HARPSTEDT - Elf Jahre lang gingen sie in eine Klasse und waren gut befreundet, erst nach dem Abitur 2006 verloren sie sich aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsziele etwas aus den Augen. Demnächst könnten sich die Wege von Ben Müller und Markus Würdemann wieder kreuzen, und zwar auf kommunalpolitischer Bühne, denn die beiden Harpstedter, Jahrgang 1986, sind die jüngsten Neukandidaten für den Samtgemeinderat und den Fleckenrat – jedoch in unterschiedlichen Lagern. Müller für die FDP (SG-Listenplatz 6), Würdemann für die SPD (Listenplatz 16).
Kontrovers diskutiert
„Schon in der Oberstufe haben wir öfter über verschiedene Ansichten diskutiert, das tat unserer Freundschaft aber keinen Abbruch“, erinnert sich Ben Müller, der am Gymnasium Wildeshausen das Leistungsfach Politik belegte. Parteimitglied ist der 24-Jährige nicht: „Ich fühle mich aber den Liberalen verbunden und bin von deren Grundkonzepten auf Bundesebene überzeugt.“ Einmal selbst in die Politik zu gehen, hätte Ben Müller, der kurz vorm Abschluss seiner Ausbildung zum Medizinisch Technischen Assistenten für Radiologie steht, noch vor einem Jahr nicht glauben können.
Einmal in der Politik selbst aktiv zu werden, kann sich Markus Würdemann bereits seit längerem vorstellen. Schon vor zwei Jahren trat er in die SPD ein, war aber vorher schon bei den Harpstedter Jusos zusammen mit Jungratsherr Jan Finke aktiv. Seit 2010 ist er örtlicher Juso-Vorsitzender. „Das macht einfach Spaß, mit den Harpstedter SPD-lern zusammenzuarbeiten“, sagt Würdemann, den das Thema Politik so sehr fesselt, dass er sich an der Oldenburger Uni für Politik und Soziologie einschrieb. Hier steht der 25-Jährige kurz vorm Ende seines Bachelor-Abschlusses und will noch den Masterstudiengang anschließen.
„Mehr Schwung“ bringen
Dem Ruf nach jungen Leuten in der FDP folgte Ben Müller nach kurzer Überlegungszeit bereitwillig. „Da eher Ältere im Rat sitzen, ist es wichtig, dass junge Leute neue Sichtweisen auf bestimmte Themen lenken.“ Einer seiner Schwerpunkte: die Finanzen. „Noch steht die Samtgemeinde ganz gut da, und das soll auch so bleiben“, so der liberal Denkende. Sozialdemokrat Würdemann möchte wieder „mehr Schwung“ nach Harpstedt bekommen mit mehr Arbeitsplätzen und Angeboten für die Jugend.
Auch wenn sich das berufliche Leben der beiden jungen Männer in Oldenburg bzw. Bremen abspielt, fühlen sie sich im beschaulichen Harpstedt wohler und wollen den Ort liebens- und lebenswert erhalten. Müller arbeitet in Bremen, wohnt aber bei seinen Eltern in Harpstedt, wo er als Saxofonspieler oft mit den Pragern unterwegs ist.
Würdemann hat eine Studentenbude in Oldenburg und ist so oft wie möglich bei seinen Eltern in Harpstedt. Viel Zeit verbringt er in Bussen und Bahnen, denn einen Teil seines Studiums finanziert er sich mit einem Job im Call- und Ticket-Center des SV Werder Bremen. Nebenbei ist er noch bei der Gewerkschaft IG Metall als Jugend-Referent engagiert.
Eines steht für beide fest: Einer möglichen Zusammenarbeit im Flecken- oder im Samtgemeinderat sehen sie mit Spannung entgegen.
