Wilhelmshaven - Gerade einmal zwei Wochen zum Durchatmen hatten die Handballer des Wilhelmshavener HV nach einer ebenso kräftezehrenden wie erfolgreichen Hinrunde in der Zweiten Bundesliga. An diesem Freitag ist bereits wieder Trainingsauftakt an der Jade, auch wenn die EM-Pause noch bis Anfang Februar dauert.

Trotz eines fast unveränderten Kaders gegenüber der Aufstiegssaison in der Dritten Liga und bislang großen Verletzungspechs in der zweithöchsten deutschen Spielklasse überwintert die Mannschaft von Coach Christian Köhrmann als bester Aufsteiger mit 23:19 Punkten auf dem siebten Tabellenplatz.

„Rechnen konnte man mit einem solch erfolgreichen Auftakt nicht“, zeigt sich selbst der 35-jährige WHV-Trainer – angesichts der widrigen Ausgangslage nach dem furiosen Durchmarsch durch die Nordstaffel der Dritten Liga (60:0) – überrascht über die bemerkenswerte Zwischenbilanz der Jadestädter.

„Wir haben den ganzen Kader in die Zweite Liga mitgenommen und diesen mit Moritz Barkow, Janik Köhler und Markus Bokesch gut ergänzt“, freut sich Köhrmann, der parallel in dieser Saison einen Lehrgang zur DHB-A-Lizenz im Sportcenter Kamen-Kaiserau absolviert, über die gelungene Transferpolitik. So konnten die Wilhelmshavener selbst die zwischenzeitlichen Ausfälle von Leistungsträgern wie Oliver Köhrmann, Adam Weiner, Lukas Mertens sowie das Fehlen der beiden Langzeitverletzten Lukas Kalafut (Knie-OP) und Fabrice Lehmann (Knöchelbruch) kompensieren.

„Gerade vor und an den Doppelspieltagen war es aber schwer, die Belastung für unseren kleinen Kader richtig zu dosieren“, berichtet Christian Köhrmann. „Es ist klasse, wie die Jungs die schwierige Situation angenommen und auf die Zähne gebissen haben.“ Insbesondere in der Abwehr und im Zusammenspiel zwischen Deckung und Torhüter habe sich sein Team zudem merklich weiterentwickelt. Auch das Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff konnte deutlich forciert werden.

Als herausragende Werfer haben sich Tobias Schwolow (145 Saisontreffer/47 Siebenmeter) und Rene Drechsler (145) in den Vordergrund gespielt. Das Rückraum-Duo führt zurzeit – auch weil sie von Routinier und Regisseur Oliver Köhrmann immer wieder gekonnt in Szene gesetzt wurden – die Torschützenliste in der zweiten Bundesliga an und dürfte so manche Begehrlichkeit bei anderen Clubs geweckt haben. Doch bewiesen die WHV-Verantwortlichen Weitsicht, beide unterschrieben vor der Saison Vier-Jahres-Verträge.

Weitere wichtige Stützen des WHV sind Torwart Weiner, der die Mannschaft mit außergewöhnlichen Paraden immer wieder auf Kurs bringen kann, und Abwehrchef Steffen Köhler, der verschiedene Deckungssysteme bestens dirigiert. „Wir haben keinen Profi in der Mannschaft, umso mehr muss die Einstellung unserer Spieler professionell sein – und da kann man nur den Hut davor ziehen, mit welcher Energie, mit welchem Ehrgeiz etwa Adam und Oliver mit 39 beziehungsweise 40 Jahren in jedem Spiel zu Werke gehen“, lobt Christian Köhrmann.

Trotz der positiven Zwischenbilanz bleiben die Wilhelmshavener angesichts von acht Punkten Vorsprung vor der Abstiegszone realistisch. „Hier dreht keiner durch“, betont Köhrmann: „Unser Ziel bleibt es, so früh wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. Dafür wollen wir weiter fleißig Punkte sammeln.“ So will der WHV schon im ersten Spiel des Jahres am 6. Februar in Hagen da weitermachen, wo er im alten Jahr aufgehört hat – mit einem Sieg.

Henning Busch
Henning Busch Redaktion Friesland (Lokalsport)