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NWZonline.de Handwerksbeilage

Galionsfiguren: Einzigartiges Kunst-Handwerk am Weserdeich

05.02.2016

Wesermarsch  –  Selbst die „Kelly Family“ hat es sich nicht nehmen lassen, dem Bildhauerehepaar Claus und Birgit Hartmann auf der Weserinsel Harriersand einen Besuch abzustatten, um mit ihnen persönlich ihren Auftrag (eine Galionsfigur) zu besprechen. Für den Dreimaster „Santa Barbara Anna“ zauberten sie für die Kellys mit Kettensäge und Schnitzmesser eine graziöse Holzdame mit einer irischen Harfe. Mittlerweile sieht man die vielen Galionsfiguren von Claus und Birgit Hartmann auf allen sieben Weltmeeren und in jedem Hafen der Welt. In diesem Kunsthandwerk sind sie die einzigen weltweit, die sich auf das professionelle Schnitzen von Galionsfiguren spezialisiert haben. Claus Hartmann stammt mütterlicherseits aus einer alten Seefahrerfamilie und für den jungen Claus gab es nichts schöneres, wenn sie von ihren Erlebnissen auf hoher See berichteten. Auch die Galionsfiguren, die sein Urgroßvater Kapitän Johann Mohrschladt von gestrandeten oder abgewrackten Schiffen gesammelt hatte, faszinierten ihn. Von seinem Vater stammen viele Ölgemälde und auch das Spielzeug für die Kinder, bastelte oder schnitzte er eigenhändig. Sohn Claus hatte die künstlerische Ader seines Vaters mitbekommen. Mit 15 Jahren fasste er den Entschluss hauptberuflich Galionsfiguren zu herzustellen. Seine Eltern waren von dieser Idee alles andere als begeistert und rieten ihrem Sohn etwas Vernünftiges zu lernen. So machte er sein Abitur und nach dem Zivildienst studierte er Biologie, brach sein Studium aber schnell wieder ab und machte dann eine vierjährige Ausbildung zum Heilpraktiker. Anschließend studierte er zur großen Freude seiner Eltern Medizin. „Ich wollte ein richtiger Landarzt werden und war auch fast fertig, als sich gesetzlich etwas veränderte. Um eine Kassenzulassung zu bekommen, musste ich eine Ausbildung zum Facharzt haben und das hätte bedeutet: Noch weitere vier Jahre Studium!“. Das war für Claus Hartmann der Grund auszusteigen und seinem Traum als Schiffbildhauer zu verwirklichen. Um sein Studium zu finanzieren und auch körperlich einen Ausgleich zu haben, hatte er schon während des Studiums Galionsfiguren hergestellt. 1995 gründete er zusammen mit seiner Ehefrau die Firma „Hartmann Design“. Seinen Eltern gehörte ein ehemaliger Marschhof in Harriersand am Weserdeich, das oft als Wochenendhaus genutzt wurde. Hier richteten sie ihre Werkstatt ein. Im oberen Teil des Hauses lebt das Ehepaar zusammen mit ihren beiden Kindern.

Die Auftraggeber stammen aus aller Welt. Sein erster Auftrag für eine Galionsfigur kam aus seiner Heimatstadt Elsfleth. Sein Nachbar war Kapitän des Seglers „Großherzogin Elisabeth“ und dem schlug er vor, sein Schiff doch mit einer Galionsfigur zu schmücken. Der fand die Idee so gut, dass er schnell einwilligte. Bevor er damit angefangen war, bekam er von der Reederei Deilmann auch gleich den nächsten Auftrag. Eine Galionsfigur für den Passagiergroßsegler „Lili Marleen“, die in der Elsflether Werft gebaut wurde. „Es gab zu der Zeit keinen mehr, der solche Figuren herstellte, aber auch niemanden mehr, der sie haben wollte. Ein Brauch, der fast in Vergessenheit geriet. Wir haben genau genommen den Markt für Galionsfiguren wieder geschaffen“, sagt Claus Hartmann. Nach dem er sein Studium 1998 beendet hatte, widmet er sich ganz dem Kunsthandwerk. Zusammen mit seiner Ehefrau Birgit, einer gelernten Grafik-Designerin, bildete er bei diesem anspruchsvollen Kunsthandwerk ein ideales Team. Natürlich mussten sie zu Anfang noch viele „Klinken putzen“, doch spätestens als der schwedische Reeder Mikael Krafft für den größten Segler der Welt, für seine „Royal Clipper“, eine Galionsfigur bestellte, hatten sie es geschafft. Ihr Name war in der Szene der Schiffart bekannt. Inzwischen haben sie 39 Galionsfiguren für die größten und auch für kleinere Segelschiffe hergestellt. Am Anfang steht immer die Vermessung vor Ort, um die Größe und Haltung der Figur festzulegen. Die Auswahl des Motives wird durch die Wünsche vom Eigner des jeweiligen Schiffes bestimmt. Dann werden die Entwürfe angefertigt. Diese werden dem Kunden nicht nur als 3D Modell präsentiert, sondern oft auch in Gips. Darauf folgt die Auswahl des Materials. Bei Holz reicht das Angebot von der nordischen Kiefer über Eiche, Ulme, Esche um nur einige zu nennen. Mit der Kettensäge wird dann grob die Figur aus dem Holz geschnitten, bevor mit verschiedenen Werkzeugen die Konturen ausgearbeitet werden. Intensives Schleifen und Glätten ist die Grundlage für die anschließende Imprägnierung und Bemalung. Je nach späterer Beanspruchung, erhält jede Skulptur eine individuelle Konservierung. Das Ehepaar Hartmann ist aber nicht nur auf Galionsfiguren spezialisiert. Sie fertigen unter anderem auch Bugornamente für Segelschiffe und Yachten, dazu Repliken historischer Figuren und auch Skulpturen für den Innenbereich an. Eine davon steht zum Beispiel bei „James Bond“ Darsteller Roger Moore. Die Kunden von Claus und Birgit Hartmann kommen mittlerweile aus der ganzen Welt.Dirk Wieting

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