas Wolff erneut eine überragende Partie - und so stimmten die deutschen Fans bereits zehn Minuten vor dem Ende der einstündigen deutschen Handball-Demonstration „Oh, wie ist das schön“ an.
Durch die erfolgreiche Revanche für das gegen Katar verlorene WM-Viertelfinale (24:26) hat die DHB-Auswahl die erste Olympia-Medaille seit Silber vor zwölf Jahren in Athen fest im Visier. Den einzigen deutschen Olympiasieg im Hallen-Handball errang die DDR bei den Sommerspielen 1980 in Moskau.
Vorne enorm zielstrebig, hinten erneut bärenstark: Die Bad Boys steigerten sich auch im sechsten Spiel von Rio und zeigten gegen die katarische „Weltauswahl“ (O-Ton Bob Hanning) ihre bisher beste Turnierleistung. Im Angriff bestachen Gensheimer und Co. mit deutlich mehr Effizienz im Torwurf als zuletzt, und die Defensive um Abwehrchef Finn Lemke und Wolff war von Katars Schützen kaum zu knacken.
„Die Jungs sind sehr, sehr hungrig und unheimlich fokussiert“, hatte Sigurdsson vor der Partie gesagt. Jeder kleine Zweikampf, ob in Angriff oder Abwehr, sei „ein Krieg für sich“. Und auch Torjäger Tobias Reichmann zeigte sich angriffslustig: „Da haben wir noch eine Rechnung offen.“
Ihren martialischen Worten ließ die deutsche Mannschaft Taten folgen. Gensheimer und Co. hatten die Partie von Beginn an im Griff. Zwar hielt Katars Top-Torschütze Capote sein Team mit vier Treffern bis zum 8:8 (17.) im Spiel, doch Deutschland ließ sich selbst durch einen Zwölf-Meter-Hammer nicht aus der Ruhe bringen. Vier Tore in Folge sorgten für eine komfortable 12:8-Führung.
Im zweiten Abschnitt schlug dann die Stunde von Fabian Wiede. Der Rückraumspieler von den Füchsen Berlin glänzte mit exzellenten Anspielen und wichtigen Treffern, so dass die Partie schon nach 43. Minuten beim Stand von 24:17 praktisch entschieden war. In der Schlussphase durfte auch der für den verletzten Christian Dissinger (Operation wegen Oberschenkelverletzung) nachnominierte Steffen Fäth noch seine ersten Turnier-Minuten erleben.
Und so kommt es im Halbfinale am Freitag zum bisherigen Höhepunkt des olympischen Handball-Turniers, wenn der Europa- auf den Weltmeister trifft. Gegner Frankreich strebt in Rio nach den Olympiasiegen 2008 und 2012 den historischen Gold-Hattrick an. Im Viertelfinale schaltete das Team um Superstar Nikola Karabatic Gastgeber Brasilien (34:27) aus.
