Oldenburg - Wenn der deutsche Handball-Meister der vergangenen fünf Jahre auf Reisen geht, dann tritt er traditionell als Favorit in fremden Hallen an. Das ist auch bei den Frauen des Thüringer HC nicht anders. Und dennoch sieht sich der Bundesligist aus Bad Langensalza vor der Auswärtspartie beim VfL Oldenburg an diesem Sonnabend (18 Uhr, kleine EWE-Arena) erstmals nicht in eben jener Favoritenrolle.

„Das wird eines der schwersten Auswärtsspiele der ganzen Saison. Zum ersten Mal seit ich beim THC bin, gehen wir als Außenseiter an den Start“, sagt Cheftrainer Herbert Müller. Zum einen zeigt die Zurückhaltung Müllers den Respekt, den sich der letztjährige Tabellenvierte und Vizepokalsieger Oldenburg inzwischen erarbeitet hat. Zum anderen offenbart Müllers Aussage, dass der Abonnement-Meister derzeit von personellen Problemen gebeutelt ist.

Im Sommer verließen in Nadja Nadgornaja (Borussia Dortmund) und Franziska Mietzner (HC Leipzig) zwei gefährliche Rückraum-Schützinnen den Verein. Weil sich der rumänische Zugang Eliza Buceschi unter der Woche im Training den Fuß verdrehte, Kreisläuferin Danick Snelder sich beim Auftaktsieg gegen Bayer Leverkusen (30:23) das Außenband riss, die Russin Natalia Reschetnikova wegen eines Fingerbruchs operiert werden musste und Torfrau Jana Krause mit Pfeifferschem Drüsenfieber auf unbestimmte Zeit ausfällt, ist der Thüringer Kader tatsächlich arg ausgedünnt.

Die Favoritenrolle würde VfL-Trainer Leszek Krowicki seinem Team zwar nicht zuschreiben, dennoch ist der Coach zuversichtlich, dass die Oldenburgerinnen nach dem 31:26-Auftakterfolg in Göppingen auch im ersten Heimspiel der Saison überzeugen können. „Wir haben in Hamburg gezeigt, dass wir gegen Thüringen bestehen können, und zu Hause sind wir noch stärker“, sagt Krowicki. Der 57-Jährige erinnert damit an das Duell im Mai, als die VfL-Frauen dank eines 28:27-Sieges nach Siebenmeterwerfen ins Finale des Pokalwettbewerbes einzogen, das sie einen Tag später knapp gegen Buxtehude verloren.

Dass der THC damals mit seiner besten Sieben und nicht wie nun mit Personalproblemen antrat, sollte den Oldenburgerinnen zusätzlichen Mut für die Partie geben. Bei den VfL-Frauen gibt es keine Ausfälle zu beklagen. Wie fit Angie Geschke, Caroline Müller, Kim Birke und Co. sind, bewiesen sie in Göppingen, als der VfL in der Schussphase dank seiner konditionellen Stärke in einer eigentlich engen Partie noch einen Fünf-Tore-Erfolg herauswarf.

„Wir müssen an die Leistung der letzten zehn Minuten in Göppingen anknüpfen, dann haben wir gute Chancen“, glaubt Spielführerin Geschke.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion