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NWZonline.de Handwerksbeilage

Meisterhaft: Nina steigt gerne anderen aufs Dach

15.02.2019

Der Himmel ist bedeckt, es regnet Bindfäden – Nina Sicher hat ihre ersten Termine für heute bereits telefonisch abgesagt. Im maßgeschneiderten Kehranzug und Zylinder steigt sie bei den Leuten gerne aufs Dach, bei Schlechtwetter aber ausdrücklich nur, wenn entsprechende Trittsicherungen vorhanden sind oder wenn vom Dachboden gefegt werden kann. Für Heizungsmessungen oder Beratungen trägt die 29-jährige Schornsteinfegermeisterin normale Kleidung. Für das Kehren legt die drahtige blonde Delmenhorsterin traditionell ihre Berufskluft an und freut sich, wenn Passanten oder Kunden ihr auf die Schulter klopfen oder glücksbringend am Knopf drehen. Auch für Hochzeiten wurde sie schon engagiert. Bringen Schornsteinfeger wirklich Glück?

„Ich arbeite sehr penibel“

Wenn Nina im Kehrbezirk ihres Chefs Peter Rose an der Tür klingelt, und das sind jährlich ca. 3000 Häuser, wird sie meist mit einem fröhlichen Hallo begrüßt. Denn die 1,68 Meter große Meisterin vom Fach hat sich ihren guten Ruf schnell erarbeitet. Nach ihrer Ausbildung war sie nicht nur Deutschlands beste Auszubildende, die zielstrebige und ehrgeizige Frohnatur ist zudem bildhübsch und weiß mit ihrem Humor zu überzeugen. Selbst bezeichnet sich Nina Sicher als penibel und ist damit in der Tat ein Glücksfall. Denn je genauer die Heizungen und Schornsteine kontrolliert werden, umso länger ist auch ihre Lebensdauer.

Guter Ausblick beim Kehren

Nina kommt nie unvorbereitet zum Termin vor Ort, denn anhand ihres präzise geführten Arbeitsbuches ist sie für alle Fälle gut gerüstet: „Mein Auto ist zugleich mein Büro“, freut sie sich über die mobile Vielseitigkeit des Berufes: Ob Fegen oder Messen, ob Überprüfen oder Beraten, Organisieren oder Dokumentieren – täglich benötigt sie dafür das richtige Equipment an Bord. Sie liebt es, anderen aufs Dach zu steigen und sich die Hände schmutzig zu machen: „Beim Kehren genieße ich auch schon mal die besondere Aussicht an der frischen Luft“.

„Ich will selbstständig werden“

Doch auch sonst hat die Schornsteinfegerin, die 2016 gleich nach der Ausbildung in der Schornsteinfegerschule in Langenhagen berufsbegleitend ihren Meister mit Note 2 abschloss, klare Ziele vor Augen. Nina Sicher möchte in Zukunft einen eigenen Kehrbezirk, sich weiterhin ehrenamtlich im Gewerkschaftsvorstand der Bezirksgruppe Nordwest Niedersachsen vom Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (ZDS) engagieren und weiter fortbilden. Die abwechslungsreiche Arbeit vom Keller bis zum Dach begeistert die versierte Expertin nach wie vor. Die Reinigung und Kontrolle von Abgasanlagen, Feuerstätten und Lüftungsanlagen für Gas- und Ölheizungen, aber auch Feuerstätten wie Kamine oder auch Beratung in Sachen Brand- und Umweltschutz erfordert viel technisches Know-how.

„Ich überzeuge mit Kompetenz“

Sie weiß mit Kompetenz zu überzeugen und sieht in der Energieberatung großes Potenzial. Die anfängliche Skepsis bei den Kunden, weil sie keine Frau in dem Beruf erwartet hatten, ist mittlerweile längst verflogen. In Delmenhorst liegt aktuell der weibliche Schnitt sogar recht hoch mit drei Schornsteinfegerinnen bei acht Kehrbezirken. Im Meistervorbereitungskurs waren 4 Frauen unter 28 Teilnehmern, in der Lehre lag der Schnitt bei zehn Prozent.

