Rastede/Oldenburg - Heike Horstmann hält in den Händen, was nur drei Handballerinnen in Deutschland besitzen: die Bronzemedaillen der WM-Turniere 1997 und 2007. „Da hängen natürlich viele Erinnerungen dran“, sagt die 46-Jährige, die jeweils bei den letzten beiden großen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft dabei war. 1997, bei der letzten WM im eigenen Land, als Spielerin (unter ihrem Mädchennamen Heike Schmidt) und zehn Jahre später in Frankreich als Assistentin von Bundestrainer Armin Emrich.

„Dieser Zehn-Jahres-Takt ist schon witzig und wird sich hoffentlich als ein gutes Omen für die jetzt anstehende WM in Deutschland erweisen“, überlegt Oldenburgs Handball-Legende, die in ihrer aktiven Zeit zwischen 1989 und 2005 für „ihren“ VfL 13 Jahre lang in der Bundesliga spielte. So auch 1997 bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland, als sie bei ihrer ersten WM-Teilnahme hautnah erleben durfte, welche Wucht so ein Heimspiel entfachen kann.

Den Frauenhandball 16 Jahre lang national und international Geprägt

Heike Horstmann (Mädchenname Schmidt) spielte 16 Jahre lang in der Handball-Bundesliga. Die gebürtige Plettenbergerin begann ihre Karriere 1989 beim VfL Oldenburg, hier endete sie auch 2005. In den Spielzeiten 1993/94 und 94/95 lief die Spielmacherin für den TuS Walle Bremen und in der Saison 98/99 für den Buxtehuder SV auf. Mit Walle feierte sie ihre größten Erfolge, wurde jeweils zweimal deutsche Meisterin und Pokalsiegerin sowie einmal Europapokalsiegerin der Pokalsieger 1994.

Fürs Nationalteam absolvierte Heike Horstmann 168 Länderspiele (Debüt 1991 gegen Estland). Dabei erzielte sie 372 Tore. Von 2005 bis 2008 agierte sie als Co-Trainerin der Nationalmannschaft. In Oldenburg organisiert sie das traditionelle Robert-Schumann-Turnier.

„Die Menschen standen in Sindelfingen, Hannover oder Berlin vor der Halle, und immer wenn wir aus dem Bus stiegen, sprachen sie uns an. Die meisten kannten sogar unsere Namen. Das war unglaublich“, schwärmt Heike Horstmann auch 20 Jahre später noch von „einer Euphoriewelle, die uns alle packte“. In der Tat. Deutschland verzeichnete 1997 einen Zuschauerrekord für Frauen-Weltmeisterschaften.

Es gab aber auch verrückte Begegnungen. So wurde die damals 26-Jährige vor dem Glaspalast in Sindelfingen von einem jungen Afrikaner angesprochen, der nur das schwarz-rot-goldene Outfit der deutschen Mannschaft gesehen hatte, und glaubte, Heike Schmidt als Teammitglied von Vorrundengegner Angola ausgemacht zu haben. Die Flagge des zentralafrikanischen Landes weist ähnliche Farben aus. „Ich habe im ersten Moment gestutzt, doch dann erkannte er schnell, dass ich vom Aussehen wohl nicht ganz nach Angola hinpasste“, erinnert sich die Ex-Nationalspielerin.

Eine extrem traurige Begebenheit kann Heike Horstmann bis heute nicht ausblenden. Beim Halbfinalspiel zwischen Dänemark und Russland am 13. Dezember 1997 kam es zu einem Messerattentat, bei dem ein betrunkener deutscher Fan zwei ebenfalls alkoholisierte dänische Anhänger auf dem Oberrang der Berliner Max-Schmeling-Halle erstach.

„Diese schreckliche Tat wirft für immer einen großen Schatten auf die WM 1997. Ich weiß noch, wie wir Spielerinnen uns alle gemeinsam mit den Däninnen beraten haben, ob am darauf folgenden Tag das Finale sowie die Partie um Platz drei noch gespielt werden sollten“, blickt sie zurück.

Es wurde gespielt. Dänemark wurde Weltmeister, und Deutschland gewann gegen Russland (27:25) die WM-Bronzemedaille. In der damaligen Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) standen auch die spätere Rekord-Nationalspielerin Grit Jurack und die frühere Weltklasse- Kreisläuferin Kathrin Blacha.

Zusammen mit Heike Horstmann waren diese beiden Spielerinnen dabei, als Deutschland zum bislang letzten Mal eine WM-Medaille gewinnen konnte. „Anders als 1997 wurden wir zehn Jahre später in Frankreich nicht zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Aber unser Team zeichnete ein komplett eiserner Wille aus. Die Mädels wollten unbedingt diese Medaille gewinnen“, erzählt Heike Horstmann, die inzwischen die Seite gewechselt hatte und im Dezember 2007 als Co-Trainerin von Armin Emrich auf der deutschen Bank saß. Deutschland bezwang am 16. Dezember 2007 in Paris-Bercy in einem hochdramatischen Spiel um Platz drei Rumänien in der Verlängerung mit 36:35. Russland wurde Weltmeister.

Ach ja: Heike Horstmann war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger, im Februar 2008 kam ihr Sohn Ben (9) zur Welt. Das ist dann vielleicht auch die schönste Erinnerung überhaupt, die Heike Horstmann mit einer Handball-Weltmeisterschaft verbindet.