Krakau - Deutschlands neuer „Hexer“ heißt auch Andreas – aber diesmal Wolff statt Thiel. In der Sternstunde für die deutschen Handballer war der Torhüter der Star. Im Finale der Europameisterschaft lief der Schlussmann am Sonntag beim 24:17 gegen Spanien zu ganz großer Form auf – er hielt und hielt und hielt.
Die traumhafte Quote von 50 Prozent parierter Bälle brachte ihm sogar einen Heiratsantrag ein. „Es ist soweit: Andi Wolff, ich will Dich heiraten!“, schrieb TV-Kommentator Frank Buschmann via Kurznachrichtendienst Twitter. Da war es keine Überraschung, dass Wolf auch offiziell als Spieler des Finals ausgezeichnet wurde.
„Uns ist eine Euphorie überkommen, die uns zum Titel getragen hat. Kaum zu glauben, dass wir die jüngste Mannschaft des Turniers waren“, sagte der Final-Held.
Wohin die Spanier in Krakau auch warfen, Wolff war schon da. „Das ist surreal, was er hier hält“, sagte der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer. Dabei hatte Andreas Wolff, der nach dieser Saison von der HSG Wetzlar zum Rekordmeister THW Kiel wechselt, schon im Verlauf des Turniers seine Klasse bewiesen. Bereits vor dem Finale war der 24-Jährige als bester Torhüter ins Allstar-Team gewählt worden.
„Andi hält überragend. Wir haben uns sehr gut auf die Spanier eingestellt. Und wenn mal einer durchkommt, hat er ihn“, meinte Carsten Lichtlein, den Wolff als Nummer eins zwischen den Pfosten verdrängt hatte. In der zweiten Halbzeit steigerte sich der unbezwingbar scheinende Schlussmann weiter und erhöhte seine Fangquote auf 56 Prozent.
Dass ausgerechnet ein Spanier Andreas Wolff erst so stark gemacht hat, entbehrte am Finalabend nicht einer gewissen Ironie. Ex-Weltmeister Jose Hombrados hat dem Jungstar bei der HSG Wetzlar akribische Spiel- und Spieleranalyse beigebracht. „Das größte Geschenk, das Wetzlar mir gemacht hat, war die Verpflichtung von Hombrados, der mir unglaublich viel beigebracht hat, vor allem mental“, sagte Wolff zuletzt.
Hombrados’ Landsleute verzweifelten förmlich an dem deutschen Torhüter. Erst in der Schlussphase des Spiels überwanden die Spanier Wolff öfter. Aber da war die Partie dank seiner Ausnahmeleistung schon zugunsten der Deutschen gelaufen. Am Ende schoben ihn die jubelnden Mitspieler ins eigene Tor.
