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NWZonline.de Sport Handball

Handball: Er „verhexte“ viele Gegenspieler

03.03.2020

Köln Wenn es nach Heiner Brand geht, könnte Andreas Thiel es noch heute. Der ehemalige Handball-Bundestrainer gerät ins Schwärmen, wenn er über den früheren Weltklasse-Torhüter spricht. Brand erinnert sich nicht nur an die wahnsinnigen Reflexe vom einstigen „Hexer“, sondern vor allem an dessen mentale Stärke. „Mit seinen Fähigkeiten wäre er heute auch noch absolute Weltklasse, da bin ich von überzeugt“, sagt Brand. Thiel selbst muss lachen, als er kurz vor seinem 60. Geburtstag an diesem Dienstag von den Lobhudeleien hört: „Da muss ich sagen: Danke, lieber Trainer!“

Eigentlich mag der 256-malige Nationalspieler gar nicht gern über seinen bevorstehenden Ehrentag sprechen. Thiel war nie jemand, der mit Freude über sich selbst geredet hat. Er wollte nie im Mittelpunkt stehen. Es gibt aber auch noch einen dritten Grund, warum er im Gespräch nicht in Euphorie verfällt. „Wenn man 60 wird, ist das so ein Tag, der einem bewusst macht, dass das Leben langsam zu Ende geht“, sagt er. Eigentlich lebe er schon seit seinem 50. in tiefster Melancholie, schiebt er als Scherz hinterher: „Aber so ein bisschen Scheu vor dieser Marke habe ich schon.“

Es wird keine große Party geben. Thiel arbeitet seit vielen Jahren als Rechtsanwalt in Köln, und vielleicht wird er sogar einige Stunden seines Geburtstags mit Arbeit in der Kanzlei verbringen. Er sagt das nicht mit Wehmut, er will einfach kein großes Aufheben um den Tag machen. Thiel hat auch nicht die alten Weggefährten vom VfL Gummersbach eingeladen, mit denen er zwischen 1979 und 1991 die größten Erfolge seiner Karriere gefeiert hat: fünf deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und den Europapokal der Landesmeister 1983.

Mit spektakulären Paraden prägte Thiel in dieser Zeit und darüber hinaus das Torwartspiel im Verein und in der Nationalmannschaft, mit der er 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Silbermedaille gewann.

„Am Ende muss man stark sein: Diesen Spruch hat er geprägt“, erzählt Brand, der sich daran erinnert, wie Thiel sich im Sommer 1979 ihm und seinen Gummersbacher Mitspielern in einem Trainingslager als 19-Jähriger vorstellte. „Er war sehr respektvoll den erfahrenen Spielern gegenüber. Er hat sogar tiefe Verbeugungen gemacht“, lacht der 67-Jährige. Es dauerte nicht lange, bis die anderen sich vor Thiel verbeugten. Eine seiner zahlreichen Glanzleistungen gelangt Thiel 1983 im Finale des Europapokals der Landesmeister bei ZSKA Moskau (19:15), als er allein fünf Siebenmeter entschärfte.

Die Begeisterung für den Handball hat er bis heute nicht verloren. Neben seiner Arbeit als Anwalt ist Thiel Vorstandsvorsitzender der Frauen-Bundesliga, Torwart-Trainer bei den Bundesliga-Frauen von Bayer Leverkusen und Präsidiumsmitglied im Deutschen Handballbund. Und wenn ihm die Zeit bleibt, tut er auch was für den eigenen Körper. „Ich sehe zu, dass ich zwei- bis dreimal pro Woche eine Dreiviertelstunde laufen gehe. Darauf achte ich“, erzählt er.

Seit einigen Monaten habe er ein Smartphone, bei dem er oft auf eine Gesundheits-App schaue. Das ist aber nicht der Grund, warum er an seinem Geburtstag keinen Kuchen essen wird, sondern: „Ich bin eher der Mann für’s Mettbrötchen, nicht für die Torte.“

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