„Der Beruf war purer Zufall“

Das verwundert Nina selbst nicht, denn auch bei ihr war es purer Zufall, dass sie diesen Männerberuf für sich entdeckt hat. „Eigentlich wollte ich Kinderkrankenschwester werden und habe deshalb 2009 nach dem Abi in Syke ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kinderhospiz Löwenherz absolviert“, erinnert sich die 29-Jährige. Die heute mit ihrem Freund und zwei Hunden in Delmenhorst direkt im Kehrbezirk wohnt und lebt. Die Bedingungen in der Pflege hätten sie von ihrem Berufsziel wieder abgebracht. Als sie ihre Mutter in der Syker Bäckerei besuchte und fragte, was sie eigentlich als Kind hatte werden wollen, kam die Antwort vom Nebentisch im Café: „Ich glaube, du wolltest schon immer mal Schornsteinfeger werden.“ Was im ersten Moment wie ein Scherz klang, meinte Schornsteinfegermeister Maic Wetzel aus Sulingen durchaus ernst, wie Nina schnell bemerkte. Sie fand eine Ausbildung im Handwerk durchaus reizvoll und nahm die Herausforderung an. Schon als Kind hatte sie mit ihrem Vater, gelernter Fluggerätemechaniker, zusammen viel rumgewerkelt. Gesagt, getan – ein Praktikum bewies, dass sie schwindelfrei ist, technisch interessiert und eine gute Kondition hat. Aus dem Zufallstreffen in der Bäckerei wurde ein Ausbildungsvertrag.

Von Anfang an auf der Erfolgsspur

Mit dem Gesellenbrief als Kammerbeste und als einer der bundesweit besten Nachwuchs-Schornsteinfeger fand sie eine Anstellung beim Schornsteinfegermeister und Energieberater Peter Rose, der in einigen Jahren in Rente geht. Der Traum vom eigenen Kehrbezirk rückt näher. „Aber wir haben einen riesengroßen Nachwuchsmangel! In den nächsten zehn Jahren können wir aktuell die Bezirksmeisterstellen nicht mit nachrückenden Gesellen besetzen. Und selbst wenn wir es könnten, hätten sie keine Mitarbeiter“, umreißt Nina Sicher den eklatanten Fachkräftemangel.

Online-Voting für Miss Handwerk bis 6. März

Dieser Missstand hat die junge Frau bewogen, für mehr Nachwuchs zu werben und dabei hat sie ihren ganz eigenen Weg gefunden: Am 13. März will sie in München zur Miss Handwerk 2019 auf der Internationalen Handwerksmesse (13.-17.3.) gekürt werden. Dazu hat sich die gebürtige Bremerhavenerin recht freizügig fotografieren lassen und mit einem bezaubernden Fotoshooting spielend leicht die Casting-Hürden des Deutschen Handwerksblatts genommen – und es auf die Titelseite der BILD-Zeitung geschafft. „Wenn man den Wettbewerb gewinnen will, dann muss man auffallen“, sagt die 29-Jährige und lacht. Sechs Männer und sechs Frauen stehen nun im Titelfinale. Diese Hürde ist noch recht hoch, beim Online-Voting liegt die hübsche Nina noch auf Rang 4. Deshalb erhofft sie sich aus ihrer Heimat jetzt tatkräftige Unterstützung, um zu Deutschlands bester und schönster Handwerkerin gekürt zu werden. Wer am Ende Miss und Mister Handwerk 2019 wird, darüber entscheidet zu einem Drittel das Internet-Voting, zu jeweils einem Drittel das Publikum und die Fachjury in München


Bis zum 6. März können hier noch alle kräftig für Nina voten:   www.germanyspowerpeople.de 
Swantje Sagcob Redakteurin / Sonderthemen Redaktion
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