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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Harpstedt

„Das Mündungsfeuer vor Augen“

22.03.2019

Harpstedt /Kirchseelte „Es war ein schrecklicher Anblick. Mein Klassenkamerad Hans-Hermann Pestrup war tot, Heinz Hoffmeyer so schwer verwundet, dass ihm ein Fuß unterhalb der Wade abgenommen werden musste. Der Schüler Fritz Heyen starb abends im Krankenhaus in Delmenhorst. Walter Oldenburg erhielt einen Kopfschuss, der das Gehirn freilegte.“ – Im Tagebuch von Horst Behnke ist festgehalten, was am 22. März 1944, im vorletzten Jahr des Zweiten Weltkriegs, Harpstedt schockte. Ein Schülerzug war bei einem Tieffliegerangriff beschossen worden.

Um 13.54 Uhr, so steht es im Tagebuch, hatte der Zug den Delmenhorster Bahnhof verlassen. Drei Personenwagen und ein Packwagen waren an die Dampflok angekuppelt, erinnern sich Willi Laue und der spätere Flecken-Bürgermeister und Landrat Hermann Bokelmann, damals 14 und heute beide 89 Jahre alt.

Als der Schülerzug kurz vor dem Bahnhof in Kirchseelte war, tauchte ein englisches Jagdflugzeug am Himmel auf. Erst habe der Pilot einen Angriff von vorn geflogen, erklärt Bokelmann, der im dritten Wagen saß. Der Zugführer habe auf freier Strecke abgebremst. Die meisten Schüler seien aus den Waggons gesprungen und hätten am Bahndamm oder in Ackerfurchen eine Deckung gesucht – nicht so die im Schülerwagen gleich hinter der Lok, in dem auch Laue saß.

Bei dem ersten Angriff sei niemandem etwas passiert. Der Pilot habe wohl auf den Lokführer gezielt, aber den Packwagen getroffen.

Dann flog er einen zweiten Angriff, diesmal von links. Willi Laue hat die Situation noch genau vor Augen: „Ich habe das Mündungsfeuer der vier Bordkanonen auf mich zukommen sehen.“ Er krümmte sich in Richtung Boden, denn ein Hinlegen sei nicht möglich gewesen – da lagen getroffene Mitschüler. Der Pilot, so ist Laue überzeugt, habe eigentlich die Lokomotive treffen wollen. „Es war ein Fehlschuss.“

Auch Laue wurde getroffen. Als er sich an den Hinterkopf fasste, war seine Hand voller Blut. „Mehrere Splitter“ habe er abbekommen – „die hat der Muna-Arzt Dr. Schäfer rausgeholt.“

Der Beschuss, so sagt Hermann Bokelmann, habe letztlich drei Todesopfer gefordert, denn nach Hans-Hermann Pestrup und Fritz Heyen sei auch Walter Oldenburg seinen Verletzungen erlegen. Teils schwere Verletzungen hätten Heinz Hoffmeyer, Heinz Lindloge und Wilhelm Laue erlitten.

Elf Tage vor der Tragödie war ein anderer Zug in Adelheide von einem Tiefflieger angegriffen worden. Dabei, so weiß es Bokelmann, wurde Lokführer Christel Lakewand getötet, Schaffner Fritz Hasselbusch erlitt einen Lungensteckschuss, der Heizer „Iwan“ einen Bauchschuss.

Wilhelm Laue und Hermann Bokelmann engagierten sich später beide für die deutsch-französische Freundschaft mit Harpstedts Partnergemeinde Loué. Laue knüpfte mit seinem Jugendspielmannszug der Feuerwehr schon vor 50 Jahren Kontakte nach Loué, die noch heute bestehen.

Beide sind sich einig: „Der Kriegs-Tod der drei Harpstedter Schüler ist eine Mahnung an die jüngere Generation, sich weiterhin für ein friedliches, freies und demokratisches Europa einzusetzen.“

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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