• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Handball

Mit aller Kraft gegen den Untergang

24.02.2017

Oldenburg Als wäre es erst gestern gewesen: „Ich weiß es noch wie heute. Das war für uns alle ein Riesenschock“, erzählt Wiebke Kethorn von jenem Trainingsabend in der Robert-Schumann-Halle Ende Februar 2011, als die Handballerinnen des VfL Oldenburg vom Geschäftsführer der VfL-Bundesliga GmbH, Peter Görgen, über das Ausmaß der Beluga-Insolvenz in Kenntnis gesetzt worden waren. Den ganzen Tag über hatten sich im Internet bereits Hiobsbotschaften zum Untergang der Bremer Reederei verbreitet. „Wir waren total verunsichert. Das sofortige Aus von unserem damaligen Hauptsponsor traf uns wie ein Schlag. Quasi aus dem Nichts“, erinnert sich die frühere Kreisläuferin.

Tränen in den Augen

An Training war nicht zu denken. Die Spielerinnen, darunter Sabrina Neuendorf, Lois Abbingh, Laura van der Heijden, Julia Renner oder Kim Birke saßen geschockt auf der Bank und auf dem Boden, Tränen flossen. Der Rest ist bekannt. Die damalige VfL-Mannschaft stürmte wenig später an einem Freitagabend im März 2011 in die Aufsichtsratssitzung des Clubs in der Geschäftsstelle Ehnernstraße und setzte sich erfolgreich dafür ein, die zu dem Zeitpunkt massiv infrage gestellte Bundesliga-Lizenz doch noch zu beantragen.

Preise und Erfolge

Wiebke Kethorn kam 2002 zum VfL Oldenburg. Die Nordhornerin gehörte dem Bundesligakader bis 2014 an. In dieser Zeit reifte sie zur Nationalspielerin (37 Einsätze/41 Tore) und nahm mit der deutschen Auswahl an den WM-Turnieren 2009 in China und 2013 in Serbien teil. Mit dem VfL gewann Kethorn 2008 den europäischen Challenge-Cup sowie den DHB-Pokal 2009 und 2012. Die dreimalige Oldenburger Sportlerin des Jahres wurde 2009 mit dem vom Bundesinnenministerium vergebenen Preis für Fairplay und Toleranz im Sport ausgezeichnet.

Ein Jahr später wurde nahezu exakt dieses Team zum dritten Mal deutscher Pokalsieger. Alle Spielerinnen und der Trainer Leszek Krowicki hatten freiwillig auf große Teile ihres Gehalts verzichtet. „Der VfL hat schon immer aus wenig viel gemacht“, sagt Kethorn heute im Rückblick.

Februar 2017: Sechs Jahre später droht dem Bundesliga-Urgestein erneut der finanzielle Kollaps. Der Oldenburger Energieversorger EWE, der im Frühjahr 2011 für das plötzlich wegbrechende Beluga-Engagement von Reeder Niels Stolberg in die Bresche gesprungen war und den Verein am Leben erhielt, hat seinen stufenweisen Rückzug aus dem Frauenhandball angekündigt.

Die Rede ist heute von einem geschätzten Sponsoring von 450.000 Euro, das zum Saisonende im Juni um rund 150.000 Euro reduziert und im Sommer 2018 nochmals drastisch gesenkt wird.

Für Wiebke Kethorn, die ihre großartige Karriere 2014 beendete und heute noch im VfL engagiert ist, lassen sich diese beiden Ausnahmesituationen allerdings nicht vergleichen. „2011 traf uns die Beluga-Insolvenz ohne Ankündigung. Wir hatten null Komma null Vorbereitungszeit. Heute wissen wir, was auf den Club zukommt. Es bleibt noch Zeit zum Reagieren“, sagt die 31-jährige werdende Mutter. Das ist auch der Grund, warum Deutschlands ehemalige Nationalspielerin fest daran glaubt, dass der VfL Oldenburg diese Krise überleben wird. „Anders, aber der Verein wird es gut meistern“, sagt sie.

Ein starkes Wir-Gefühl

Denn etwas im Vergleich zu 2011 vermisst der einstige Publikumsliebling. „Generell ging das vor sechs Jahren mit viel mehr Leidenschaft und Herzblut ab. Alle zogen an einem Strang. Das Wir-Gefühl war gewaltig“, erinnert sich Kethorn: „Die Fans, die Sponsoren, die Medien, der Trainer, die Spielerinnen, Geschäftsführer, Freunde, Gönner und die Öffentlichkeit sind aufgestanden. Alle haben zusammengestanden.“ Das waren die Glücksmomente, die laut Kethorn einen ganzen Verein, eine ganze Stadt und Region beflügelten.

Breite Unterstützung

Das habe der Mannschaft damals enorm geholfen. „Diese Unterstützung von allen Seiten war unglaublich. Die ganze Stadt stand hinter uns, was uns positiv beeinflusst hat“, betont die langjährige Spielführerin des VfL Oldenburg. Sie sagt es nicht, aber man merkt es ihr an: Diese Aufbruchstimmung, dieser unbedingte Wille fehlt der einstigen Vorzeigesportlerin. Und dann sagt sie es doch: „Ehrlich? Es bricht mir das Herz. Ich wünsche mir lachende Gesichter, eine volle Halle und jegliche Unterstützung von allen Seiten“

Nur zu gern will sie die Welle, welche die VfL-Frauen 2011 durch die Krise getragen hat, wieder lostreten.

Otto-Ulrich Bals
Redaktionsleitung
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2030
Stöbern Sie in über 70 Jahren Zeitgeschichte in unserem NWZ-ePaper Archiv.

NWZ-ePaper Archiv
Stöbern Sie in über 70 Jahren Zeitgeschichte in unserem NWZ-ePaper Archiv.

Weitere Nachrichten:

Beluga | VfL Oldenburg | VfL-Bundesliga | EWE

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.