OLDENBURG - Bei den Oldenburgerinnen lief nichts zusammen. Ein ratloser Coach Krowicki schließt einen Rücktritt aus.
Von Otto-Ulrich Bals
OLDENBURG - Es gab schon bittere Niederlagen in der EWE-Arena, es gab unglückliche Heimpleiten gegen vermeintliche gleichstarke Bundesliga-Teams. Aber noch nie war ein Auftritt der Handballerinnen des VfL Oldenburg so peinlich gewesen wie der sonntägliche, der 1900 Zuschauer mit Entsetzen erfüllte. Gegner DJK Trier, mit nur acht Feldspielerinnen angereist, führte die VfL-Frauen nach allen Regeln der Handball-Kunst vor und nahm beim 27:23 (17:10) völlig verdient beide Punkte mit an die Mosel.„Heute habe ich Sachen auf dem Spielfeld gesehen, die ich nicht erklären kann. Das allein ist schon schlimm“, kommentierte ein ebenso ratloser wie deprimierter VfL-Chefcoach Leszek Krowicki die gerade erteilt bekommene Lehrstunde durch die Trierer „Miezen“. Spielerisch und taktisch war sein Team alles schuldig geblieben. Was der Trainer seinen Spielerinnen auch mit auf dem Weg gegeben oder während der Partie als Hilfen an die Hand gegeben hatte, die Mannschaft ignorierte sämtliche Ansagen und rannte wie von Sinnen in die Pleite.
„Ich bin auch nicht blind. Klar, da drängt sich die Trainerfrage auf. Aber ich werde jetzt keine persönlichen Konsequenzen ziehen. Aber es muss etwas passieren, denn so kann es nicht weiter gehen. Das sieht doch jeder“, schloss Krowicki, der seinen Vertrag beim VfL gerade erst bis 2010 verlängert hatte, sehr wohl etwaige personelle Veränderungen in seinem Kader in dieser Woche nicht aus. Namen von Spielerinnen nannte Krowicki nicht. Nur so viel: „Ich werde jetzt ein Gespräch mit meinem Manager (Anm. d. Red. gemeint war der VfL-Bundesliga-Geschäftsführer Peter Görgen) darüber führen, wie es weiter gehen soll.“
Gegen Trier am Sonntagnachmittag vor der VfL-Rekordkulisse in der EWE-Arena ging jedenfalls nichts, so erschreckend schwach präsentierte sich eines der bestbezahlten Erstliga-Teams. Die aggressive, offensive Deckung der Gäste raubte den VfL-Frauen schon früh den unbedingten Siegeswillen (1:3/6. Minute und 7:11/18.). Auch ließen die Gastgeberinnen jegliche Geduld, Cleverness und den nötigen Druck vermissen, um die von einer überragenden Nationalspielerin Maren Baumbach (13/6) angeführten DJK-Frauen über 60 Minuten ernsthaft in Gefahr zu bringen.
Selbst als Trier dem hohen Tempo Tribut zollen, nach der Pause ohne die verletzt ausgeschiedene Laura Steinbach (Knieblessur) und ohne Simona Roubinkova (3. Zeitstrafe) auskommen musste, stolperte der VfL weiter über sich selbst. Irina Pusic hatte ihr Team mit einer Einzelaktion (dem Oldenburger Standard-Angriffsmittel) und ihrem sechsten Treffer in der 54. Minute auf 21:22 heran gebracht, doch statt nun entschlossen und diszipliniert die Chance zu suchen, leistete sich der konzeptlos anrennende VfL Abspielfehler und Schrittfehler. Die Gäste ließen sich nicht zweimal bitten, sorgten innerhalb von 90 Sekunden mit 25:21 (55.) für die Entscheidung und krönten so eine beeindruckende Energieleistung in Oldenburg.
Bitter: Beim VfL zeigte sich diese Tempoverschärfung nach der sechsten Niederlage im sechsten Pflichtspiel nur in der Tabelle – auf dem Weg nach unten.
