DIJON - Ein paar Gegentore mehr dürften es manchmal schon sein. „Wir gewinnen mit 30 Toren Unterschied oder so. Es macht nicht wirklich Spaß, in der österreichischen Liga zu spielen“, sagt die deutsche Handball-Nationaltorhüterin Sabine Englert. So ist die 26-Jährige fast erleichtert, dass ihr in diesen Tage endlich wieder die Bälle um die Ohren fliegen und sie bei der WM in Frankreich zeigen kann, was sie wirklich drauf hat.
Schließlich hatte sie in der Vorbereitung selbst schon angefangen, über ihre Fähigkeiten nachzudenken. Und auch Bundestrainer Armin Emrich sagte über seine Nummer eins, sie müsse erstmal wieder in Form kommen. „Ich habe schon angefangen zu zweifeln“, erzählt Englert.
Spätestens seit ihrer phänomenalen Leistung beim Vorrundenabschluss, als sie den Olympiazweiten Südkorea mit ihren Paraden schier zur Verzweiflung brachte, sind die Zweifel ausgeräumt. Sabine Englert ist wieder der sichere Rückhalt für die deutschen Frauen, und die liegen vor den Hauptrundenspielen gegen Ungarn an diesem Sonnabend (14.30 Uhr/Eurosport) und Polen am Sonntag (18.30 Uhr/Eurosport) auf Viertelfinalkurs und haben die ersehnte Medaille weiter im Blick. Dass in den Ungarinnen aber ein echter Härtetest wartet, weiß Englert nur zu genau, schließlich spielt sie mit Timea Toth und Erika Kirsner bei Hypo zusammen – und ihr Trainer dort ist der ungarische Nationaltrainer Andras Nemeth.
Zu Hypo wechselte sie wegen der Aussichten in der Championsliga, die der Club schon achtmal gewonnen hat, doch im Training gibt es nur Beschäftigungstherapie durch den Assistenten. „Es ist ein Unterschied, ob man vom Co-Trainer nur beschäftigt wird oder zweimal die Woche bei voller Power von einem Andreas Thiel etwas lernt“, erklärt Englert.
Der „Hexer“ war bei ihrem Ex-Club Leverkusen ihr Lehrmeister, die Nachhilfestunden „vermisse ich“, so Englert. Als Bedingung für einen Verbleib hat sie daher die Installation eines Techniktrainers gestellt. Doch sonst kann sie dem Wechsel zum 30-maligen Meister, der seine Titel alle in Serie gewann, nur Positives abgewinnen: „Ich fühle mich wohl in Wien.“
In Dijon trifft Englert am Sonntag derweil in der Polin Dagmara Kowalska vom Bundesligisten VfL Oldenburg auf die einzige Teilnehmerin der WM aus der Region.
