Ein fast vergessenes Handwerk wird in Ofen-Bad Zwischenahn seit über 110 Jahren sehr erfolgreich betrieben: Seit 1901 wird im Unternehmen Wiechmann geschreinert, gedrechselt und geflochten. Und das ganz traditionell, mit Handfertigkeit, ausgefeilter Technik, Sorgfalt und hohem Qualitätsbewusstsein. In vierter Generation wird die Firma von Wilhelm Wiechmann jun. und seiner Tochter Angela Heidemann geführt.

Die „Ammerländer Binsenstühle“ sind das Aushängeschild der Firma Wiechmann & Heidemann GbR. Diese Binsenstühle sind in vielen Einrichtungen, wie Gastronomie, Kirchen, aber ebenso im Privathaushalt, sehr beliebt. „Sie strahlen eine Gemütlichkeit und ländliches Flair aus, sind absolut pflegeleicht und man sitzt sehr bequem, selbst bei langem Sitzen“, nennt Wilhelm Wiechmann einige Vorzüge. So ist es nicht verwunderlich, dass die Firma Wiechmann & Heidemann GbR ihre Produkte in ganz Deutschland, ja sogar in Österreich vertreibt.

Die Angebotspalette des Meisterbetriebes wurde konsequent ausgebaut. So werden heute unter dem Motto „Tradition trifft Moderne“ nicht nur Binsenstühle und Möbel im Landhausstil gefertigt, sondern auch Massivholzmöbel im modernen Design. „Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt“, macht Angela Heidemann deutlich. Neben Neuanfertigungen werden auch Restaurierungen sowie Drechsel-, Polster- und Rohrgeflechtarbeiten durchgeführt.

Nach wie vor ist das Flechten reine Handarbeit. Hierfür werden die Elbe-Binsen genommen, die sich durch ihre knotenlose Länge als Qualitätsbinse auszeichnet. Es heißt, je tiefer sie im Schlick steht, umso weicher sei sie. Die getrockneten Binsenbündel, die aus den Elbwatten der Haseldorfer Marsch im südlichen Schleswig-Holstein stammen, lagern im Dachgeschoss des historischen Werkstattgebäudes. Vor ihrer Verarbeitung werden sie über Nacht eingeweicht, damit sie wieder geschmeidig werden. Etwa ein halbes Binsenbündel, zwei bis drei Kilogramm schwer und 1,5 bis zwei Meter hoch, wird benötigt, um die Sitzfläche für einen traditionellen Ammerländer- oder Worpsweder Binsenstuhl zu flechten. Hohes handwerkliches Geschick und große Sorgfalt sind hierfür erforderlich. Hildburg Lohmüller