Oldenburg - Strahlend nimmt Nabil Rhiati seine Gleichwertigkeitsbescheinigung entgegen. Der 38-jährige Marokkaner ist damit der Erste im Kammerbezirk, der seine ausländische Ausbildung zum Elektriker in vollem Umfang mit einem deutschen Abschluss gleichsetzen darf. Möglich macht es das seit April 2012 in Kraft getretene „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“, kurz: Anerkennungsgesetz.
„Ich bin froh und erleichtert, dass ich jetzt auch schriftlich eine Anerkennung als Elektriker bekommen habe“, so Rhiati. Praktisch hat er schon lange in Deutschland überzeugt. Seit fast fünf Jahren ist er bei Diekmann Elektrotechnik in Damme beschäftigt. „Für uns war damals die staatliche Anerkennung der Ausbildung nicht so wichtig“, sagt Thorsten Diekmann, Geschäftsführer der Firma, „Der Mensch und das was er kann ist viel entscheidender.“
Doch obwohl Nabil Rhiati bei der Firma Diekmann wie ein vollwertiger Elektriker bezahlt und eingesetzt wurde, wollte er auch eine offizielle Anerkennung als ausgebildeter Elektriker. „Das brauchte ich einfach für meinen Kopf. Ich wollte eine Bestätigung, dass meine Ausbildung gleichwertig ist“, erinnert sich Rhiati. „Da war das neue Gesetz ein Glücksfall.“
In der Handwerkskammer prüfte Christine Leemhuis den Antrag von Nabil Rhiati. „Wir vergleichen die Inhalte des ausländischen Berufsabschlusses mit einem entsprechenden deutschen Abschluss. Außerdem überprüfen wir, ob fehlende Inhalte durch Berufserfahrung ausgeglichen werden. Vor allem das Arbeitszeugnis der Firma Diekmann erleichterte im Fall von Rhiati das Verfahren zur Anerkennung erheblich. „Es ist nicht so einfach, ausländische Berufsabschlüsse zu bewerten.
Das Bildungssystem im Iran, in Polen oder in Marokko unterscheidet sich stark vom deutschen Ausbildungssystem. Da sind wir auf die Unterstützung der Behörden angewiesen“, sagt Leemhuis. Für die Ausbildungsberaterin ist das Gesetz angesichts des drohenden Fachkräftemangels sehr wichtig: „Die ausländischen Berufsabschlüsse werden jetzt für die Firmen viel transparenter. So wird das Bewerbungsverfahren für beide Seiten erleichtert.“
Mit seiner Bescheinigung ist Nabil Rhiati auch für die Zukunft abgesichert. Ein Wechsel der Arbeitsstelle wäre jetzt viel leichter als vorher. „Daran denke ich aber nicht. Die Firma Diekmann hat viel für mich getan. Ich bin sehr glücklich hier“, so der Marokkaner. Informationen: Christine Leemhuis, HWK-Ausbildungsberaterin, Tel.: 0441/ 232-242.
