• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Handball

Aus Groningen über Oldenburg in die Weltspitze

19.03.2019

Rostow Am Don /Oldenburg Es rauscht ein wenig in der Leitung, als Lois Abbingh an ihr Smartphone geht. „Hallo, verstehst du mich gut?“ fragt sie, während im Hintergrund ein lautes Hupen ertönt. „Ich sitze gerade im Auto auf dem Weg nach Hause“, erzählt Abbingh. Es ist 17.30 Uhr in Rostow am Don, eine der größten Städte im europäischen Teil Russlands, eine Millionenmetropole, die als das „Tor zum Kaukasus“ bezeichnet wird. Die 26-jährige Handballerin hat gerade ihr zweites Training des Tages beendet – und muss mal wieder von A nach B. „Das ist gar nicht so einfach hier. Es ist alles so unglaublich groß“, sagt Abbingh und muss dabei lachen.

In so einem Riesenreich hat selbst die Niederländerin, die aus Groningen über Oldenburg zu einem Weltstar im Frauenhandball geworden ist, noch nicht gelebt. „Das ist schon schwer für mich gewesen“, gesteht sie ein und meint die Umstellung, seitdem sie vor dieser Saison von Issy Paris zum russischen Spitzenclub GK Rostow am Don gewechselt war.

Elf Stunden zum Spiel

Da wären zum Beispiel die Auswärtsspiele in der Liga. „Einmal sind wir sieben Stunden mit dem Bus nach Wolgograd gefahren, haben dort gespielt, sind am nächsten Tag vier Stunden weiter nach Astrachan gefahren, haben dort gespielt – und sind dann elf Stunden mit dem Bus zurück nach Rostow am Don gereist.“ Wenn sie mit ihrem Team in der Champions League aufläuft, ist sie für ein Spiel auch gern mal eine ganze Woche unterwegs, berichtet Abbingh, „aber inzwischen habe ich mich dran gewöhnt“.

Abbingh hat einen Weg eingeschlagen, den nur wenige Frauen im Handball wagen. In Groningen geboren zog es sie über ihren Heimatverein V&S Groningen sowie E&O Emmen bereits kurz vor ihrem 18. Geburtstag ins Ausland – im Jahr 2010 zum VfL Oldenburg. Ein mutiger Schritt in einer Sportart, in der nur die besten Spielerinnen richtig gut Geld verdienen.

Vier Jahre blieb die linke Rückraumspielerin an der Hunte, gewann mit dem VfL 2012 den Pokal, entwickelte sich zu einer Spitzenspielerin. Mit ihrem damaligen Trainer Leszek Krowicki, erzählt Abbingh, tausche sie sich noch heute regelmäßig aus, der Kontakt zu ihren Mitspielerinnen in Oldenburg sei über die Jahre weniger geworden.

Abbingh trieb es weiter, 2014 zu HC Baia Mare nach Rumänien, 2016 nach Frankreich zu Issy Paris. Und nun, seit 2018, nach Russland.

„In Oldenburg war das wie ein Zuhause für mich. Es war alles sehr familiär und die Heimat war direkt nebenan“, erzählt sie von ihrer „schönen Zeit“ beim VfL. Paris – und dabei muss Abbingh erneut lachen – „ist natürlich einfach die schönste Stadt. Das war für mich wie zwei Jahre Urlaub mit Handballspielen“, denkt sie genauso gern an die Jahre in der Stadt der Liebe.

Doppeltes Heimspiel

Rein sportlich bekam Abbingh große Aufmerksamkeit dank der Erfolge mit der niederländischen Nationalmannschaft. Mit dieser wartet auf die Rückraum-Schützin nun ein doppeltes Heimspiel. Am Freitag (18 Uhr) geht es vor ausverkaufter Halle in ihrer Geburtsstadt Groningen gegen Deutschland. Am Samstag (16.45 Uhr, große EWE-Arena) kehrt sie mit den Oranjes zum „Rückspiel“ nach Oldenburg zurück. „Das ist wahnsinnig toll. Es ist für mich das erste Länderspiel in Groningen. Ich habe gar nicht geglaubt, dass das noch einmal klappt. Und dann einen Tag später in Oldenburg zu spielen, das passt einfach toll zusammen“, drückt die 26-Jährige ihre Begeisterung aus.

WM-Silber 2015, EM-Silber 2016, WM-Bronze 2017, EM-Bronze 2018, dazu der vierte Platz bei den Olympischen Spielen 2016 – der Erfolgslauf der Niederlande, das wahrlich kein Land mit langer Handball-Tradition ist, ist beeindruckend. „Wir haben ein tolles Programm in der Jugend“, erklärt Abbingh, die bei jedem Medaillengewinn dabei war. Bei der WM in Deutschland wurde sie sogar ins Allstar-Team gewählt, war zweitbeste Torjägerin des Turniers.

Mit 15, 16 Jahren könne man bis zu dreimal täglich im niederländischen Nachwuchs trainieren. So lerne man die Mitspielerinnen und Systeme früh gut kennen. „Aber es gehört natürlich auch Talent dazu“, sagt Abbingh, und verweist auf die Generation mit den Jahrgängen 1990 bis 1992, denen neben ihr zum Beispiel Torfrau Tess Wester (von 2011 bis 2015 beim VfL) oder Rückraumkollegin Laura van der Heijden (2010 bis 2014 beim VfL) angehören.

Es fehlt nur Gold

Für den niederländischen Handball hat diese Generation kaum Messbares geleistet. Die Hallen sind voll, es ist ein Hype im Land entstanden. „Wir genießen das und wissen, dass das nicht selbstverständlich ist“, sagt Abbingh. Früher habe sie vor ein paar Hundert Fans gespielt, jetzt reißen sich diese um die Karten. Auch die Partie in Groningen ist längst ausverkauft.

Man könnte also von einer goldenen Generation des niederländischen Handballs sprechen, wäre da nicht dieser eine Makel: Der ganz große Coup, ein Titel, blieb der Niederlande verwehrt – und das nervt auch Abbingh. „Wir wissen, wie schwer das ist, wir sind ja auch nie der Top-Favorit. Aber ich möchte so gern einmal Gold gewinnen“, erzählt die 26-Jährige mit einer Hoffnung in der Stimme, dass man ihr fast schon jetzt die Daumen drücken will. Und wer weiß? Ihr doppeltes Heimspiel in Groningen und Oldenburg könnte später ein kleiner Baustein zur Erfüllung eines Lebenstraums sein.

Grafik als PDF.


Karten für das Länderspiel in Oldenburg unter   www.dhb.de/tickets 
Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2033
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.