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NWZonline.de Sport Handball

Oranje kämpft gegen Norwegen-Trauma

15.12.2017

Hamburg Rafael van der Vaart ist im Handball-Fieber. Mit Töchterchen Jesslynn auf dem Arm wird der frühere Fußball-Star des Hamburger SV an seine alte Wirkungsstätte nach Hamburg zurückkehren und seiner Lebensgefährtin Estavana Polman beim WM-Showdown an diesem Freitag (17.30 Uhr/Sport 1) gegen Titelverteidiger Norwegen die Daumen drücken. Im Halbfinale wollen die Niederländerinnen nach den Pleiten im WM-Finale 2015 und EM-Endspiel 2016 endlich ihren Norwegen-Fluch beenden. „Es ist Zeit, die Norweger zu schlagen“, sagt Polman.

Nach dem 30:26-Sieg im Viertelfinale gegen Tschechien gab es am Mittwochabend in Magdeburg als erstes ein Küsschen für ihren Promi-Mann und die sechs Monate alte Tochter. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, räumte Polman ein.

Kein Team aus Oldenburg mehr dabei

Starke Zuschauerzahlen in der großen Arena und attraktive Spiele auf hohem Niveau gab es in der Oldenburger WM-Vorrundengruppe C. Ins Halbfinale hat es jedoch keine der vier Mannschaften geschafft, die die Gruppenphase überstanden hatten. Olympiasieger Russland, mit 10:0 Punkten Dominator in Oldenburg, scheiterte im Viertelfinale überraschend deutlich an Norwegen. Auch Dänemark (gegen Schweden) und Montenegro (gegen Frankreich) schieden in der Runde der letzten Acht aus. Bereits im Achtelfinale war Japan gegen die Niederlande gescheitert.

Garanten des Erfolges waren in der Runde der letzten Acht vor allem zwei ehemalige Spielerinnen des VfL Oldenburg: Torfrau Tess Wester, inzwischen beim deutschen Meister SG Bietigheim unter Vertrag, kommt nach einem durchwachsenen Turnierstart immer besser in Fahrt. Und Rückraumspielerin Lois Abbingh (jetzt Issy Paris) präsentiert sich bei dieser WM in der Form ihres Lebens. Gegen Tschechien erzielte sie 14 der 30 Tore – ein überragender Wert. Die 25-Jährige hat bereits 46 Tore in sieben Partien erzielt, steht auf Rang drei der WM-Torschützenliste.

Neben Wester und Abbingh gehören in Kelly Dulfer und Laura van der Heijden zwei weitere frühere Oldenburgerinnen dem Kader an, in dem ohnehin Deutsch gesprochen wird. Insgesamt 13 der 16 Oranjes spielen oder spielten für deutsche Vereine – somit ist zumindest die Bundesliga nach dem Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft zahlreich vertreten, wenn am Wochenende die Medaillen vergeben werden.

Auf die Niederländerinnen wartet jedoch ein dicker Brocken: Welt- und Europameister Norwegen. Die Skandinavierinnen demontierten im Viertelfinale Olympiasieger Russland mit 34:17 (15:8) – und machten deutlich, dass der Weg zu Gold nur über sie führt. „Das war mit das beste Spiel, seitdem ich diese Mannschaft trainiere“, lobte Trainer Thorir Hergeirsson. In Nora Mork (51 Tore) haben die Norwegerinnen die beste Werferin des Turniers.

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009 hat er die Skandinavierinnen immerhin zu drei EM-Titeln, zwei WM-Triumphen und Olympia-Gold 2012 in London geführt. „In dieser Form ist Norwegen unschlagbar“, sagte Russlands Trainer Jewgeni Trefilow.

Doch die Niederländerinnen sinnen auf Revanche, haben sie doch noch mehr Rechnungen mit dem Rivalen offen. Auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio verloren sie im Spiel um Bronze. „Irgendwann müssen wir sie bezwingen“, sagt Wester.

Im zweiten Halbfinale stehen sich an diesem Freitag (20.45 Uhr) der Olympia-Zweite Frankreich und Schweden gegenüber. Während die Skandinavierinnen, die im Viertelfinale Deutschland-Bezwinger Dänemark eliminiert hatten, erstmals um eine WM-Medaille spielen, will Frankreich zum fünften Mal in ein WM-Finale einziehen. Den bislang einzigen Titel gab es 2003.

13 000 Zuschauer werden indes in der Hamburger Arena zum Finalwochenende erwartet. Vier Teams haben dann nur ein Ziel – Weltmeister in Deutschland zu werden.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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