Oldenburg - Wenn am Sonntag, 31. Mai, die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Frauen ihren letzten Test vor den WM-Playoffs in Oldenburg (15.30 Uhr/kleine EWE-Arena) gegen die Niederlande bestreitet, wird es sein erstes Länderspiel auf deutschem Boden sein: Jakob Vestergaard (40) freut sich auf die Deutschland-Premiere, nachdem der Däne im März seinen Einstand als Bundestrainer bei der Karpaten-Trophäe im rumänischen Cluj gefeiert hatte.
„Oldenburg ist ein Handball-Standort mit Tradition und einem begeisterungsfähigen Publikum. Dort wollen wir uns den nötigen Rückenwind holen, um uns in den schweren Playoffs gegen Russland für die WM zu qualifizieren und so im Rennen um die Olympischen Spiele in Rio zu bleiben“, sagte Vestergaard der NWZ . In Angie Geschke hat der Däne auch eine aktuelle Spielerin des VfL Oldenburg für das Duell mit den Niederlanden nominiert, in Julia Wenzl steht eine weitere VfL-Akteurin auf Abruf bereit.
Vestergaard hatte im Februar die Nachfolge seines Landsmanns Heine Jensen angetreten, der nach dem enttäuschenden zehnten Platz bei der EM seinen Posten räumen musste. Obwohl der neue Bundestrainer mit seinen 40 Jahren noch ein relativ junger Vertreter seiner Zunft ist, hat er bereits viel von der Handballwelt gesehen.
Mit 31 Jahren wurde Vestergaard Co-Trainer des dänischen Spitzenclubs Viborg HK, zwischenzeitlich war er Nationaltrainer der australischen Frauen, ehe er 2008 den Chefposten in Viborg übernahm. Gleich in seinen ersten beiden Jahren gewann er zweimal die Champions League.
Anschließend übernahm er die rumänische Millionentruppe von Oltchim Valcea, die er 2013 gleich ins CL-Halbfinale führte. Als der Verein Pleite ging, kehrte er zunächst nach Dänemark zurück, um dann seinen nächsten Job in Rumänien zu übernehmen, als Sportdirektor bei CSM Bukarest. Parallel war er zuletzt wieder in Viborg als Nachwuchskoordinator tätig – bis sich die Tür zu einer ganz neuen Herausforderung öffnete: Als Vestergaard erfuhr, dass Jensen entlassen wurde, griff er zum Telefon und rief seine langjährige Spielerin Grit Jurack an: „Machst du mit, wenn ich den Job bekomme?“ Jurack sagte ja, brachte Vestergaard in Kontakt zum Deutschen Handball-Bund (DHB). Recht schnell wurde man sich einig – und nun ist der Däne vollauf begeistert: „Einer meiner Träume wurde wahr.“
Auf der Bank wirkt Vestergaard ruhig, konzentriert. „Ich bin ein absolut analytischer Trainer“, sagt er von sich. Vestergaard will seinen eigenen Weg gehen, dabei aber nicht alles auf den Kopf stellen: „Man muss nicht alles neu machen, sondern alles so machen, dass die Mannschaft erfolgreich ist“, meint er.
„Jakob ist ein Trainer, der den Spielerinnen viele Freiheiten lässt, aber auch viel Verantwortung einfordert“, beschreibt Teammanagerin Jurack ihren neuen Chef, dessen Vertrag bis zur Heim-WM 2017 läuft. Vestergaards Motto für die Zusammenarbeit mit der Nationalmannschaft lautet: „Wir arbeiten nicht mit Robotern, sondern mit Menschen.“
