OLDENBURG/NORDERNEY - Am Tag danach war der Blick nach vorne gerichtet. Bundestrainer Heiner Brand strich als Konsequenz aus dem blamablen letzten EM-Auftritt gegen Frankreich (26:36) noch vor dem Rückflug aus Norwegen drei Spieler aus seinem Kader. Damit setzte der 55-Jährige seine Ankündigung, mit Blick auf Olympia den Konkurrenzdruck erhöhen zu wollen, unerwartet schnell um. So verordnete Brand den Lemgoern Rolf Hermann, Lars Kaufmann und Michael Kraus erst einmal eine Denkpause.

„Das war einfach zu wenig. Ich habe bei ihren Einsätzen nicht erkennen können, dass sie ihre Chance beim Schopf packen wollen“, begründete Brand auf der Internetseite des Deutschen Handball-Bundes (www.dhb.de) seine Maßnahme. Beim Bundesligisten TBV Lemgo löste diese Maßnahme Unverständnis aus. Manager Volker Zerbe und Sportdirektor Daniel Stephan, die viele Jahre unter Brand in der Nationalmannschaft gespielt haben, sehen ihre Spieler ungerechterweise in der Rolle der Sündenböcke.

Ihr alter Weggefährte und neuer Cheftrainer des Wilhelmshavener HV, Klaus-Dieter Petersen, vermutet derweil: „Die Maßnahme hat der Bundestrainer nicht nur auf das letzte Spiel bezogen. Da muss über die Tage mehr passiert sein. Es geht wohl um den Gesamteindruck“, sagt der langjährige DHB-Kapitän (340 Länderspiele), der sich bis Donnerstag mit dem WHV auf der Insel Norderney im Trainingslager befindet.

Brand wies die Lemgoer Vorwürfe zurück. Er wolle niemanden zum Sündenbock abstempeln. Ihm habe aber gegen Frankreich Konzentration und Einsatz gefehlt. „Das muss ich auch von Spielern, die von der Bank kommen, erwarten können. Darüber sollen sie jetzt nachdenken, aber es ist kein Rauswurf.“

Petersen wehrt sich gegen den Eindruck, bei der EM sei alles schlecht gelaufen. „Wir sollten alle schön auf dem Teppich bleiben“, meint der WHV-Coach und begründet gegenüber der NWZ : „Als EM-Vierter sind wir oben dran. Wir zählen seit Jahren zur Weltspitze und werden diesen Weg auch weiter gehen.“ Und mit Blick auf Olympia will Klaus-Dieter Petersen sehr wohl auch Positives ausgemacht haben.

So habe Hamburgs Torwart, der gebürtige Zeteler Johannes Bitter, seine internationale Klasse bewiesen und der Nordhorner Linkshänder Holger Glandorf einen weiteren Sprung nach vorne gemacht. „Mir jedenfalls wird nicht bange, wenn ich an Peking denke. Auch dort werden wir eine gute Rolle spielen“, betont Petersen.

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