Hamm/Oldenburg - Gleich in doppelter Ausführung, überdimensional und somit unübersehbar unter dem Arena-Dach impften Filme auf zwei Videowänden Trainern, Spielerinnen und den 2167 Zuschauern die Bedeutung des WM-Playoff-Rückspiels zwischen Deutschland und Kroatien am Mittwochabend im westfälischen Hamm ein. „Ein Wurf in die Zukunft“, lautete die Botschaft – und der gelang der deutschen Handball-Nationalmannschaft dann auch mit dem 25:21-Erfolg (Hinspiel: 24:24).

Deutschlands Frauen buchten das Ticket für die WM in Japan (30. November - 15. Dezember) und die Erleichterung war im Glutofen von Hamm allenthalben zu spüren. „Ich bin einfach nur fertig. Es wäre einer Katastrophe gleichgekommen, wenn wir das nicht geschafft hätten. Der Druck war immens“, gestand Co-Trainerin Heike Horstmann beim Schlusspfiff. Das Oldenburger Urgestein und auch Bundestrainer Henk Groener, die 2018 angetreten waren, den deutschen Frauenhandball zu neuen Höhen zu führen, betonten später wieder und wieder, wie wichtig diese WM-Teilnahme für die Entwicklung ihres neuformierten jungen Teams sei.

Von der unerträglichen Schwüle und Hitze auf dem Spielfeld (27 Grad) gezeichnet, meinte dann auch Jenny Behrend: „Es ist eine totale Last von mir gefallen.“ Die 23-Jährige vom VfL Oldenburg hatte die packenden 60 Minuten nur von der Bank aus erlebt. Die Rechtsaußen verpasste ihren dritten Länderspieleinsatz, weil der Bundestrainer auf Nummer sicher ging und ob der Bedeutung der Partie nur elf der 16 Spielerinnen aufs Feld beorderte.

„Natürlich möchte jede spielen – gerade in Deutschland in so einer Atmosphäre. Heute hat aber nur das Team, der Sieg gezählt. Das wusste jede von uns. Alle, auf dem Feld oder auf der Bank, haben deswegen alles gegeben“, beschrieb Behrend später ihre Rolle an diesem Abend. Ihre Kollegin auf Rechtsaußen, Marlene Zapf vom TuS Metzingen, ackerte 60 Minuten lang durch, und Horstmann und Groener sahen keine Veranlassung für einen Wechsel.

Eine andere Oldenburgerin fehlte gänzlich im so wichtigen Rückspiel: Angie Geschke (34). Und nach dem couragierten Auftritt aller deutschen Rückraumspielerinnen muss die Frage erlaubt sein: Ist in dieser deutschen Mannschaft überhaupt noch Platz für die langjährige Oldenburger Torjägerin? Bundestrainer Groener gab sich diplomatisch, als er auf Nachfrage meinte: „Sie gehört weiter dazu.“ Doch noch ist die Zukunft von Geschke ungeklärt. Der Vertrag mit der 110-maligen Nationalspielerin wurde beim VfL nicht verlängert, und wohin die Reise in der neuen Saison geht, wollte Geschke auf Nachfrage der NWZ nicht beantworten.

Für Behrend indes sieht es anders aus. Die pfeilschnelle Außenspielerin, die Groener nach zehn Tagen im Kreise der Nationalmannschaft ausdrücklich für ihr Engagement lobte, darf weiter von der Reise zur WM nach Japan träumen. Für sie jedenfalls war das Erlebnis von Hamm „Ein Wurf in die Zukunft“.