Oldenburg - Das Extralob ging runter wie Öl. „Das kommt ja nicht so oft vor. Deswegen hat das richtig gut getan“, meinte Angie Geschke und schaute bei der Pressekonferenz etwas verschämt zu ihrem Trainer Niels Bötel hinüber. Der nahm die leise Kritik mit Humor und gelobte im Stile eines Gentlemans Besserung. Diese kleine Anekdote aus dem Trainingsbetrieb des VfL Oldenburg spiegelte nur zu gut die Stimmung wider, die momentan in der Mannschaft des Handball-Bundesligisten vorherrscht.
„Es macht großen Spaß. Wir sind wieder eine richtige Mannschaft. Jede kämpft für jede. So kann’s weitergehen“, führte Geschke spontan aus, ohne dass die 32-jährige Nationalspielerin auf das Thema angesprochen worden wäre.
Die deutsche Nationalmannschaft bereitet sich von Sonntag bis Freitag in Varel (Kreis Friesland) auf die anstehenden EM-Qualifikationsspiele vor. Die DHB-Auswahl trifft zunächst am kommenden Mittwoch in Oldenburg (20 Uhr, große EWE-Arena) auf Litauen. Am 1. Oktober steht dann die Partie gegen Gastgeber Türkei auf dem Spielplan der Qualifikationsgruppe 6.
Zwei Oldenburgerinnen werden an dem Lehrgang unter der Leitung von Bundestrainer Michael Biegler teilnehmen. Während Angie Geschke ihre Länderspiel-Nominierung sicher hat, zählt die VfL-Torhüterin Madita Kohorst zum erweiterten WM-Kader des Deutschen Handballbundes (DHB).
Kurzum: Es läuft beim Vorjahresfünften und seiner Spitzenspielerin. Ein nicht unbedingt erwarteter Auftaktsieg in Blomberg, eine couragierte Teamleistung gegen die Übermannschaft des Thüringer HC, und am Sonntag (16.30 Uhr, kleine EWE-Arena) steht mit dem Gastspiel des deutschen Meisters SG Bietigheim gleich der nächste Kracher auf dem VfL-Programm. „Natürlich wollen wir auch gegen diesen Gegner zeigen, was wir draufhaben. Wir lassen uns etwas einfallen“, meinte Bötel, dem bekanntlich personell nur sehr wenige Möglichkeiten bleiben.
Aber immerhin kann sich der neue Oldenburger Chefcoach auf „seine“ Angie verlassen. Geschke, die in der Vorbereitung rund 14 Tage ausgefallen war, präsentiert sich aktuell in der Form ihres Lebens. Die Nationalspielerin wirkte nie austrainierter und entschlossener als in diesen Wochen. Da verbot sich eigentlich auch die Frage, ob die anstehende Heim-WM sowie die EM-Qualifikationsspiele in der kommenden Woche eine zusätzliche Belastung für sie darstellen würden. „Belastung?“, fragte sie in die Journalistenrunde zurück: „Nein, überhaupt nicht. Nicht in diesen Tagen.“
Geschke hat längst in den WM-Modus hochgeschaltet. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im eigenen Land sei eine große Ehre für sie. Das muss die torgefährliche Rückraumspielerin nicht extra betonen. Man sieht es ihr einfach an. Ihre Haltung, die körperliche Fitness, der standhafte Blick und die Konzentration auf das Wesentliche lassen ihre Fokussierung auf etwas Großartiges leicht erkennen. Um diese VfL-Frau muss sich Bötel keine Sorgen machen. Sie wird auch gegen Bietigheim am Sonntag 100 Prozent geben und ihr Team wie schon gegen Thüringen mitziehen. Mehr noch: „Mein Ziel ist es, im nächsten Spiel noch weniger Fehler zu machen“, kündigte sie unerschrocken ob der Ausnahmeklasse des Gegners an.
Und wer weiß? Vielleicht gibt’s im Training dann gleich das nächste Extralob. Geschke hätte sicher nichts dagegen.
