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NWZonline.de Sport Handball

VfL Oldenburg plant Zukunft ohne Angie Geschke

31.01.2019

Oldenburg Elegant geht anders: Die Pressemitteilung des VfL Oldenburg am Mittwochvormittag bezüglich der Kaderplanung für die Bundesliga-Spielzeit 2019/2020 hatte es in sich – und sorgte, kaum in den Mailverteiler eingespeist, im Nu für einen Aufschrei in den sozialen Netzwerken. Dezent ans Ende der Mitteilung gesetzt, tauchte darin der Satz „Kim Birke wird ihre Handballkarriere leider beenden, die Verträge mit Angie Geschke und Isabelle Jongenelen werden nicht verlängert“ auf, was die Fangemeinde mit „fassungslos“ und „traurig“ kommentierte.

Kommentar

Risiko – aber auch Chance

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Mathias Freese

Sich von seiner erfolgreichsten Torjägerin zu verabschieden ist ein immenses Risiko. Mit 6,8 Toren im Schnitt ist Angie Geschke die drittbeste Werferin der Liga – für einen Club auf Platz neun eine sehr wertvolle Spielerin. Zweitbeste Oldenburgerin ist Myrthe Schoenaker (4,1 Tore im Schnitt) auf Rang 22, drittbeste Kim Birke (3,8), die ebenfalls keine Zukunft im VfL-Bundesligateam hat. Es deutet sich ein Abschlussproblem im VfL-Angriff an.

Dieser Schritt kann aber auch eine Chance sein. Als langjährige Leistungsträgerin hat Geschke oft die Verantwortung sowie das Team getragen. Mitunter stand und fiel das VfL-Spiel aber mit ihrer Tagesform. Ohne den exponierten Star entwickelt sich aber womöglich ein stärkerer Teamgeist, ein neues Wir-Gefühl. Außerdem haben die jungen Spielerinnen die Chance, in den Vordergrund zu treten, Verantwortung zu übernehmen. Letzteres wird jemand tun müssen. Glaubt man Trainer Niels Bötel, kann das aber Myrthe Schoenaker bereits besser – zumindest im Sinne der Mannschaft.

Der Teamgeist allein aber wirft keine Tore – und so souverän wie Geschke trifft im jetzigen Kader fast keine den Kasten. Da muss also schnell Verbesserung her – sei es durch Zugänge oder durch mehr Selbstvertrauen bei den aktuellen VfL-Spielerinnen.

Mathias Freese über die Trennung des VfL Oldenburg von Angie Geschke

Für viele wurden diese drei wichtigen Personalentscheidungen viel zu lapidar dargestellt und den Verdiensten dieser drei gestandenen Bundesliga-Spielerinnen in keiner Weise gerecht. Gezeichnet hatte die Pressemitteilung Peter Görgen. Der VfL-Bundesliga-Geschäftsführer erklärte dazu auf Nachfrage, dass die Verdienste der drei genannten Spielerinnen ja unbestritten seien und die kurze Darstellung der rein sachlichen Information geschuldet sei. Görgen weiter: „Kim Birke war klar. Sie hatte ihr Karriereende lange vorher ja schon bekanntgegeben. Die anderen beiden Personalien folgen aus rein sportlichen Entscheidungen der Trainer.“

In der Tat: Der Abschied von Birke nach 14 VfL-Jahren dürfte nur noch wenige Fans überrascht haben, der Schritt stand seit Saisonbeginn fest. Die 31-jährige Kapitänin hatte ihr Karriereende erst jüngst beim Jahresempfang des VfL gegenüber der NWZ bestätigt. Und auch die Trennung von Isabelle Jongenelen konnte erwartet werden. Die 27-jährige Niederländerin, die immer wieder auch durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, schaffte nie wirklich den Sprung in die Stammformation des viermaligen deutschen Pokalsiegers.

Gleichwohl: Dass der VfL Oldenburg, der an diesem Sonntag (16.30 Uhr, kleine EWE-Arena) in einem wichtigen Heimspiel die HSG Bensheim/Auerbach empfängt, den Vertrag mit Angie Geschke nicht verlängert, ist aus sportlicher Sicht ein Hammer. Die 33-jährige Modellathletin und einzige aktuelle deutsche Nationalspielerin (110 Länderspiele/210 Tore) im Kader von Trainer Niels Bötel zählt seit Jahren zu den Top-Torschützinnen der Bundesliga.

Geschke, die seit 2008 – mit einer ganz kurzen Unterbrechung 2012/13 in Kristiansand (Norwegen) und Leverkusen – für die Grün-Weißen aufläuft, weiß um die Entscheidung des Vereins schon seit Dezember. Doch der Stachel der Enttäuschung sitzt noch immer tief. „Ich bin extrem traurig und sehr enttäuscht vom Verein. Das ist das, was ich fühle“, beschreibt Geschke ihre Gemütslage.

Als sportliches Ziel hatte die Polizistin stets eine Teilnahme an Olympia 2020 in Tokio gesehen, so dass ein Karriereende unwahrscheinlich erscheint. „Ich sehe Oldenburg als meine Heimat an und wollte eigentlich beim VfL bleiben“, betont Geschke, die zu ihrer Zukunft nur so viel sagt: „Ich rede schon mit anderen Clubs, mehr möchte ich dazu nicht äußern.“

Ihr Noch-Trainer beim VfL rechtfertigte im Gespräch mit der NWZ noch einmal den Verzicht auf Geschke ab der kommenden Saison. „Andreas Lampe und ich sind als Trainerteam hier angetreten mit dem Auftrag, den Umbruch herbeizuführen. Nun steht der dritte Schritt an. Und natürlich war das eine schwierige Entscheidung. Das gilt auch für Isabelle Jongenelen. Aber solche Entscheidungen müssen halt auch getroffen werden“, erklärte Bötel.

Keine Frage, Geschke und Bötel, das passt beim VfL einfach nicht. Die Chefrolle, die Geschke vom Trainerteam zugedacht war, erfüllt heute Myrthe Schoenaker. Die 26-jährige Niederländerin agiert in den Augen des Chefcoaches mannschaftsdienlicher und als verlängerter Arm von Bötel auf dem Spielfeld.

Schoenaker zählt zu den neun Spielerinnen – und darum ging es im Ursprung bei der besagten Pressemitteilung – die beim Bundesligisten noch einen Vertrag bis 2020 besitzen. Außer Schoenaker sind dies: Julia Renner (31), Jane Martens (19), Ann-Kristin Roller (22), Jenny Behrend (23), Lina Genz (19), Lisa-Marie Fragge (19), Kristina Logvin (23) und Helena Mikkelsen (22). Aktuell verhandelt der VfL-Personalchef Görgen mit Kreisläuferin Cara Hartstock (24) über einen neuen Vertrag.

Den Substanzverlust, den die Abgänge Geschke, Birke und Jongenelen zweifelsohne mit sich bringen, will der Club schon bald ausgleichen. „Wir werden in den nächsten zwei, drei Wochen zwei Neuverpflichtungen tätigen, die uns helfen werden, diesen Aderlass zu kompensieren“, betonte Görgen auf Nachfrage.

Otto-Ulrich Bals Autor
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