HARPSTEDT - Strom- und Heizkosten haben sie keine: Die Kinder sind an Sonne und Regen gewöhnt.

Von Jan Kuhlmann

HARPSTEDT - „Wir sind den ganzen Tag draußen an der frischen Luft, egal bei welchem Wetter“, beschreibt Nadine de Boer das Konzept des Kindergartens, den sie leitet. Der Waldkindergarten in Harpstedt, dessen Träger der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist, kommt ohne Strom und Heizung aus.

Den Kindern scheint es zu gefallen: Sie haben rote Bäckchen und sehen gesund aus. „Unsere Kinder sind abgehärtet“, sagt Nadine de Boer. Und beim Spielen an der frischen Luft würden sich Krankheiten unter den Kinder auch nicht so schnell ausbreiten.

Und so stapfen die Kleinen jeden Tag in der Woche in die wilde Natur. „Naturnahes Spielen“, nennen die beiden 24-jährigen Erzieherinnen Nadin de Boer und Sonja Kern das. Gespielt wird mit dem, was die Kinder im Wald finden – so lernen die Kinder schon in jungem Alter eine Alternative zu Fernseher und Computer kennen.

Bei Eltern kommt das Konzept an, wie die Leiterin berichtet: „Manche ziehen sofort mit, andere muss man erst überzeugen“, sagt sie. Wer sein Kind in der 15 Plätze starken Vormittagsgruppe unterbringen will, sollte es am besten gleich bei der Geburt anmelden, so lang ist die Warteliste. In der Nachmittagsgruppe sind jedoch noch einzelne Plätze frei.

Die Kinder haben vor Regen und Kälte keine Angst: „Sie lieben es, in de Pfützen zu spielen“, erzählt Nadine de Boer mit leuchtenden Augen. Erschrocken seien allenfalls mal die Eltern, wenn sie ihre matschverschmierten Lieblinge wieder abholen. „Die Kinder werden dann in gelbe Säcke gesteckt, und dann geht es ins Auto“, schmunzelt die Kindergartenleiterin.

Und verloren gegangen ist im Wald auch noch nie ein Kind, obwohl es keine Zäune oder Türen gibt. Alle bleiben immer in Sichtweite und achten auch darauf, dass die Spielkameraden sich nicht zu weit entfernen.