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Nachwuchs Maria Engelmann hat sich ihre Zukunft „maßgeschneidert“

Peter Kratzmann

Als Maria Engelmann (23) aus Goldenstedt 2011 ihren erweiterten Realschulabschluss meisterte, war sie überzeugt davon, dass ihre berufliche Zukunft in einem Büro und damit am Schreibtisch liegen würde. Sie besuchte zunächst weiter das Gymnasium, um ihr Abitur zu basteln. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, heißt es bekanntlich im Volksmund.

Auszeichnungen ver-helfen zum Meisterkurs

„Es war damals eine schwierige Zeit. Meine Eltern trennten sich, Pubertät, Flausen im Kopf. Ich habe das Gymnasium geschmissen“, erzählt die sympathische 23-Jährige im Gespräch.

Aus heutiger Sicht könnte man sagen: Zum Glück. Denn Maria Engelmann ist zweite Bundessiegerin der Handwerkskammer Oldenburg im Ausbildungsberuf Maßschneiderin mit Schwerpunkt Damen. Ganz nebenbei erreichte sie ebenfalls auch auf Bundesebene noch einen zweiten Platz im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks – Verband Schneider unter dem Titel „Die Gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“.

Und es kommt noch besser. Vor zwei Wochen erhielt die Goldenstedterin die Zusage durch die Kammer für ein Weiterbildungsstipendium zum Meisterkurs. Das bedeutet ab August 2018 ein Jahr Vollzeitkurs mit Endziel Meisterprüfung.

„Damit habe ich nie gerechnet. Ich habe mir nach der Schule immer gesagt: Du bist keine Kreative“, lächelt die Bundessiegerin fast ein Stück verlegen. Doch dazu hat sie keinen Anlass, denn hinter ihren Leistungen braucht sich die Maßschneiderin wahrlich nicht zu verstecken.

Oma und Mutterals Vorbild

„Alles fing an, als ich zu einer Silberhochzeit eingeladen worden war. Ein Kleid von der Stange kaufen wollte ich nicht. Da erinnerte ich mich an meine Oma Maria. Sie ist Schneiderin und Mama Maria Hobbynäherin.“ Maria besorgte sich einen passenden Schnitt für das Kleid. „Ich hatte wirklich null Schnall, als ich den genauer betrachtete.“ Doch was half es. Ran an die Nähmaschine. Zwei Tage vergingen und das gute Stück war zusammengenäht. „Je länger ich an dem Kleid saß, desto mehr machte mir es Spaß. Praktisch arbeiten mit den Händen. Das war’s. Daraus entstand der Berufswunsch Schneiderin zu werden.“

In Goldenstedt bewarb sich Maria um eine Ausbildung im Modeatelier Zurwellen, bei Inhaberin Britta Zurwellen. Sie erhielt die Zusage zur dreijährigen Ausbildung ab August 2014. Von Juni bis August lernte sie zuvor ihre künftige Lehrstelle schon einmal im Praktikum besser kennen.

Bei Britta Zurwellen erlernte sie das Handwerk der Maßschneiderin von der Pike auf. Vom anfänglichen Knöpfeannähen immer ein Stück Fachwissen und Handwerk mehr. Im dritten Lehrjahr nähte Maria ein komplettes Kleid oder auch eine Hose alleine. „Ich habe dort viel gelernt und konnte oft selbstständig arbeiten“, lobt sie ihre Ausbildungsstätte.

Gesellenstück ebnetden Weg

Zur anstehenden Gesellenprüfung schneiderte Maria Engelmann einen roten Hosenanzug aus Wollsatin und Wildseide. Ein Gesellenstück, das nicht nur bei der Prüfung mit Auszeichnung als Kammersiegerin gefiel, sondern sie auch Landessiegerin werden ließ und auf Bundesebene den zweiten Platz einbrachte. „Damit hatte ich nie gerechnet. Ich weiß heute noch gar nicht, was ich dazu sagen soll. Freue mich aber natürlich riesig.“

Das dann noch der zweite Platz im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks – Verband Schneider „Die Gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ hinzukam und nun auch das Meister-Stipendium, ist mehr als Maria je erwartet hat.

Stipendium ab August

Zuhause hat sie sich nun ein Zimmer als eigene Nähstube eingerichtet. Mit voller Ausstattung von Nähmaschine bis zur Bügelstation. Erledigt werden immer mal wieder Einzelaufträge. Daneben arbeitet sie in Vollzeit in einem Bäckergeschäft. Das alles aber nur bis zum Stipendium-Beginn im August.

Was nach dem Meistertitel kommt, hält sich die 23-Jährige noch ein Stück offen. Vielleicht Studium, vielleicht Selbstständigkeit oder Anstellung? „Jetzt freue ich mich erst einmal auf das einjährige Stipendium. Dann werden wir sehen….“

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