Oldenburg - Die Erschöpfung und auch die Enttäuschung war ihnen nach Spielschluss ins Gesicht geschrieben. Sie hatten gekämpft und alles versucht, die erste Saison-Niederlage aber war nicht zu verhindern. Am achten Spieltag hat es die Handballerinnen des VfL Oldenburg erwischt. Der Tabellenführer Thüringer HC entschied am Mittwochabend vor 1621 Zuschauern in der kleinen EWE-Arena das Bundesliga-Spitzenspiel mit 32:27 (19:15) für sich und untermauerte damit seine Ausnahmestellung.

Nach der Partie kam es dann für den dreimaligen deutschen Pokalsieger noch dicker: Das VfL-Urgestein Wiebke Kethorn („Oh, Gott!“) bescherte den Oldenburgerinnen als Losfee im Pokal-Viertelfinale (3./4. Januar) die extrem schwere Auswärtsaufgabe beim HC Leipzig. Thüringen indes darf sich auf ein Heimspiel gegen Metzingen freuen.

Die Gastgeberinnen hatten in dieser intensiv geführten Partie zwischenzeitlich mit 8:7 (14. Minute) in Front gelegen und beim 24:26 (49.) sogar den möglichen Ausgleich schon dicht vor Augen, vergaben aber insgesamt viel zu viele Torchancen. Die Gäste spielten letztendlich ihre internationale Klasse aus und gingen als verdienter Sieger vom Feld. „Heute war für uns sicher mehr drin“, meinte VfL-Trainer Leszek Krowicki mit Blick auf viele gelungene Aktionen. Allein, das Tor wollten die VfL-Frauen an diesem Tag nicht treffen.

Trotz der Heimniederlage rangieren die Oldenburgerinnen weiter auf Platz zwei. Die Mannschaft von Krowicki hatte den THC zuletzt im Februar 2012 mit 27:26 besiegen können. Nicht minder packend verlief auch diesmal das Duell der beiden Bundesliga-Rivalen. Der Champions-League-Teilnehmer und Meister schaltete sofort in den Vollgas-Modus. Drei Angriffe, zwei Tore – und der THC führte schnell mit 2:0. Die Gastgeberinnen benötigten fünf Versuche für ihren ersten Treffer (1:2/5. Minute). Überhaupt zeichneten sich zu diesem Zeitpunkt schon die Kräfteverhältnisse ab. So mussten die VfL-Frauen weit mehr für einen Torerfolg investieren als das Starensemble aus Thüringen, das versuchte, die Grün-Weißen mit einer knallharten 6:0-Deckung aus dem Rhythmus zu bringen.

Den Rest erledigte eine überragende Nationaltorhüterin: Jana Krause wehrte allein im ersten Durchgang 15 Bälle ab, darunter alle drei Siebenmeter des VfL. Der Herausforderer ließ sich nicht entmutigen, ging durch Angie Geschke sogar in Führung (8:7/14.), fand letztendlich aber in der Abwehr zu wenig Zugriff. Angetrieben von Kerstin Wohlbold nutzten die Gäste die sich bietenden Lücken aus und zogen immer wieder davon (16:11/25.).

Die Gastgeberinnen, die insgesamt zu viele Chancen vergaben, versuchten weiter alles. Vor allem Spielführerin Angie Geschke stemmte sich mit Macht gegen die drohende Heimniederlage. Die Nationalspielerin hatte in der Vorbereitung auf diese Partie über Rücken- und Hüftprobleme geklagt, mit Spielbeginn waren alle Schmerzen vergessen. So führte Geschke ihren VfL mit einem Doppelschlag zunächst auf 18:21 (35.) heran. Später schaffte Julia Wenzl nochmals den 24:26-Anschluss, doch die Übermannschaft aus Thüringen konterte postwendend.