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NWZonline.de Sport Handball

Überbelastung ist das Kernproblem des Handballs

21.01.2019
Analysiert für die NWZ die Geschehnisse bei der Handball-WM: Trainer Frank Carstens Bild: dpa/Wolf

Kurz vor der Partie gegen Deutschland hat der isländische Trainer Gudmundur Gudmundsson den Spielplan seiner Mannschaft mit vier Partien an fünf Tagen heftig kritisiert. Damit hat er das Kernproblem des Welthandballs angesprochen, das wir seit Jahren haben. Es ist das Thema schlechthin, das unsere Sportart beschäftigt. Alle, die über den Tellerrand hinausschauen, machen sich darüber Gedanken.

Überlastet sind natürlich in erster Linie die Top-Leute. Wir bei der GWD Minden kommen wunderbar zurecht, weil wir keinen Europapokal spielen. Die Handballer aber, die in der Champions League spielen und dann noch in den Nationalmannschaften bei den großen Turnieren dabei sind, sind ganz klar überfordert. Zur Folge hat das, dass ein Star wie der Kroate Domagoj Duvnjak (THW Kiel) so heruntergeritten wurde, dass er heute nicht mehr die Form von vor zwei Jahren erreicht – und zwar, weil er sich ein Jahr lang mit Verletzungen durch diesen Marathon gequält hat.

Das Problem sind die unterschiedlichen Interessen in den unterschiedlichen Verbänden. Die jetzt veranstaltende IHF sagt: Natürlich haben wir alle zwei Jahre eine WM und alle vier Jahre die Olympischen Spiele, da können wir nicht drauf verzichten. Und die EHF sagt: Unsere Champions League muss größer werden, sie muss wachsen, damit verdienen wir Geld. In vielen Ländern ist die Champions League zudem viel wichtiger als die nationale Liga – das ist in Deutschland ganz anders, hier genießt die Bundesliga absolute Priorität.

Das prominenteste Beispiel in der vergangenen Saison waren die Rhein-Neckar Löwen, die sogar zwei Spiele an einem Tag absolvieren mussten und daraufhin in der Champions League die zweite Mannschaft hinschickten.

Da keiner der Verbände auf Spiele verzichten will, gibt es eigentlich nur einen Kompromiss, der sich leicht am Horizont abzeichnet. Wir könnten in den nationalen Ligen so etwas wie NBA-Verhältnisse bekommen – also einen wesentlich engeren Spielplan. Dadurch bekämen Vereine und Spieler mehr Vorbereitungszeit im Sommer, die Turniere im Winter könnten so eventuell um eine Woche gestreckt werden. Eine WM wird ja künftig nicht kleiner werden, aber so würde man zumindest längere Pausen zwischen den einzelnen Spielen erhalten.

In meinen Augen sind sich Trainer und Sportler einig, dass wir alle gern dieses Experiment eingehen würden, um im Sommer mehr Zeit für eine längere Trainingsphase zu bekommen. Das Problem dieser Top-Leute ist es nämlich nicht, die Spiele zu absolvieren. Das schaffen sie. Aber sie können in den Vereinen ja gar nicht mehr richtig trainieren. Wenn Du das nicht kannst, lebst Du von deiner Substanz, von dem, was Du dir im Sommer erarbeitest hast.

Natürlich ist diese Überbelastung ein Problem des gesamten Handballs, denn am Ende geht es um die Qualität des Produkts. Will ich wirklich ein Spiel sehen, bei dem zwei Mannschaften gegeneinander antreten, die kaum noch laufen können? Kann es der Sinn sein, dass die Halbfinals und Finals einer WM oder EM oft die von der Qualität her schwächsten Partien sind, weil die Spieler schlichtweg keine Kraft mehr haben? Ich verstehe die unterschiedlichen Interessen und ihre Berechtigungen, aber am Ende ist es der Spieler, der leidet und dessen Bedürfnisse und Interessen – mehr Trainings- und Regenerationszeit – zu wenig berücksichtigt werden.

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