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NWZonline.de Das Handwerk

Blaudruckerei Jever: Zarte Muster lassen Traditionen leben

12.11.2021

Jever Manchmal geht das Leben unvorhergesehene Wege. Das hat auch Sabrina Schuhmacher, die aus Bassum kommt und in Hannover studiert hat, festgestellt. Gerade eben war sie noch Studentin, und auf einmal ist sie Inhaberin einer charmanten Blaudruckerei im Herzen der Jeveraner Altstadt.

Erst im Februar hat die Schneiderin und Designerin die Manufaktur vom allseits bekannten Georg Stark übernommen, der diese mehr als drei Jahrzehnte geleitet hat. „Eigentlich war es eher ein Zufall, denn ich hatte ihn damals kontaktiert, um etwas zum Thema ,Norddeutsche Heimat‘ zu verfassen“, berichtet die 25-Jährige. „Ich war von seiner Arbeit so begeistert, dass ich mich da auch eingebracht und Teile meiner Kollektion angefertigt habe. Er war da schon auf der Suche nach einem Nachfolger. Und da es mir so gut gefallen hat, habe ich mich genau dafür entschieden.“ Mehr als drei Monate lang hat ihr der Blaudruck-Experte, der noch heute gern beratend zur Seite steht, alles beigebracht, was man über dieses traditionsreiche Handwerk wissen muss – und sie damit fit für die Übernahme der auch bei Touristen sehr beliebten Blaudruckerei im Kattrepel gemacht.

Schmuckstücke in Blau und Weiß

Bereits vor 400 Jahren gelangte die Methode des Blaudrucks von Indien nach Europa. „Es ist ein faszinierendes Handwerk mit einer langen Tradition und einem hohen geschichtlichen Wert“, sagt Sabrina Schuhmacher. Für die Muster stehen ihr ungefähr 600 Druckstöcke aus feinstem Birnbaum und aus verschiedenen Epochen zur Verfügung. 30 Jahre muss dieses abgelagert werden, damit die ständige Feuchtigkeit während des Druckvorgangs ihm nichts anhaben kann. Neben filigranen Mustern finden sich auch größere, teilweise orientalische Motive mit Drachen oder Granatäpfeln, die manchmal sogar kleine Geschichten erzählen. Sehr beliebt sind auch dezente florale Muster. Bedrucken lassen sich alle Naturfasern wie Leinen, Seide oder Baumwolle. Wer mag, bringt seinen eigenen Stoff mit und lässt ihn individuell verzieren. Aber es gibt auch bereits Gefertigtes, das Sabrina Schuhmacher ihren Kunden anbieten kann: Tischwäsche, Wandbehänge, Gardinen, Kissen, Taschen und auch Kleidungsstücke. Ganz neu im Sortiment: Kleinigkeiten wie Schlüsselanhänger, Geldbörsen und Bestecktaschen, die sich gut als Souvenir eignen. Noch viele Ideen hat sie für die Zukunft. „Ich würde gern mehr in Richtung Kleidung gehen mit modernen Schnitten und dennoch alten Techniken.“

Aufwendige Handarbeit

Zunächst werden die weißen Stoffe vorsichtig mit sogenanntem Druckpapp bedruckt – einer Masse aus Gummi Arabicum, dem Harz des Akazienbaumes. Nach einer Trocknungsphase von ein bis zwei Wochen wird der Stoff auf einen Ring gespannt und in die mit Indigo gefüllte Küpe getaucht. 15 bis 30 Minuten dauert ein Färbergang, die Häufigkeit variiert mit der Tiefe des gewünschten Blaus. Danach wird das Ganze ausgekocht, so dass auch der Druckpapp entfernt wird. Insgesamt entsteht so eine Arbeitszeit von sechs bis acht Wochen pro Teil. „Stoffe mit Blaudruck sind etwas fürs Leben. Sie halten ewig und sind zudem kochfest. Da allerdings der Schleudergang der Waschmaschine nicht so gut geeignet ist, ist die Handwäsche im Kochtopf sehr viel schonender“, empfiehlt Sabrina Schuhmacher.

Führungen durch die Blaudruckerei Jever, die auch täglich von Montag bis Samstag geöffnet hat, gibt es jeden Mittwoch ab 15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

www.blaudruckerei.de

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