Oldenburg - Das Buffet im VIP-Raum der kleinen EWE-Arena war ratzfatz abgegrast. Diesen Nachschlag hatten sich die Handballerinnen des VfL Oldenburg auch redlich verdient. Den ersten Hunger hatten sie zuvor zwei Ebenen tiefer auf dem Spielfeld gegen einen chancenlosen HC Leipzig gestillt. Der Gegner wurde von furios aufspielenden Oldenburgerinnen buchstäblich gefressen. 39:28 (20:11) hieß es nach 60 Minuten für die VfL-Frauen, die damit eine beeindruckende Erfolgsserie im Monat April krönten.

Fünf Spiele, vier Siege, ein Unentschieden: Die erneut ersatzgeschwächten VfL-Frauen untermauerten damit einmal mehr den festen Willen, in den restlichen Bundesliga-Partien noch den einen oder anderen Tabellenplatz gutmachen zu wollen. Oldenburg rangiert nun punktgleich mit Leipzig auf Platz sechs.

Wie angekündigt mussten die Gastgeberinnen auf die Stammspielerinnen Kelly Dulfer, Kim Birke und Isabelle Jongenelen verzichten. Dafür gab Spielmacherin Caroline Müller nur viereinhalb Wochen nach ihrer Knie-OP am 29. März ihr Comeback im grün-weißen Trikot.

Für Abwehrchefin Dulfer rückte etwas überraschend Angie Geschke in den Mittelblock der 6:0-Deckung. Das Experiment glückte. Die Nationalspielerin leistete vor 807 Zuschauern ganze Arbeit, und auch Torfrau Madita Kohorst (15 Paraden) stand souverän ihre Frau. „Unsere starke Anfangsphase hat die Leipzigerinnen sicher ein wenig verunsichert. Generell aber haben wir 55 Minuten lang einen konsequenten und guten Handball gespielt“, lautete das Fazit von Geschke.

Ihre eigene überragende Vorstellung wollte die 31-jährige Torjägerin nicht kommentieren. Das übernahm nach Spielschluss ihr Trainer Leszek Krowicki. „Ich bin mehr als zufrieden mit dem, was wir heute präsentiert haben. Mit so einem klaren Sieg habe ich nicht gerechnet, zumal wir ja kurzfristig auf Kelly Dulfer verzichten mussten. Wir haben sehr gut und vernünftig verteidigt. Dabei bin ich besonders stolz auf das Verhalten von Angie Geschke. Das war heute genau ihr Spiel“, lobte der Pole seine Topspielerin, deren Vertrag am Saisonende ausläuft.

Zum Stand der Verhandlungen wollte sich Geschke, die in dieser Bundesliga-Saison bereits 138 Tore für den VfL erzielt hat, nicht äußern. Peter Görgen, Geschäftsführer der VfL-Bundesliga GmbH, kündigte indes eine Entscheidung für die „nächsten 14 Tage“ an.

Zurück zum Spiel: Die VfL-Frauen übernahmen sofort das Kommando, drückten mächtig aufs Tempo. Und auch aus dem gebundenen Angriff heraus glückten etliche sehenswerte Aktionen. Wiederholt wurde der Leipziger Block nach allen Regeln der Kunst ausgespielt. Besonders Linksaußen Veronika Malá und Kreisläuferin Stefanie Kaiser stellten die Gäste vor scheinbar unlösbare Probleme. Folgerichtig führten die VfL-Frauen nach 18 Minuten erstmals mit zehn Toren (15:5).

Diesen hohen Vorsprung nahmen sie dann fast auch komplett mit in die Halbzeitpause. Die Leipzigerinnen kamen mit viel Dampf zurück und konnten zunächst auf 14:21 (34. Minute) und 18:25 (41.) verkürzen. Doch es half nichts: Der VfL hielt die Konzentration – speziell in der Deckung – hoch und bestrafte weiterhin jeden technischen Fehler des Gegners. Mit dem 33:21 durch Jenny Behrend war die Partie somit vorzeitig entschieden.

Drei Pflichtspiele stehen noch auf dem Programm des dreimaligen deutschen Pokalsiegers. Am Samstagabend gastieren die Oldenburgerinnen beim Abstiegskandidaten Neckarsulmer Sportunion. Im letzten Saison-Heimspiel treffen die VfL-Frauen dann am 14. Mai auf die HSG Blomberg-Lippe. Mit der Auswärtspartie bei Bayer Leverkusen am 20. Mai endet die Bundesliga-Spielzeit 2016/17 für das Team von Leszek Krowicki.